Preisträger*innen beim 47. Bayerischen Filmpreis

Bei der heutigen 47. Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München wurden in insgesamt elf Kategorien Filmschaffende mit dem begehrten "Pierrot" ausgezeichnet. 

"Amrum" wurde in der Kategorie Bester Film ausgezeichnet. Der Film war nominiert zusammen mit den beiden Filmen "Heldin" (MMC Zodiac) und "22 Bahnen" (BerghausWöbke Filmproduktion GmbH). Den Preis als Beste Darstellerin erhielt in diesem Jahr Leonie Benesch für ihre Rolle in "Heldin". Rainer Bock wurde als Bester Darsteller für seine Rolle in "Karla" geehrt. Til Schindler und Heike Hanold-Lynch wurden in der Kategorie Entdeckung für "Scham" ausgezeichnet.

Der Bayerische Filmpreis wird seit 1979 vergeben. Er zählt zu den renommiertesten und bestdotierten Auszeichnungen in der deutschen Filmbranche. Der Bayerische Filmpreis ist mit Preisgeldern von insgesamt 300.000 Euro dotiert und wird in elf Kategorien auf Vorschlag einer zehnköpfigen Fachjury vergeben.

Die Gewinner*innen im Einzelnen:

Bester Film: "Amrum" (dotiert mit 100.000 Euro)

Begründung der Jury: "[...] "Amrum" [ist] ein stiller, leiser Film, der die Zeit um die Kapitulation Nazi-Deutschlands durch die Augen eines 12jährigen Jungen in der nur scheinbar abgelegenen Welt einer nordfriesischen Insel verfolgt. Der junge Nanning, tatsächlich die filmische Widerspiegelung eines jugendlichen Hark Bohm, jüngst verstorbener Drehbuchautor und Filmemacher, muss sich neu zurechtfinden in einer Zeit des radikalen Umbruchs. Eine Coming-of-Age-Geschichte im Spannungsfeld zwischen dem verzweifelten Verlangen nach Pflichterfüllung, verkörpert durch seine geliebte Mutter, einer glühenden Nationalsozialistin, und der unter der Inselbevölkerung aufkeimenden Hoffnung auf Frieden. Regisseur Fatih Akin ist ein ästhetisch, atmosphärisch und inhaltlich sehr reicher und dichter Film gelungen, der trotz seiner historisch klaren und ziel- wie zeitgenauen Anbindung den Bogen in die jüngere Gegenwart schlägt. Einer Gegenwart, in der Flucht und Vertreibung wieder ihren Schrecken verbreiten, und in der die Auseinandersetzung mit alter wie neuer menschenfeindlicher Ideologie zwingend geworden ist."

Entdeckung: Til Schindler und Heike Hanold-Lynch (dotiert mit jeweils 5.000 Euro)

Begründung der Jury: "Scham" ist eine intensive Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn über die gemeinsame Vergangenheit. Ein Film voller wechselseitiger Verletzungen und immer getragen von dem Wunsch, gesehen und geliebt zu werden. [...] Das Zusammenspiel zwischen Heike Hanold-Lynch und Till Schindler schafft eine unglaublich dichte und authentische Atmosphäre, der man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. Die beiden schaffen es, dass wir als Zuschauende glauben, der Auseinandersetzung zwischen Mutter und Sohn wirklich beizuwohnen. Das Zusammenspiel ist von einer Einfachheit, einer lustmachenden Uneitelkeit und trotzdem emotionalen Tiefe, die einen mitnimmt und bewegt.[...]"

Preis des Ministerpräsidenten: Florian David Fitz.

Begründung zum Preis des Ministerpräsidenten an Florian David Fitz: "[...] Sein bisheriges künstlerisches Schaffen zeigt eindrucksvoll, wie Florian David Fitz Humor, Tiefgang und gesellschaftliche Relevanz miteinander verbindet – als Schauspieler, Autor und Regisseur. Seine Fähigkeit, komplexe Emotionen mit Leichtigkeit und Charme auf die Leinwand zu bringen, macht ihn zu einem Ausnahmetalent. Ob in TV-Produktionen, großen Kinokomödien oder ambitionierten Regiearbeiten – Fitz beweist als ein Meister die Vielseitigkeit wie kaum ein anderer und immer wieder, dass Kreativität keine Grenzen kennt. Sein Schaffen ist geprägt von Authentizität, Innovationskraft und dem unermüdlichen Streben nach Qualität. Florian David Fitz ist nicht nur ein Künstler, sondern ein Impulsgeber, der die Zuschauer begeistert und zugleich die deutsche Filmkultur nachhaltig bereichert und inspiriert. Konsequent ist auch sein soziales Engagement: Mit Benefizauftritten und Spenden zeigt er, dass ihm gesellschaftliche Verantwortung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ebenso wichtig ist wie seine künstlerische Arbeit."

Erfolgreichster Film: Michael Bully Herbig für "Das Kanu des Manitu".

