Yella

Deutschland 2006/2007 Spielfilm

Summary

Yella wants to leave, to finally put her small East German town behind her, and her failed marriage along with it, to go to the West, across the River Elbe, where surely there must be work and a future. In Hanover, she meets Philipp, a young executive in a private equity firm. As his assistant, she proves herself in the ruthless world of venture capital with its steel-and-glass offices, leased limousines and discreetly lit hotel lobbies. Everything seems easy, a thrilling game with nothing but winners. Philipp becomes the man in her life: attentive, unsentimental, determined, and his goals could also become hers. It looks like Yella has arrived on the right side of the Elbe. But strange voices and sounds start to plague her – truths from her past that are coming back to haunt her. She begins to fear that her new life might be too good to be true. She is determined to keep her eyes open – because only those who sleep can wake up.

Source: 75. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)
 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Eine junge Frau, die sich zuvor im Zugabteil umgezogen hat, schlichtes Schwarz statt aufreizendes Rot, wird, kaum hat sie das Bahnhofsgebäude verlassen, von einem Mann verfolgt, der offenbar in einem Auto auf sie gewartet hat. Zunächst nur mit Blicken, dann aber, als sie keine Reaktion zeigt auf den bedrohlich menschenleeren Straßen einer Kleinstadt, auch verbal, wenn auch nicht handgreiflich. Yella Fichte (Nina Hoss ist einmal mehr ein Ereignis an Leinwandpräsenz) will fort aus Wittenberge, dieser im Aufschwung vergessenen Kleinstadt im Osten der Republik. Die Firma ihres Mannes Ben, der sie mit allen Mitteln vom Psycho-Terror bis hin zu nackter Gewalt halten will, ist pleite gegangen und mit ihr die Ehe.

Yella will nach Westen, über die Elbe, wo es Arbeit und Zukunft gibt. Im zwei Zugstunden entfernten Hannover kann sie wieder als Buchhalterin arbeiten, wie sie voller Erleichterung ihrem Vater berichtet. Für die Probezeit will sie sich in einem Hotel einmieten. Am anderen Morgen lässt sie sich statt auf das bestellte Taxi zu warten von Ben zum Bahnhof fahren. Doch der hat anderes mit seiner „Ex“ vor, spricht von großen Plänen, die sich wie der Bau eines DHL-Luftkreuzes in Wittenberge rasch als Luftschlösser entpuppen, lässt nichts unversucht, Yella zu halten. Als seine Bemühungen nichts fruchten, lenkt der jähzornige Psychopath sein Fahrzeug bewusst in die Elbe – ein inszenierter Autounfall als (Selbst-) Mordversuch.

Doch beide werden wie durch ein Wunder unversehrt ans Ufer getrieben. Yella fängt sich als erste und nimmt den nächsten Zug in die niedersächsische Hauptstadt. Völlig durchnässt und mit den Nerven am Ende wird sie auf dem Weg ins Hotel Zeugin einer kleinen, vertrauten Familienszene, deren Protagonisten sie viel später noch begegnen wird. In der Hotellobby begegnet sie Philipp, der für eine Private Equity-Firma auf Reisen ist. Er zieht die Stirn in Falten, als er erfährt, wo Yella am anderen Morgen anfangen soll: Bei Schmitt-Ott auf dem Expo-Gelände. In der Tat ist Yella gelinkt worden: Dessen Unternehmen wird gerade abgewickelt, der smarte Chef hat Hausverbot, will mit der Neuen dennoch Austern essen gehen. Da kann sich Yella gerade noch rechtzeitig abseilen.

Philipp lädt die Verzweifelte ein, ihn zu einem Geschäftstermin mit Dr. Fritz zu begleiten. Es geht um Kredite für riskante Investitionen und Philipp entwickelt eine Verhandlungsstrategie für seine unkundige Partnerin. Doch Yella kommt sogleich bestens zurecht in der Welt des Venture Capitals, der gläsernen, kabellos vernetzten Konferenzräume mit dem ungehinderten Blick auf die freie Welt der Marktwirtschaft, der lautlos schnurrenden Leasing-Limousinen, der unentwegten Bewegung – und verinnerlicht geradezu das „Broker-Posing“ und die anderen kleinen Verhandlungstricks.

Alles scheint leicht, ein Spiel, das keine Verlierer kennt. Nur satte Provisionen, auch an Philipps Frankfurter Auftraggebern vorbei. Yella bewährt sich, wird seine Assistentin, bar ausbezahlt am Ende jeden Arbeitstags. Tausend Euro pro Einsatz, leicht verdiente Kohle. Wenn da nicht Ben wäre, der plötzlich in ihrem Hotelzimmer am Stadtrand von Hannover auftaucht. Und handgreiflich wird. Die Vergangenheit lässt Yella nicht los. Könnte man sich nicht von ihr freikaufen? Sie versuchts mit 25.000 Euro, die sie an Ben schicken will. Philipp hat die Kohle übersehen. Doch nur zum Schein, es war eine Probe. Und sie hats vermasselt.

