Inhalt
Verfilmung von Joachim Meyerhoffs gleichnamigem Bestseller: Mit zwanzig Jahren erhält Joachim unerwartet einen Studienplatz an der renommierten Schauspielschule in München. Für seine Ausbildung zieht er in die Villa seiner Großeltern in einem wohlhabenden Stadtviertel – ein Ort, an dem die Tage zwischen strengen Ritualen, reichlich Alkohol und den skurrilen Eigenheiten der Großeltern ihren ganz eigenen Rhythmus haben. Hin- und hergeworfen zwischen absurden Schauspielübungen, familiären Erwartungen und den großen Gefühlen des Erwachsenwerdens versucht Joachim, seinen eigenen Platz im Leben zu finden.
Kommentare
Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!
Jetzt anmelden oder registrieren und Kommentar schreiben.
Ihre skurrilen, oft alkoholgeprägten Alltagsrituale, die schon am Morgen im Bad beginnen und abends, nebeneinander ausgestreckt auf dem Wohnzimmer-Teppich, mit Whiskey und Edvard Kriegs „Solveigs Lied“ vom Plattenteller enden, sind für Joachim, der nach wie vor den Verlust seines bei einem Autounfall ums Leben gekommenen älteren Bruders Martin nicht überwunden hat, eine willkommene Abwechslung, die er wohlwollend-ironisch begleitet. Und nicht zuletzt eine gute Vorbereitung auf das, was ihn im Hinterhof der Münchner Kammerspiele erwartet.
Joachim schlägt sich mehr schlecht als recht mit den höchst merkwürdigen Unterrichtsmethoden an der renommierten Ausbildungsstätte des elitären Direktorengespanns herum. „Versuch ‘mal, mit den Brustwarzen zu lächeln“: Nicht nur die Improvisationslehrerin Gisela Marder, sondern auch ihre Kollegen wie die Gesangsdozentin Irmgard Köster oder die Kursleiterin Gretchen Kinski übertreffen sich an absurden Zumutungen.
Als Joachim, wie seine Kommilitonen als Statisten in der Walpurgisnacht des „Faust“ vorgesehen, sich weigert, einen Baum zu ficken, flippt der Kammerspiel-Regieassistent Hagen völlig aus. Ist seine Probezeit jetzt abrupt beendet? Oma Inge rettet ihren „Lieberling“, indem sie ihn in einem Remake des Films „Ein Ring“ des Regie-Altmeisters Erich Maier-Mannhart an ihrer Seite einsetzt. Solcher Prominenz legt man gerade in der Isarmetropole keine Steine in den Weg…
Der Berliner Schauspieler Joachim Meyerhoff hat in seinem 2013 erschienenen autobiographischen Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, Teil des Zyklus „Alle Toten fliegen hoch“, seine Kindheit und Jugend in Schleswig-Holstein beschrieben. Er ist zehn Jahre später von Sonja Heiss verfilmt worden. 2015 erschien, ebenfalls bei Kiepenheuer & Witsch in Köln, der Fortsetzungsroman „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Die Leinwand-Adaption ist – in gewöhnungsbedürftiger Interpunktion – unter dem gleichen Titel am 28. Januar 2026 im Mathäser-Filmpalast München uraufgeführt worden.
Das Zitat des Titels, entlehnt aus Johann Wolfgang Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, den Großvater Hermann im Film zitiert („Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle!“), ist der wesentliche Kern für die große Lebensfrage, die Meyerhoff in seinem autobiographischen Roman stellt: Nicht nur durch den Verlust geliebter Menschen, sondern auch auf der Suche nach dem eigenen Selbstbild und im Streben nach einem Moment innerer Einheit – im Versuch, eine Leerstelle im Verständnis von sich selbst zu füllen.
Die besondere Herausforderung bei der Entwicklung des so warmherzigen wie urkomischen Films war, den 350-seitigen Roman in eine filmische Struktur zu bringen. „Der Roman ist anekdotisch erzählt und springt in den Zeitebenen wild hin und her. Das fällt einem gar nicht so auf, wenn man das Buch liest, aber tatsächlich ist es so“, sagt die Produzentin Janine Jackowski im Warner Bros.-Presseheft. Denn ein Drehbuch folgt anderen Gesetzen als ein Roman, gleichzeitig aber galt es, den Kern von Meyerhoffs Geschichte zu bewahren.
„Das war für uns, aber natürlich vor allem für Simon, ein Balanceakt“, so Jackowski weiter. Der Roman spielt zwischen Theaterwelt, Familiengeschichte und innerer Reise – diese Vielschichtigkeit filmisch zu fassen, ohne an Leichtigkeit zu verlieren, war die größte Aufgabe des Teams um Regisseur Simon Verhoeven, der mit seiner 84-jährigen Mutter Senta Berger gedreht hat, welche die Rolle einer alternden, melodramatisch auftretenden Diva mit Verve verkörpert.
Im Abspann sind kurze Ausschnitte der TV-Produktion „Ein Ring“ von Karl-Heinz Kramberg aus dem Jahr 1989 zu sehen. In der Verfilmung der gleichnamigen, 1906 erschienenen Novelle des Literatur-Nobelpreisträgers Paul Heyse ist Joachim Meyerhoff in seiner ersten Filmrolle als Paul an der Seite seiner Großmutter Inge Birkmann als Claire zu sehen.
Pitt Herrmann