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Ben lebt mit seinem Vater in einer tristen Plattenbausiedlung und verdient ein wenig Geld mit dem Austragen von Prospekten. Der große Traum des jungen Mannes ist es, eines Tages als Journalist Reiseberichte zu schreiben. Sein arbeitsloser Vater wurde durch den Tod seiner Frau hoffnungslos aus der Bahn geworfen. Seither trägt Ben alle Verantwortung, muss ganz alleine für das Auskommen und den Haushalt sorgen. Der finanzielle Druck, unter dem er fortwährend steht, lässt ihn schließlich sogar kriminell werden. Erst durch die Beziehung zu der sympathischen Jana realisiert er, dass es so nicht weitergehen kann.
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Doch erst der Tod seiner Frau, die vor knapp zwei Jahren bei einem Autounfall starb, hat Karl vollkommen aus der Bahn geworfen. Er wird nachts von Alpträumen geplagt und weigert sich inzwischen strikt, die triste Plattenbausiedlung in Halle an der Saale zu verlassen – mit einer Ausnahme, dem regelmäßigen Friedhofsbesuch. Karl lässt sich völlig gehen in der zugemüllten Wohnung, sein Bierbauch steckt nurmehr im Unterhemd.
Ein Horror für Ben, der einerseits sehr an seinem Vater hängt, andererseits von Fahrten in die weite Welt träumt, zumal die Zeitschrift „Globus“ seine erste Reportage veröffentlicht hat – über eine fiktive Reise, die nur in seiner Phantasie stattgefunden hat. In zwei Jahren mit Aushilfsjobs als Prospektauslieferer – vorzugsweise zur netten Dame im Reisebüro – und kleineren Gaunereien zusammen mit seinem Kumpel Ingo hat Ben sich eine veritable Outback-Ausrüstung zusammengespart. Die aber erst zum Einsatz kommen kann, wenn er seinem Vater einen neuen Job beschafft hat.
Und dann trifft er auch noch auf eine junge Frau, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt: Jana. Erst stellt er ihr Auto zu, dann trifft er sie in einer Disco wieder – und im nächsten Augenblick sitzt er mit der Tochter aus gutem Hause auf dem Dach eines Hotel-Hochhauses mit Blick bis hinüber nach Leipzig, in die Messemetropole mit Flugplatz als Tor zur Welt. Durch dieses will Jana demnächst schreiten: Ein Jahr als Aupair-Mädchen nach Kanada, nur weg von der als herrschsüchtig empfundenen Mutter. Jana schenkt Ben sogar ein Flugticket nach Vancouver, damit er sie zwischendurch besuchen kann. Aber der ist noch lange nicht so weit...
„Hallesche Kometen“, die Diplomarbeit von Susanne Irina Zacharias an der Babelsberger Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, besticht durch das intensive, unter die Haut gehende Spiel der Protagonisten, allen voran Peter Kurth, Hanno Koffler und Max Riemelt. Die Koproduktion der „Ostwind“-Reihe, einer singulären und viel zu rasch beendeten Zusammenarbeit zwischen dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) und dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel, überzeugt auch durch ihren einem reinigenden Gewitter folgenden, augenzwinkernd-leichten optimistischen Schluss, der so gar nichts hat von der lähmenden Larmoyanz sonstiger Filme, die in den „Neuen Bundesländern“ spielen.
„Hallesche Kometen“ lief mit großem Erfolg auf zahlreichen Festivals u.a. in Cottbus, Mainz und bei der „Alpinale“ in Österreich. Nach der Uraufführung im Wettbewerb um den Max Ophüls-Preis in Saarbrücken wurde Susanne Irina Zacharias‘ Leinwand-Debut mit dem Preis des saarländischen Ministerpräsidenten ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: „Ein Mann trauert um seine verstorbene Frau. Ihr Gesicht wird an die Wand projiziert. Er hat getrunken. Er stürzt aufs Bett. Der Projektor kippt. Das Gesicht einer Frau erscheint neben ihm. Er legt sich in ihr Bild, Wange an Wange. Dieser Moment bleibt unvergessen. In ihrem ersten Langfilm gelingt es der Regisseurin, in zärtlicher Nähe zu ihren Figuren zu sein. So verloren der Vater, so verzweifelt kämpfend der Sohn. Wunderbare Schauspielerführung, ein unvorhersehbares Buch, keine Kraftmeierei, das Leben in Gefahr, dennoch voll Hoffnung.“
Die 1973 im rumänischen Hermannstadt geborene Regisseurin, die Mitte der 1990er Jahre in den USA studiert und bereits zahlreiche Kurzfilme gedreht hat, über „Hallesche Kometen“: „Im Drehbuch von Sarah Esser und Ivan Demov geht es zunächst um eine zerstörerische und schließlich doch befreiende Kraft einer Vater-Sohn-Beziehung. Ben übernimmt aus Liebe zu seinem Vater die Verantwortung für dessen Leben, doch Ben wird auf sehr schmerzliche Art bewusst, dass er nur für die Erfüllung seiner eigenen Träume verantwortlich sein kann.“
Pitt Herrmann