Und doch nicht: Yella behält ihren einträglichen Job als Stichwortgeberin, aber auch als versierte Buchhalterin, die die Schwachpunkte der Gegenseite mit brutaler Direktheit offenlegt. Yella ist hinter Philipps Geheimnis gekommen: Er betrügt seine Auftraggeber, um einmal selbst über genug Risikokapital zu verfügen für ein Dubliner Unternehmen. 200.000 Euro fehlen noch. Nach einer gemeinsam verlebten Nacht ist sie bereit, ihm dabei zu helfen. Denn Philipp gewährt ihr Schutz vor seltsam gegenwärtigen Stimmen und Geräuschen aus der überlebten Vergangenheit, die immer wieder in ihre neue Welt einbrechen. Und vor den Spuren fremder Anwesenheit in ihrem Zimmer, auf dem Flur, in der Umgebung des Hotels: Der Schatten könnte Ben gewesen sein.

Philipps Auftraggeber sind misstrauisch geworden. Das nächste Projekt in Dessau wird sein letzter Auftrag sein. Die Verhandlungen mit Dr. Gunthen laufen schleppend, Philipp wirkt zum ersten Mal unentschlossen. Da beschließt Yella, die fehlende Summe zum irischen Traum auf eigene Faust einzutreiben...

„Yella“ ist für Petzold-Fans nach „Wolfsburg“ und „Toter Mann“ eine willkommene Bestätigung ihrer Erwartungen, für alle anderen eine Enttäuschung. Schlicht zu vorhersehbar die (Psycho-) Thriller-Elemente wie das effektvolle Rauschen der Blätter, das glucksende (Elbe-) Wasser, das „zweite Gesicht“ der Titelfigur, der vom Horrorfilm „Carnival of Souls“ inspirierte Rahmen, die Bezüge zur Filmgeschichte (Yella Rottländer aus „Alice in den Städten“ von Wim Wenders). Das ist alles schön intellektuell, daran haben die Interpreten 'was zu knabbern, und wende-politisch ist „Yella“ auch noch. Zudem hochkarätig besetzt, einmal darf sogar Barbara Auer als Dr. Gunthens Gattin Barbara den Versuch unternehmen, Yella wie eine Hexe vom Hof zu jagen.

Christian Petzold im Piffl-Presseheft: „2001 haben wir an der Elbe 'Toter Mann' gedreht, das war mein erster Film mit Nina Hoss. Das war eine Geschichte, wo eine Frau vom Westen in den Osten geht, um sich am Mörder ihrer Schwester zu rächen. (…) Und da kam mir die Idee, dass man die Geschichte auch anders herum erzählen könnte, nicht von West nach Ost, sondern umgekehrt. Dass man die Ruinen der Industriegesellschaft verlässt, um im Westen, im modernen Kapitalismus Anschluss zu finden. Der moderne Kapitalismus, irgendwas muss ja sexy sein daran. Früher versteckten sich die Wucherer, den Dieben ähnlich. Heute sind sie leicht, charmant, gesund, buddhistisch. Aber wir stellen diese Welt noch immer dar in alten Bildern, Karikaturen. Wir haben kein Bild von ihr, keine Erzählung. Um diese neuen Bilder und neuen Erzählungen, darum ging es mir. (…) Mitten im Schreiben des Buchs ist mir erst aufgefallen, dass 'Yella' ein lupenreines Anagram von 'Leyla' ist. So hieß die Figur der Nina in 'Toter Mann'.“

Pitt Herrmann

Credits

Screenplay

Director of photography

Editing

Music

Cast

All Credits

Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Script editor

Director of photography

Assistant camera

Clapper loader

2nd Camera unit

Steadycam operator

Still photography

Lighting design

Key grip

Property master

Stand-by props

Construction manager

Make-up artist

Costumes

Editing

Assistant editor

Sound design

Sound assistant

Foley artist

Audio mixing

Casting

Music

Cast

Unit production manager

Original distributor

Shoot

    • 22.05.2006 - Juli 2006: Hannover, Wittenberge
Duration:
2414 m, 88 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby Digital
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung: 27.03.2007, 109593, ab 12 Jahre/feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 14.02.2007, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 13.09.2007;
TV-Erstsendung (DE FR): 09.02.2009, Arte

Titles

  • Originaltitel (DE) Yella

Versions

Original

Duration:
2414 m, 88 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby Digital
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung: 27.03.2007, 109593, ab 12 Jahre/feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 14.02.2007, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 13.09.2007;
TV-Erstsendung (DE FR): 09.02.2009, Arte

Digitalisierte Fassung

Duration:
88 min
Format:
DCP, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

Aufführung (DE): 20.02.2025, Berlin, IFF - Berlinale Special - Berlinale Kamera

Awards

Deutscher Filmpreis 2008
  • Lola, Beste Hauptdarstellerin
Preis der deutschen Filmkritik 2007 2008
  • Beste Kamera
  • Bester Spielfilm
IFF Berlin 2007
  • Silberner Bär, Beste Darstellerin
  • Femina-Filmpreis