Summary
Godless Youth
Loosely based on Ödön von Horvath's novel of the same name published in 1937, the film is set in the near future and shows a completely digitized world, in which moral values and feelings are no longer relevant. The sole focus is on performance and efficiency, while the "weak" are being segregated and are living in slums. The story takes place in a hermetically secluded high performance camp in the mountains, where each year the best high school graduates compete for a place at one of the elite universities. Zach is one of them, but truth be told, he is not interested in the grim competition and withdraws from the others. This makes him all the more attractive to ambitious Nadesh, who at the same time feels that Zach's behavior has the potential to challenge the whole system. One day, Zach meets rebellious Ewa, who together with other teenagers, has turned away from meritocracy and illegally lives in the woods surrounding the camp. When a young student is murdered shortly after, things get even worse.
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Die Rowald Foundation, ein privates Unternehmen, lässt im Auftrag des Staates die besten Schulabgänger gegeneinander antreten, um einen der raren Plätz an einer der Elite-Unis zu erkämpfen – und nicht an der „staatlichen Versageruni“ zu landen. Dabei kommt es, so die leitende Psychologin Loreen, auf individuelle Leistung ebenso an wie auf Teamfähigkeit. Die Gruppe der Besten, die mit Armbändern zur Aufzeichnung ihrer Biodaten und unter die Haut implantierten Sendern ausgerüstet ist, damit sie u.a. mittels Drohnen rund um die Uhr überwacht werden kann, lebt in stabilen Zeltbauten in koedukativen Gemeinschaften.
Zacharias, genannt Zach, der kein Interesse an dem verbissen geführten Wettbewerb hat, zieht sich zurück, schreibt Tagebuch in eine Kladde, die er sorgfältig unter Verschluss hält. Seine Nachbarin, die ehrgeizige Nadesh, leidet unter seiner mangelhaften Teamfähigkeit bei Zweierwertungen, zumal sie fasziniert ist von seiner Andersartigkeit. Als sie zufällig Zeugin einer nächtlichen Begegnung Zachs mit verwahrlosten Jugendlichen um die rebellische Ewa, die illegal in der Bergregion leben, wird, spürt sie die Gefahr für das ganze Camp.
Titus ist hinter Nadesh her und bemüht, den Konkurrenten Zach als spinnerten Romantiker hinzustellen. Der Lehrer, von Nadesh über die Illegalen informiert, erbricht das Kästchen und nimmt das Tagebuch an sich: Er ist überzeugt von Zachs Intelligenz und Leistungsfähigkeit und will wissen, was sich der Junge von der Seele schreibt, um ihm besser helfen zu können. Als Zach das beschädigte Schloss bemerkt, beschuldigt er sehr handfest seine Zeltnachbarin des Diebstahls. Als Nadesh kurz darauf ermordet im Wald gefunden wird, spitzt sich die Situation immer weiter zu: Zach gerät ins Visier der Ermittler und beschließt, sich der Gruppe um Ewa anzuschließen...
Anders als im Roman nimmt der Film nicht nur die Perspektive des namenlosen Ich-Erzählers, des Lehrers, ein. Frank Lamms Kamera "erzählt" bestimmte Szenen mehrfach mit den Augen jeweils wechselnder Protagonisten. Durch die ständige Verschiebung der Zeitachse ergibt sich so erst allmählich ein Mosaik, was die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhält. Etwa die Szene der gescheiterten Flussüberquerung, bei der Bernard (Hauke Petersen) ums Leben kommt. Erst viel später wird klar, dass er auch deshalb in den reißenden Fluten ertrunken ist, weil Titus sich nicht an der Rettungsaktion beteiligt hat – um Zach möglichst schlecht aussehen zu lassen. Bernard wiederum ist erst ganz spät zur Gruppe gestoßen für den gegen den Willen des Lehrers von der Direktorin ausgeschlossenen übergewichtigen Wladim (Damian Thüne), der jetzt in katastrophalen „Fack Ju Göhte“-Verhältnissen einer staatlichen Schule unterzugehen droht.
Warum schließlich Titus stets sein eigenes Ding durchgezogen hat auf Kosten anderer, wird dem Lehrer klar, als er dessen Mutter (Karen Dähne) in ihrer Nobelvilla aufsucht: Hier herrscht eine Kälte, die nur unmenschlich genannt werden kann und die naturgemäß zynisches Verhalten bar jeder Empathie hervorruft. Am Ende, soviel sei verraten, lässt Alain Gsponer seinen Protagonisten Jannis Niewöhner und Emilia Schüle einen Hoffnungsschimmer. Der mit dem Gott in Ödön von Horvaths Roman freilich nichts zu tun hat.
Alex Buresch und Matthias Pacht verlegen die im Deutschland der 1930er Jahre angesiedelte Geschichte in die nahe Zukunft. Hintergrund der Handlung um eine Gruppe zunehmend gefühlskalter Jugendlicher ist dadurch nicht mehr der Faschismus, sondern eine dystopische Leistungsgesellschaft. Das Grundgerüst der Horvathschen Vorlage bleibt zwar erhalten, nicht jedoch der schon im Romantitel genannte eigentliche Kern. Produzent Uli Aselmann im Constantin-Presseheft: „Wir wollten mit 'Jugend ohne Gott' eine Geschichte erzählen, die auch einen politischen Charakter hat – und das entlang der Fragestellung, ob von Horváth in der heutigen Zeit noch relevant ist. Und das ist er! Nach unserer Interpretation stand Gott in der Romanvorlage nicht ausschließlich für Göttlichkeit, sondern als Synonym für Wahrheit, Empathie, Liebe, Respekt, Aufrichtigkeit, Zuversicht, Perspektive usw. In einer auf Leistung und Perfektion orientierten Gesellschaft gehen diese Synonyme auch verloren. Darum hat 'Jugend ohne Gott' an Aktualität wahrlich nichts eingebüßt!“
Nach der Uraufführung am 21. August 2017 im Mathäser Filmpalast München wurden Jannis Niewöhner beim Bayerischen Filmpreis und Jannik Schümann beim Deutschen Filmball der Filmwirtschaft (SPIO) als „Beste Nachwuchsschauspieler“ ausgezeichnet. Free-TV-Premiere war am 23. Mai 2020 auf Pro Sieben.
Pitt Herrmann