Begründung der Jury: "Mit "Das Kanu des Manitu" setzt Michael Bully Herbig die Erfolgsgeschichte fort, die er mit "Der Schuh des Manitu" begründet hat. Bereits der erste Teil gilt als Meilenstein der deutschen Kinokomödie und hat gezeigt, wie Humor, Originalität und handwerkliche Qualität ein breites Publikum begeistern können. Der aktuelle Film knüpft nahtlos an diesen Kultstatus an und überzeugt durch eine gelungene Mischung aus pointiertem Witz, visueller Raffinesse und erzählerischer Leichtigkeit. Herbig beweist erneut seine außergewöhnliche Vielseitigkeit: Als Autor, Regisseur und Produzent vereint er kreative Vision und unternehmerisches Geschick in einer Person. "Das Kanu des Manitu" ist nicht nur ein kommerzieller Erfolg, sondern auch ein Werk, das die Bedeutung des deutschen Films im internationalen Vergleich unterstreicht. Die Jury würdigt damit die kontinuierliche Leistung eines Künstlers, der das deutsche Kino nachhaltig geprägt hat und mit seinem unverwechselbaren Stil ein Millionenpublikum erreicht."

Bester Kinderfilm: Julia Lemke und Anna Koch für den Film "Zirkuskind" (dotiert mit jeweils 5.000 Euro)

Begründung der Jury: "Der Bayerische Filmpreis zeichnet einen Kinderfilm aus, der weit über sein Genre hinausreicht. "Zirkuskind" von Julia Lemke und Anna Koch ist ein Film, der jungen Zuschauerinnen und Zuschauern nicht nur die Welt erklärt, sondern sie ernst nimmt und ihnen auf Augenhöhe begegnet. [..] Der Film führt uns in eine Lebenswelt, die viele von uns nur aus Klischees kennen, und zeigt uns, wie vielschichtig, wie verletzlich und wie kraftvoll sie wirklich ist. "Zirkuskind" öffnet unseren Blick. Er stellt scheinbare Gewissheiten über Familie, Herkunft und das Leben auf der Straße behutsam in Frage und zeigt, wie viel man voneinander lernen kann, wenn man bereit ist, hinzusehen. Dieser Film bewegt – Kinder wie Erwachsene."

Beste Darstellerin: Leonie Benesch für ihre Rolle in "Heldin" (dotiert mit 10.000 Euro)

Begründung der Jury: "Filme lassen uns in eine andere Welt eintauchen. Wir werden unterhalten, lachen, weinen, freuen und ärgern uns. Manchmal aber schafft es eine Figur uns so intensiv auf ihre Reise mitzunehmen, dass wir uns nach dem Film, wenn wir im Flur eines Krankenhauses dem Pflegepersonal begegnen, demütig verbeugen möchten. Leonie Benesch verkörpert in "Heldin" mit herausragender Schauspielkraft, die unter die Haut geht, eine engagierte, aber auch fehlbare und überforderte Krankenschwester. Während einer Nachtschicht wird die extreme Belastung dieses Berufes erzählt, und der Zuschauer ist "live" dabei, denn Leonie Benesch lässt uns mit jeder Faser ihres schauspielerischen Könnens Teil des Charakters werden und mitfühlen. Durch eine Kombination aus Entschlossenheit, Empathie und scheinbar emotionslosen, subtilen Gesten, versucht sie pausenlos, die Herausforderungen der Nacht zu meistern, auch wenn diese an die Grenzen der Belastbarkeit stoßen. Danke, dass wir durch die Glanzleistung dieser Figur wieder zu mehr Demut, Menschlichkeit und Dankbarkeit zurückfinden konnten."

Bester Darsteller: Rainer Bock für seine Rolle in "Karla" (dotiert mit 10.000 Euro) 

Begründung der Jury: "Es gibt Schauspieler, die dominieren jede Rolle mit ihrer unverwechselbaren, sehr speziellen Präsenz. Und es gibt Schauspieler, die unfassbar vielseitig sind und auf beinahe schon unheimliche Weise völlig in die Charaktere hineinschlüpfen, die ein Drehbuch ihnen bietet. Rainer Bock, gebürtiger Kieler in der bayerischen Diaspora, ist genau dieser Typ Schauspieler, der aus jeder Figur eine weitere Rolle seines – und zum Glück auch unseres – Lebens macht. [...] In dem bestürzenden Spielfilm "Karla" von Christina Tournatzés beeindruckt Rainer Bock ein weiteres Mal durch sein nuancenreiches, kluges Spiel. Er gibt dem Richter, an den sich das missbrauchte Mädchen Karla, eindrucksvoll verkörpert von Elise Krieps, wendet, ohne überflüssige Worte eine klare und gleichzeitig hoch emotionale Stimme. In einer Zeit, in der auf Gefühle wenig Rücksicht genommen wurde, verhilft dieser Mann ruhig und besonnen einem Kind zu seinem Recht. Dabei zuzusehen, wie Rainer Bock dieser einsamen Seele immer deutlichere Konturen verleiht, rührt zu Herzen."

