Inhalt
Fünf ältere Frauen und Männer, die sich trotz aller Gebrechen, die mit dem Alter einhergehen, noch immer vital fühlen, eint eine langjährige Freundschaft. Um dem Altersheim zu entgehen, beschließen sie gemeinsam unter ein Dach zu ziehen und dort den Rest ihres Lebens zu verbringen. Als Hilfe soll der junge Student Dirk den fünf so unterschiedlichen Charakteren zur Seite stehen. Der junge Mann baut schnell eine enge Bindung zu dem Quintett auf und weckt verborgene Wünsche. So kommen auch bisher streng gehütete Geheimnisse ans Licht.
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Zugegeben: den einen zwickt es hier, die andere dort. Vor allem Claude macht das Alter zu schaffen, denn seinen ungebrochenen Hunger nach Sex können die vor vielen Jahren selbst geschossenen Aktfotos nicht stillen, dazu bedarf es Viagra und junger Prostituierter. Doch das Herz des 75-Jährigen macht das nicht mehr länger mit, sodass sein Sohn bereits Pflegeheim-Pläne über Claudes Kopf hinweg schmiedet.
Dafür, dass es soweit gar nicht erst kommen kann, will Jeanne sorgen. Die emeritierte amerikanische Philosophieprofessorin, die in jungen Jahren nach Frankreich gekommen ist, weiß um ihren prekären Gesundheitszustand – und bestellt beim Bestatter schon 'mal eine fröhliche Zeremonie samt pinkfarbenen Sarg. Sorgen bereitet der unheilbar an Krebs erkrankten Jeanne allein ihr Gatte Albert, dessen Demenz sich zusehends verschlechtert: Allein wird der Bonvivant, der einen edlen Tropfen zum guten Essen zu schätzen weiß, nicht zurechtkommen. Als Albert beim morgendlichen Ausführen seines Hundes Oskar stürzt und ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, bringt seine Tochter den über alles geliebten Vierbeiner kurzerhand ins Tierheim.
Als Claude auf dem Weg zu einem Schäferstündchen mit einem Herzinfarkt zusammensackt und Albert untröstlich ist über den Verlust seines Hundes, verständigen sich die Freunde auf einen Plan, der ihnen auf Claudes Geburtstag noch eher wie ein hingeworfener Scherz vorkam: Annies und Jeans Haus wird zur Alten-WG, Claude wird aus dem Pflegeheim und Oskar aus dem Tierheim befreit, tatkräftig unterstützt von Dirk, einem aus Ostberlin stammenden Pariser Ethnologie-Studenten, den Jeanne ursprünglich nur als Hundesitter engagiert hat.
Dirk verdient sich bald nicht nur ein paar Euro dazu, sondern zieht unter das gemeinsame WG-Dach: Mit Videokamera und Notizblock dokumentiert er das häufig schon sehr skurrile Treiben seiner so ungleichen und dabei doch so liebenswerten Schutzbefohlenen für seine Doktorarbeit über die Situation der Alten in Europa. Besonders mit der gerade in sexuellen Dingen so freimütig-offenen Jeanne kann er über das heikle, vielfach immer noch als Tabu betrachtete Thema des Liebeslebens im Alter sprechen – und so manchen Ratschlag für das eigene mitnehmen.
Als alle Anfangsschwierigkeiten überwunden scheinen, die Eitelkeiten und Eifersüchteleien, die kleinen und großen Schwierigkeiten im immer wieder chaotischen Alltag des ungewohnten Zusammenlebens, stirbt Jeanne. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als Dirk ungewollt hinter Claudes bestgehütetes Geheimnis kommt, was die Situation im Kollektiv der schon weit mehr als graumelierten Kindsköpfe eskalieren lässt. Aber Jeanne hat vorgesorgt – im übrigen auch für Dirk...
Ein ewiger Frauenheld, eine angepasst-bürgerliche Familienglucke und ein lebenslang gegen die Verhältnisse protestierender Alt-68er Individualist, eine ganz und gar nicht verbissene Feministin und ein Bonvivant: „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ ist der französische Beitrag zur Welle der Seniorenfilme beiderseits des Großen Teichs, der trotz einer grandiosen Besetzung mit lauter Weltstars so herrlich unprätentiös, so schwebend-leicht und mit dem subtilen Humor einer leicht melancholischen Tragikomödie doch so herzerfrischend daherkommt wie eine kühle Sommerbrise.
Und das im nach „Real Movie“ (2004) erst zweiten Spielfilm des 36-jährigen Autors und Regisseurs Stéphane Robelin: „Als ich anfing, das Drehbuch zu schreiben, habe ich mich an meine Großeltern erinnert, daran, wie es mit ihrer Gesundheit abwärtsging, als ich selbst noch Teenager war. Damals wussten meine Großeltern nicht so recht, wie sie sich um sich selbst kümmern sollten, denn sie waren auf diese Situation einfach nicht vorbereitet. Und so kam ich auf die Idee, eine Geschichte über Freunde zu schreiben, die im Alter beschließen, gemeinsam zusammenzuleben.“
Die Deutschen Erstaufführung von „Et si on vivait tous ensemble?“ fand im November 2011 auf den Französischen Filmtagen in Tübingen und Stuttgart statt, die TV-Erstausstrahlung war am 21. August 2014 im ZDF.
Pitt Herrmann