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Es läuft nicht gut für den Ex-DDR-Sportreporter Jaecki Zucker: Finanziell steht der schlitzohrige Zocker vor dem Ruin und seine resolute Ehefrau droht damit, ihn zu verlassen. In dieser Situation kommt das Erbe von Jaeckis Mutter gerade recht. Die Sache hat nur einen Haken: Um das Erbe zu erhalten, muss Jaecki sich mit seinem Bruder Samuel, einem orthodoxen Juden, versöhnen. Nur hat Jaecki mit der Religion seiner Vorväter bislang nicht allzu viel am Hut gehabt ...
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Außerdem soll Jackies Familie samt Sohn, unverheirateter Tochter mit Kind und der nichtjüdischen deutschen Ehefrau Marlene die jüdischen Gesetze einhalten samt siebentägiger strengster Totenwache. Während die resolute Marlene, die sogar die geplante Scheidung verschiebt, einen Crashkurs in Sachen jüdischer Tradition absolviert und die orthodoxe Verwandtschaft (die Volksschauspielerin und Leiterin des jüdischen Theaters Warschau, Golda Tencer, als Samuels Gattin und Mutter zweier erwachsener Kinder) mit koscheren Häppchen versorgt, gibt es für Jaeckie ein ganz anderes Problem: Das Billardturnier wurde soeben im ICC eröffnet, und das vom „Regierenden“ Klaus Wowereit höchstselbst...
Dani Levy, 1957 in Basel geboren und seit 1980 Berliner Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur, hat mit Filmen wie „Meschugge“ (1997) ein neues Genre der jüdischen, zumeist zudem auch deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichten geschaffen. In „Alles auf Zucker!“, das Drehbuch hat Dani Levy zusammen mit Holger Franke vom Berliner Kindertheater Rote Grütze verfasst, treffen deutsche Juden aus Ost- und Westdeutschland aufeinander – aber auch in der zusätzlichen, durchaus brisanten Spiegelung der Wahrnehmung nichtjüdischer Deutscher wie einer Berliner Nachbarin Jackies, die hinter vorgehaltener Hand staunt: „Seit der Wende hat der Mann nur Pech gehabt, und jetzt soll er auch noch Jude sein!“
Dani Levy im X-Verleih-Presseheft: „Der Begriff ’Jüdische Komödie’ ist hier nur ein Label. Im Prinzip ist ’Alles auf Zucker!’ eine Familiengeschichte über ganz normale Menschen in einer bestimmten grotesken, aber gleichzeitig auch sehr authentischen Situation. Jaeckie Zucker ist ein Held, der in höchster Not ist – auf allen Ebenen. Nun reist zu allem Überfluß auch noch der Bruder mit seiner Familie an. Das führt zu einem Kollaps. Und kollabierende Familiensituationen sind ein super Stoff für Komödien. Man braucht eine gute Grundgeschichte mit stimmigen Randfiguren und Anekdoten, die einem Detailreichtum garantieren – eine Komödie lebt dadurch, dass sie im Detail gut ist. Das immer weiterzutreiben, hat bei ’Alles auf Zucker!’ einen Riesenspaß gemacht.“
Wir Zuschauer geben dem Regisseur das Kompliment prompt zurück: Auch uns hat sein Film großen Spaß gemacht. Und das liegt nicht zuletzt an der vorzüglichen Besetzung. Henry Hübchen ist der Ich-Erzähler des Films, der das Geschehen, knapp am Herztod vorbeigeschrammt, aus der Rückblende erzählt – mit einer großen Portion Selbstironie und alles andere als politisch korrektem jüdischem Witz. Hannelore Elsner ist als seine Gattin eine pragmatisch-zupackende Frau, die sich in Erwartung der Erbschaft sogleich ins Abenteuer eines „koscheren“ Haushaltes stürzt.
Als ihre Tochter ist Anja Franke nach längerer Leinwand- und Bildschirmpause endlich wieder zu sehen: Die alleinerziehende Mutter der reizenden Tochter Sarah lebt nun mit ihrer Freundin Irene zusammen. Ihren Bruder gibt Steffen Groth als nicht nur sprachlich gehemmten Banker, dessen im Fitnessstudio gestählte Muskeln sogleich der so attraktiven wie sexbesessenen Cousine Lilly aus Westdeutschland ins Auge – und bald auch in die Arme – fallen. Sebastian Blomberg kehrt als Samuels Sohn Joshua den streng orthodoxen Juden heraus – bis er beim überraschenden Finale, das natürlich nicht verraten wird, doch noch sehr menschliche Züge offenbaren kann. Udo Samel als dessen Vater läuft besonders in Jaeckis Stamm-„Club der Mitte“ (den übrigens die „Solo Sunny“-Ost-Ikone Renate Krößner leitet) zu großer Form auf, nachdem er versehentlich eine Ecstasy-Pille geschluckt hat.
Rolf Hoppe gibt den Rabbiner und Vorsteher der Synagoge Oranienburger Straße (der Film zeigt überhaupt viel Berliner Lokalkolorit) und Adriana Altaras die kleine Episodenrolle einer Verkäuferin in einem jüdischen Geschäft wie „Kolbo“ im Scheunenviertel, die Jaeckis ob der komplizierten Glaubensregeln zunehmend verzweifelte Gattin Marlene beruhigt: „Es ist nie zu spät, Jüdisch zu werden“. Dani Levys schwungvoll-überdrehte Komödie ist innerhalb von nur 24 Tagen mit drei parallel arbeitenden Kameras gedreht worden.
Pitt Herrmann