Newcomer-Regiepreis: Michael Kofler für "Zweitland" (dotiert mit 10.000 Euro)

Begründung der Jury: "[...] Jahrelang hat Michael Kofler an seinem Herzens-Projekt "Zweitland" gearbeitet. Das Ergebnis: ein kraftvolles, authentisches Werk, mit einem einfühlsam geführten Schauspiel-Ensemble, das in natürlicher Weise auf Italienisch und im Südtiroler Dialekt spielt. Michael Kofler ist ein "Heimatfilm" gelungen, der in jeder Szene den Wert dieser Heimat und der dazugehörigen Identität hinterfragt. Dabei verzichtet er auf Südtiroler Postkartenmotive, sondern zeigt eine Landschaft, rau, abgründig, faszinierend, so wie seine Figuren, die im Dilemma stecken zwischen Loyalität zur Familie und der Sehnsucht nach einer eigenen Identität. "Zweitland" erzählt vom Strudel aus Gewalt und Willkür, der sich in die Familien hineinfrisst, aber auch von der Hoffnung, dass ein friedliches Zusammenleben – trotz aller Gegensätze – möglich ist. Für ein Regiedebüt eine große, reife Leistung."

Bildgestaltung: Fabian Gamper für "In die Sonne schauen" (dotiert mit 10.000 Euro) 

Begründung der Jury: "In "In die Sonne schauen" gelingt Kameramann Fabian Gamper eine seltene Balance zwischen Nähe und Distanz, zwischen Beobachtung und Empfindung. Sein Blick auf die Figuren ist zugleich forschend und zärtlich, nie distanziert, aber immer präzise. Er entwirft ein visuelles Konzept, das Licht nicht als bloße Helligkeit versteht, sondern als seelischen Zustand. [...]"

Regiepreis: Mascha Schilinski für "In die Sonne schauen"  (dotiert mit 10.000 Euro)

Begründung der Jury: "Mascha Schilinski überzeugt mit einer außergewöhnlichen Regiearbeit, die unsere Sehgewohnheiten spielerisch und präzise herausfordert. Mit Blicken durchs Schlüsselloch eröffnet sie neue Perspektiven und lässt Zeit, Raum und Körper aus Kinderaugen zu einer eigenen Welt verschmelzen. [...] Schilinski inszeniert mit großer Intensität und Sensibilität die Kälte, Einsamkeit und das Ausgeliefertsein der Kinder, aber auch die Freude und Leichtigkeit ihrer Sommer. Die Regisseurin vertraut auf die Kraft des Erzählens und der Assoziation, nutzt geschickt die Verbindung von Bild und Ton und lädt das Publikum ein, eigene Kindheitserinnerungen und Unsicherheiten zu reflektieren. Sie hält uns nicht einfach einen Schlüssel hin, sondern schenkt uns das Licht der Sonne – und damit Hoffnung und Wärme, die über den Film hinauswirken."

Dokumentarfilmpreis: Daniel Abma für "Im Prinzip Familie" (dotiert mit 10.000 Euro)

Begründung der Jury: "[...] Der Preisträger-Dokumentarfilm führt uns in ein Haus, in dem Erwachsene keine leiblichen Eltern der Kinder sind und doch Nähe, Vertrauen und Geborgenheit schenken. Mit feinem Gespür und großer Sensibilität begleitet der Film ihren Alltag, geprägt von Geduld, Verantwortung und Fürsorge. Wir erleben Erzieherinnen und Erzieher, die weit mehr leisten, als nur ihren Beruf auszuüben: Sie schenken ein Stück Glück, geben Rückhalt und Mut. Der Film eröffnet einen berührenden Blick auf Menschen in unserer Gesellschaft, die trotz Schmerz, Machtlosigkeit, Traumata und Ungerechtigkeit Empathie, Hoffnung und Menschlichkeit entstehen lassen: Für die Kinder von heute und die Erwachsenen von morgen."

Drehbuchpreis: Yvonne Görlach für "Karla"  (dotiert mit 10.000 Euro) 

Begründung der Jury: Vor 13 Jahren entschloss sich die Drehbuchautorin Yvonne Görlach, dass diese Geschichte erzählt werden muss. [...] Von da an recherchierte sie unermüdlich die Hintergründe dieser wahren Geschichte und verdichtete das Gefundene zu einer zeitlosen, universellen und trotz der Schwere des Themas poetischen Geschichte. In ihrem eindrucksvollen Drehbuch ersetzen Gesten und Bilder die Worte, die der Heldin fehlen. So schenkt Richter Lamy Karla eine Stimmgabel, die sie jedes Mal erklingen lassen kann, wenn die Schilderung der Details für sie zu schmerzhaft wäre. Auf die Frage des Richters, wie oft sie den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater erdulden musste – das Gericht brauche eine Zahl als Maß dafür, wie 'schlimm' es gewesen sei, erwidert das Mädchen: "Aber wieviel ist 'schlimm'?". — Das ist auch heute noch drängend und aktuell – vielleicht mehr denn je.

 

Mitglieder der Jury 2025 sind: Mychael Berg, Daniel Curio (Vorsitz), Dr. Ulrike Frick, Michael Hilscher, Narges Kalhor, Prof. Michaela Kezele, Christian Pfeil, Prof. Bettina Reitz, Bettina Ricklefs, Prof. Jochen Schölch

Quelle: www.bayern.de