Alexander Kluge ist tot

Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge ist gestorben. Das meldete Der Spiegel heute mit Berufung auf den Suhrkamp Verlag.

 

Alexander Kluge zählte zu den prägendsten deutschen Filmemachern und spielte insbesondere für den Neuen Deutschen Film eine herausragende Rolle, sowohl künstlerisch als auch politisch.

1932 in Halberstadt als Sohn eines Landarztes geboren, studierte er zunächst Rechtswissenschaften, Geschichte und Kirchenmusik in Marburg und Frankfurt am Main, wo er unter anderem Vorlesungen von Theodor W. Adorno besuchte. Nach kurzer Tätigkeit als Rechtsanwalt Ende der 1950er Jahre wandte er sich dem Film und der Schriftstellerei zu.

Gemeinsam mit Peter Schamoni drehte er 1960 seinen ersten Kurzfilm "Brutalität in Stein", eine Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer Architektur. 1962 gehörte er zu den Mitunterzeichnern und treibenden Kräften des "Oberhausener Manifests", das eine Erneuerung des deutschen Films anstrebte. Er übernahm außerdem mit Edgar Reitz und Detten Schleiermacher die Leitung der Filmabteilung an der Ulmer "Hochschule für Gestaltung", gründete seine eigene Produktionsfirma Kairos Film und war Mitbegründer des Kuratoriums Junger Deutscher Film.

Ab Mitte der 1960er Jahre prägte er mit Werken wie seinem programmatisch betitelten Langfilmdebüt "Abschied von gestern" (1966), "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" (1968), "In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod" (mit Edgar Reitz, 1974) oder "Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit" (1985) eine ausgeprägt politische Spielart des Neuen deutschen Films und entwickelte seinen ganz eigenen Stil zwischen Spiel- und Essayfilm. Darüber hinaus beteiligte er sich auch an Kollektiv-Filmprojekten wie "Deutschland im Herbst" (1978) und "Krieg und Frieden" (1983).

1987 zählte Kluge zu den Gründern der Produktionsfirma dctp, mit der er ein Gesetz nutzte, das die Anbieter des gerade florierenden Privatfernsehens verpflichtete, Sendeplätze für unabhängige Kulturmagazine zur Verfügung zu stellen. So belieferte er das Programm von Sendern wie Sat.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen.

Neben seinem Film- und Fernsehschaffen war Kluge zeitlebens in der Film- und Kulturpolitik engagiert, setzte sich für die Filmförderung ein, lehrte an der Goethe Universität Frankfurt am Main – und war zudem äußerst produktiv als Autor von Romanen ("Schlachtbeschreibung"), Erzählungen und Essays, in denen er sich ebenso wie in seinen Filmen als stets wacher und kritischer Beobachter der Gesellschaft erwies.

Zu Alexander Kluges letzten Filmen zählten zwei Kooperationen mit dem philippinischen Filmemacher Khavn De La Cruz, "Happy Lamento" (2018) und "Orphea" (2020) mit Lilith Stangenberg, in denen Kluge abermals seine Experimentierlust und Offenheit für neue Techniken und Ansätze bewies.

Kluge wurde vielfach ausgezeichnet. So gewann er neben zahlreichen literarischen Preisen den Silbernen Löwen in Venedig für "Abschied von gestern", den Goldenen Löwen für "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos", mehrere Deutsche Filmpreise und den Adolf-Grimme-Preis. 2008 wurde er beim Deutschen Filmpreis mit dem Ehrenpreis für seine "hervorragenden Verdienste um den deutschen Film" geehrt. 2024 wurde er in den Orden Pour le Mérite  aufgenommen, 2025 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

Alexander Kluge starb am gestrigen Mittwoch in München. Er wurde 94 Jahre alt.