Ruth Goetz

Weitere Namen
Ruth Goetz von Schüching (Weiterer Name) Ruth von Schüching (Weiterer Name)
Drehbuch
Oberglogau, Schlesien (heute Głogówek, Polen) London-Hendon, Großbritannien

Biografie

Ruth Amalie Goetz wird 1880 als Tochter des jüdischen Ehepaares Sara und Jakob Goetz in Festenberg geboren. Nach Beendigung ihrer Schulzeit an einer Höheren Töchterschule in Berlin und anschließendem 3-jährigen Studium am Lehrerinnenseminar Knittel in Breslau legt sie eine Prüfung als Lehrerin für Höhere Schulen ab und unterrichtet für etwa ein Jahr an einer Privatschule. Dann wendet sie sich der Schriftstellerei und dem journalistischen Schreiben zu.

Über die Jahre arbeitet Goetz als Redakteurin für große Verlagshäuser wie Ullstein und Mosse und veröffentlicht in zahlreichen renommierten Zeitungen und Zeitschriften wie der Frankfurter Zeitung und Westermanns Monatsheften. Zwischen 1925 und 1933 ist sie zuständig für die Frauenbeilage des Berliner Tageblattes: Sie leitet den "Moden-Spiegel" und ist ständige Mitarbeiterin in der Redaktion "Haus-Hof-Garten". Auch im Rundfunk ist sie regelmäßig zu hören.

Zugleich ist Goetz zwischen 1911 und 1927 in der Filmbranche tätig. Der Einstieg gelingt bei der französischen Produktionsfirma Gaumont. Wieder in Deutschland, arbeitet sie während des Ersten Weltkrieges zunächst als festangestellte Autorin für die Berliner Decla-Film-Gesellschaft Holz & Co., wo in Zusammenarbeit mit Produzent Erich Pommer und Regisseur Alwin Neuß mindestens zwei Filme entstehen. Noch während des Krieges wechselt sie zur EikoFilm und liefert die Manuskripte zu Filmen des Regisseurs Hubert Moest mit dessen Ehefrau Hedda Vernon, einem der ersten Stars des frühen deutschen Kinos. Dann zieht es sie zur May-Film-GmbH, wo sie als Co-Autorin u.a. an Joe Mays Großproduktionen "Veritas Vincit" (1919) und "Die Herrin der Welt" (Teile 1–8, 1919/20) mitwirkt. Insgesamt verfasst Goetz die Drehbücher zu etwa 50 Filmen. Sie selbst gibt 1926 in Mühsams und Jacobsohns Filmlexikon "Wie ich zum Film kam" (Verlag der Lichtbildbühne) an, "den großen Spielfilm auf psychologischer Grundlage" zu favorisieren. Ihr letztes Filmprojekt ist das Stummfilmdrama "Dirnentragödie" (1927, Bruno Rahn) mit Asta Nielsen in der Rolle einer älteren Prostituierten, die ihren Ausstieg aus dem Milieu plant. Der Film erhält das Prädikat "künstlerisch hochstehend" und im Film-Kurier hebt Willy Haas, ebenfalls Drehbuchautor und Filmkritiker, das Manuskript hervor: Es sei "außerordentlich stark und von einer fast grausamen Erfindung" (Nr. 90, 16.04.1927, S. 2).

Erfolg hat Goetz auch als Autorin von Romanen, Novellen und Sachbüchern. Der Verleger ihres Buches "Ich koche für Dich" berichtet Mitte der 1950er Jahre, er sei 1935 gezwungen worden, Goetz’ Rezeptsammlung unter dem Namen der "Arierin" Liselott Alverdes weiter zu vertreiben. Bis 1941 habe das Kochbuch eine Auflage von 500.000 Stück erreicht. Die Tantiemen in Höhe von 75.000 RM, die eigentlich Goetz zugestanden hätten, seien ihr durch ihr "zwangsweises Ausscheiden" vorenthalten geblieben.

1933 war Goetz von allen redaktionellen Tätigkeiten exkludiert worden, im Herbst 1935 folgt der offizielle Ausschluss aus der Reichskulturkammer. Bis 1936 lebt sie vom Verdienst ihres Mannes Bernhard von Schüching, mit dem sie seit 1922 in zweiter Ehe verheiratet ist. Ohne ihn emigriert sie im November 1936 nach Großbritannien. 1939 wird sie ausgebürgert. 1942 wird die Ehe zwischen von Schüching und Goetz geschieden, ohne dass sie davon weiß. 1947 erhält sie die britische Staatsangehörigkeit.

Im Exil versucht Goetz sich eine neue Existenz aufzubauen: 1938 kann sie ein kleines Büchlein mit dem Titel "Women! Your Guide to Physical Perfection" veröffentlichen. Darüber hinaus unterrichtet sie als Sprachlehrerin. In den 1950er Jahren beantragt sie als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung eine Wiedergutmachung für Schäden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen. Sie erhält zunächst eine Kapitalentschädigung in Höhe von 15.000 DM und später eine monatliche Rente in Höhe von 500 DM. Alt und wegen starker Einschränkung ihrer Sehkraft pflegebedürftig, ist sie dringend darauf angewiesen. Am 19. Juni 1965 verstirbt Goetz in London. (db)

Wo nicht anders angegeben, entstammen Zitate in diesem Text der Entschädigungsakte von Ruth Goetz (unter dem Namen Ruth von Schueching). In: Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) – Entschädigungsbehörde Berlin, BEG-Akte Reg.-Nr. 273 913. 

Quelle:

Berten, Daria; Haupts, Annika; Heizmann, Anna; Jaspers, Kristina (Hg.): Weimar, weiblich. Filmpionierinnen des Kinos der Moderne (1918-1933). München: Edition text+kritik 2025 (Film Erbe, Bd. 7).

FILMOGRAFIE

1927
  • Drehbuch
1926/1927
  • Drehbuch
1925/1926
  • Drehbuch
1925/1926
  • Drehbuch
1925
  • Drehbuch
1925
  • Drehbuch
1925
  • Drehbuch
1923
  • Drehbuch
1923
  • Drehbuch
1923
  • Drehbuch
1921/1922
  • Drehbuch
1921/1922
  • Drehbuch
1920/1921
  • Drehbuch
1920
  • Drehbuch
1919/1920
  • Drehbuch
1920
  • Drehbuch
1919/1920
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch
1918/1919
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch
1919/1920
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch
1919
  • Drehbuch
1918
  • Drehbuch
1917/1918
  • Drehbuch
1918
  • Drehbuch
1917
  • Drehbuch