"Niemand ist bei den Kälbern", Source: Filmwelt Verleihagentur, DFF, © Filmwelt Verleihagentur, Weydemann Bros., Photo: Max Preiss
Saskia Rosendahl

Neu im Kino: Niemand ist bei den Kälbern

Stadtflucht ist ein Trend unserer Zeit – aus dem urbanen Stress zurück aufs Land, wo die Welt noch in Ordnung ist. Wie trügerisch dieses vor allem von großstädtischen Besserverdienern gepflegte Klischee ist, zeigt Sabrina Sarabi in ihrem neuen Film "Niemand ist bei den Kälbern". Die Geschichte spielt in einem winzigen Kaff in der tiefsten mecklenburgischen Provinz. Hier lebt die 24-jährige Christin (Saskia Rosendahl) mit ihrem initiativlosen Freund Jan (Rick Okon) auf dem Milchviehhof von dessen Eltern. Die junge Frau kann das ebenso öde wie anstrengende Leben zwischen Viehzucht und Fusel kaum mehr ertragen. Als der Hamburger Techniker Klaus (Godehard Giese) im Dorf auftaucht, um die regionalen Windkrafträder zu warten, wittert Christin ihre Chance, aus der Provinzhölle zu flüchten, und beginnt eine Affäre mit dem deutlich älteren Familienvater… "Niemand ist bei den Kälbern" beeindruckt vor allem als eindringliche Milieustudie, mit genauem Gespür für die zermürbenden Details modernen Dorflebens. Der schonungslose Sozialrealismus wirkt beklemmend, stimmt aber auch nachdenklich. In diesem Umfeld gelingt Saskia Rosendahl als Christin das Porträt einer jungen Frau, deren tiefsitzende Wut und Frustration nachvollziehbar ist, die aber dennoch nicht zwangsläufig Sympathieträgerin ist. Zurecht wurde sie für dieses Bravourstück in Sachen Ambivalenz beim Locarno Film Festival als Beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Aktuelles

Der Encounters Wettbewerb 2022 umfasst 15 Filme, die allesamt Weltpremieren sind, darunter ist ein Debütfilm. 15 Produktionsländer sind vertreten. Die diesjährige Auswahl enthält mehr Filme von etablierten Filmschaffenden als bisher (Bertrand Bonello, Ruth Beckermann, Mitra Farahani, Shô Miyake, Arnaud des Pallières, Gastón Solnicki, Peter Strickland, Syllas Tsoumerkas), heißt aber auch neue Stimmen willkommen.

Der Filmsichtungsmarathon ist geschafft und die Beiträge für den Wettbewerb Kino-TV des 30. Deutschen Kinder Medien Festivals Goldener Spatz stehen fest.

18 Filme werden im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren. Produktionen aus 15 Ländern sind vertreten. 17 Filme werden als Weltpremiere gezeigt. Bei sieben Filmen haben Frauen Regie geführt.

Die Berlinale-Sektion Panorama hat heute ihr vollständiges Programm für die Ausgabe 2022 bekannt gegeben.

Die Berlinale Classics haben ihre finale Auswahl von insgesamt sieben digital restaurierten Filmen vorgestellt, die als Weltpremieren präsentiert werden.