Inhalt
Die "Rox" sind eine gefürchtete Bande junger Rocker, die ihr Berliner Revier fest im Griff haben. Ihr Anführer Chris sitzt derzeit im Gefängnis – solange führt sein jüngerer Bruder Flo das Kommando. Die beiden Geschwister sind unzertrennlich und halten stets zusammen. Dann aber lernt Flo die hübsche Sofie kennen. Zwischen dem halbstarken Getto-Rocker und der belesenen jungen Frau aus der besseren Berliner Gesellschaft entwickelt sich eine zarte Liebe. Als Chris aus dem Gefängnis kommt und einen gefährlichen Raubüberfall plant, um seine Schulden bei einem anderen Bandenführer zu begleichen, wird Flo in einen schweren Gewissenskonflikt gestürzt. Denn als der Coup schief läuft, verlangt Chris von ihm, Sofie für seine Zwecke auszunutzen.
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Und sofort neuer Stress gleich mit zwei rivalisierenden Gangs, den „78ern“ um ihren impulsiven Anführer Otto (das 27-jährige Multi-Talent Aaron Le) und den stets ganz in Weiß, der Farbe der Unschuld, auftretenden „Killaz“ um den schlagkräftigen Rico („Führer Ex“-Protagonist Christian Blümel). Und das kommt so: Die beiden jungen, attraktiven Ballettratten Sofie und Stella geraten als Objekte allseitiger jungmännlicher Begierde zwischen die Fronten. Und Flo gerät zwischen alle Stühle, als sich eine sehr romantische Liebesbeziehung mit Sofie ergibt – über alle Standes- und Gang-Grenzen hinweg...
„Gangs“ ist ein Action-Film mit wilden Verfolgungsjagden durch die „Chinatown“ der Hauptstadt, mit blutigen Massenschlägereien, einem Juwelendiebstahl sowie einem Überfall auf einen Geldtransporter. Und nicht zuletzt - Kinderkram mit Bluthund - ein entfesselter Bandenkrieg um die Behauptung eigener Interessenssphären. Mit tollen Schauspielern und dem ehrfurchtgebietenden Vierbeiner Eisen. „Gangs“ ist zudem eine romantische Liebesgeschichte zwischen einer Tochter aus allerbestem Hause, die von ihrer ehrgeizigen Mutter, die auch Tänzerin werden wollte, was ein Unfall verhinderte, auf eine berühmte Pariser Tanzakademie geschickt werden soll, und einem elternlosen Straßenjungen, für den die Gang mehr als nur der Familien-Ersatz ist.
Denn „Gangs“ ist auch eine rührende Familiengeschichte. Zum einen die der beiden Brüder Flo und Chris: Der Ältere hat immer auf den Jüngeren aufgepasst – und nun kommt die Gelegenheit, dass sich der Jüngere dafür revanchieren soll. Zum anderen die zwischen Mutter und Tochter: Weil Erstere ihre offenbar glänzende Karriere als Tänzerin aufgab nach der Geburt ihrer Tochter, soll Letztere diese Karriere nun fortsetzen – ohne um die eigene Meinung gefragt zu werden. Vor allem aber ist „Gangs“ eine familientauglich-seichte, rein kommerzielle Produktion in unmittelbarer Folge der „Wilden Kerle“- und „Freche Mädchen“-Filme mit Jimi Blue Ochsenknecht und Emilia Schüle als neuem Nachwuchs-Traumpaar des deutschen Kinos. Das Finale ist hinreichend kitschig: Ein „Muss“ für alle Fans.
Wohlgemeint für die Fans von Ochsenknecht & Co, nicht für die des Regisseurs Rainer Matsutani. „Nur über meine Leiche“ war 1995 der erste große Kinofilm des 1964 im baden-württembergischen Hockenheim geborenen Regisseurs. Der Sohn aus einer deutsch-japanischen Ehe studierte an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), nachdem er als Stipendiat bei der Berliner Drehbuchwerkstatt für junge Nachwuchsautoren gearbeitet hatte. Sein erster großer Erfolg gelang Matsutani 1991 mit dem Kurzfilm-Thriller „Klinik des Grauens“, für den er u.a. den Kodak-Förderpreis 1992 erhielt. Sein HFF-Abschlussfilm „Aus dem Reich der Schatten“ wurde 1994 für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert.
Während „Nur über meine Leiche“ mit Christoph M. Ohrt und einer tollen Katja Riemann als Mauerblümchen über das in Deutschland unterbelichtete Genre des Fantasyfilms hinaus eigentlich alle Massenphänomene wie Gefühlskitsch, Crime-Action und neudeutsche Beziehungskiste bediente, ließ Matsutani nur noch vergleichsweise seichte TV-Produktionen folgen, einige bessere „Tatort“-Beiträge eingeschlossen. Und ist nun auf der Leinwand zurück mit einer Familien-Unterhaltung à la Walt Disney: Free-TV-Premiere war am 14. Juli 2013 im ORF, sechs Tage vor Sat 1.
Pitt Herrmann