Mario Adorf ist tot. Wie der "Spiegel" meldete, ist der Schauspieler nach kurzer Krankheit gestern in Paris gestorben.
Adorf war einer der meistbeschäftigten und populärsten deutschen Schauspieler und wurde durch Rollen in zahlreichen internationalen Produktionen auch weit über Deutschland hinaus bekannt. 1930 als Sohn eines Italieners und einer Deutschen in Zürich geboren, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen bei seiner Mutter auf. Er erlernte die Schauspielerei an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule, nachdem er zuvor zunächst ein geisteswissenschaftliches Studium aufgenommen hatte. 1954 spielte er seine erste Filmrolle in Paul Mays Landser-Drama "08/15", drei Jahre später wurde er mit seiner Rolle als Frauenmörder in Robert Siodmaks "Nachts, wenn der Teufel kam" berühmt – die erste von vielen ikonischen Rollen. Beim Bundesfilmpreis wurde er dafür als Bester Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet.
Als Bösewicht überzeugte er danach beispielsweise auch in Georg Tresslers "Das Totenschiff" (1959) und Harald Reinls "Winnetou 1" (1963). Ab den 1960ern spielte er dann auch in vielen italienischen und weiteren internationalen Produktionen, unter der Regie von Berühmtheiten wie Sam Peckinpah ("Major Dundee", 1964), Sergio Corbucci ("Fahrt zur Hölle, ihr Halunken", 1969), Billy Wilder ("Fedora", 1978) und Claude Chabrol ("Stille Tage in Clichy", 1990).
In den 1970er Jahren prägte er mit seiner markanten Erscheinung, klangvollen Stimme und wuchtigen Auftritten zahlreiche Werke des Neuen Deutschen Films: Er spielte einen fiesen Gangster in Roland Klicks "Deadlock" (1970), den unbarmherzigen Kommissar in Volker Schlöndorffs Böll-Verfilmung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) und den korrupten Unternehmer Schuckert in Rainer Werner Fassbinders "Lola" (1981). In Schlöndorffs Oscar-Preisträger "Die Blechtrommel" (1979) verkörperte er den opportunistischen Nazi-Mitläufer Alfred Matzerath. Auch unsympathischen Figuren vermochte er stets Menschlichkeit zu verleihen, und sogar kleinere Rollen legte er facettenreich an.
Im Fernsehen feierte er ebenfalls Erfolge, oft in der Rolle eines Patriarchen, etwa in Mehrteilern wie Dieter Wedels "Der große Bellheim" (1992) oder Tom Toelles "Via Mala" (1985). In Helmut Dietls Mini-Serie "Kir Royal" (1986) hatte er einen unvergesslichen komischen Auftritt als neureicher Industrieller. Für Dietl spielte er auch in dessen vielfach ausgezeichnetem Kinofilm "Rossini oder Die mörderische Frage, wer mit wem schlief" (1995).
Würde und Warmherzigkeit prägten viele von Adorfs späten Rollen, zu denen beispielweise ein alternder Filmstar in "Die Libelle und das Nashorn" (2012) von Lola Randl und ein KZ-Überlebender in "Der letzte Mentsch" (2014) von Pierre-Henry Salfati zählen.
Im Lauf seiner 70 Jahre währenden Karriere hat Mario Adorf in rund 220 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt und darüber hinaus immer wieder auf der Bühne gestanden und mehrere Bücher mit Erinnerungen und Kurzgeschichten veröffentlicht. Für sein Schaffen erhielt er dutzende Auszeichnungen, darunter der Deutsche Filmpreis für "herausragende Verdienste um den deutschen Film", der Deutsche Fernsehpreis für sein Lebenswerk und das Große Bundesverdienstkreuz.
Wie der "Spiegel" meldete, starb Mario Adorf nach kurzer Krankheit am Mittwoch in seiner Pariser Wohnung. Er wurde 95 Jahre alt.