Looping

Deutschland 2015/2016 Spielfilm

Inhalt

Die 19-jährige Leila (Jella Haase) ist auf der Suche. Wonach, weiß sie nicht. Sie weiß nur, dass sie sich lebendig fühlen will. Und so geistert Leila durch die Stadt, ständig auf der Suche nach dem nächsten Kick. Sie spürt ihren Puls erst dann, wenn Überforderung, Selbstzerstörung und Gefahr ihn schneller schlagen lassen. Frenja (Lana Cooper) ist Mitte 30 und weiß, wonach sie sucht. Sie möchte ihr Leben zurück. Das Leben, welches sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter hatte, bevor sie krank wurde. Das einfache, ehrliche Leben auf den schweren Holzdielen der gemütlichen Ofenheizungswohnung. Aber hatte sie wirklich alles, was sie wollte? Ann (Marie-Lou Sellem) ist nicht mehr auf der Suche. Sie hat gelebt. In verschiedenen Ländern, mit verschiedenen Menschen. Sie hat die Welt gesehen, sich treiben und sich lieben lassen. Am Ende ist ihr immer eins geblieben: das Gefühl, gehen zu müssen.

Als die drei Frauen sich in einer psychiatrischen Klinik begegnen, entsteht zwischen ihnen eine starke Bindung voller Energie, Ehrlichkeit und Erotik.

Quelle: Filmfestival Max Ophüls Preis 2016

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Leila (kann auch anders: eine überragende Jella Haase) ist 19 und ein Rummel-Kind: ihr Vater ist Schausteller. Doch zwischen seinem Auto-Scooter und der Zuckerwattebude versteht das sensible Mädchen keiner. Nicht mal ihre beste Freundin Sarah, in die sie heimlich verliebt ist. Doch die knutscht nur mit Leila herum, um Jungs wie den Vollpfosten Paul scharfzumachen. „Deine Augen sind wie Piraten, die übers Meer schauen“: Für Leilas Poesie hat Sarah, auch eine vom Leben nicht verwöhnte Schausteller-Tochter, keine Antenne.

Enttäuscht tanzt Erstere ihren Frust in einer Disco ab, bevor sie mehrfach versucht, in eine Peepshow zu kommen: „Keine Mädchen!“. So lässt sich Leila nicht nur auf offener Straße von einem LKW-Fahrer anquatschen, sondern lädt sich selbst zu einer nächtlichen Stadtrundfahrt in seinem Truck ein. Was dieser, der ihr Vater sein könnte, gründlich missversteht – nach einer zu zweit geleerten Flasche Wodka: Nachdem sie im Führerhaus vergewaltigt worden ist, landet Leila in der Notaufnahme einer Klinik. Wo sie dem Arzt verspricht, sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen: Ihr offenbar alleinerziehender Vater fährt sie hin.

In diesem am Meer gelegenen Haus wird Leila mit jungen Frauen konfrontiert, die mit ihren Zwangsneurosen nicht fertig werden, ob es sich um Magersucht handelt, um permanenten Waschzwang oder um Bulimie wie bei Frenja. Viele von ihnen haben schon als Kinder sexuelle Gewalt erlebt und manche haben kaum eine Chance auf ein normales Leben „draußen“. Leila teilt sich das Zimmer mit der schüchternen 35-jährigen Frenja und der geheimnisvollen 52-jährigen Ann. Obwohl die Frauen so unterschiedlich sind – Leila ist auf Jahrmärkten aufgewachsen und ständig auf der Suche, Frenja ist verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter, Ann hat sich ihr Leben lang gegen feste Bindungen entschieden – kommen sich die Drei schnell immer näher.

Sie begehren sich und verlieben sich ineinander. Nachts büxen sie aus der Klinik aus, baden zusammen im Pool, ziehen feiernd durch Clubs. Leila fühlt sich auf einmal erkannt und aufgehoben. Doch traut sie sich auch ohne den Kokon dieser Vertrautheit, Liebe ist wahrlich ein großes Wort, wieder in die Achterbahn der Außenwelt?

Für ihr grandioses Kinodebüt „Looping“, das nach der Uraufführung in Saarbrücken leider nur in wenigen großstädtischen Arthouse-Lichtspielhäusern lief, hat Leonie Krippendorff eine sinnliche Bildsprache gefunden. Jieun Yis Kamera bleibt stets dicht bei den Körpern der Protagonistinnen und stellt deren Suche nach Halt und Nähe mit traumwandlerischer Poesie nach. Die Regisseurin, (West-) Berlinerin des Jahrgangs 1985, absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Fotografin, bevor sie Regie an der Filmuniversität Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg studierte. „Looping“, ihr Diplomfilm als Meisterschülerin bei Prof. Andreas Kleinert, erlebte am 31. Juli 2017 zu mitternächtlicher Stunde im „Zweiten“ als Schlusspunkt der ZDF-Sommerreihe „Shooting Stars - Junges Kino“ seine Free-TV-Premiere.

Für ihr intimes Frauen-Porträt konnte sie für die Rolle der introvertierten Leila die 24-jährige Berlinerin Jella Haase gewinnen, die seit ihren Auftritten in Tiska Riemanns „Lollipop Monster“ und David Wnendts „Kriegerin“ (beide 2011), für die sie den Bayrischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin erhielt, auf widerspenstige Figuren spezialisiert ist. Und die für ihre Auftritte als prollige Tussi Chantal in „Fack ju Göhte“ (2013) und „Fack ju Göhte 2“ (2015) bei der Berlinale 2016 als Shooting Star ausgezeichnet wurde. In „Looping“ zeigt sie, dass sie auch ganz anders kann.

Leonie Krippendorff im ZDF-Presseheft: „Die drei Hauptfiguren in ‚Looping‘ begegnen sich an so einem Ort. Es ist eine psychiatrische Klinik irgendwo am Meer, doch der Ort als solcher wird nur dadurch charakterisiert, dass er den sonstigen, normalen Alltag der Figuren von ihnen fernhält. ‚Looping‘ ist ein Märchen, das sich an der Realität abarbeitet und unsere Gewissheiten in Frage stellt. Es erzählt die Geschichte von drei Frauen in unterschiedlichen Lebensabschnitten. Alle drei sind durch gewaltsame und schmerzvolle Umstände aus ihrem Alltag gestolpert und in die Einsamkeit gefallen. An einem utopischen Ort verbünden sie sich und starten einen Angriff aus der inneren Welt ihrer Bedürfnisse auf die äußere Welt der Zwänge.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 06.01.2015 - Mai 2015: Berlin, Brandenburg, Niedersachsen
Länge:
106 min
Format:
DCP, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 20.01.2016, Saarbrücken, Max-Ophüls-Preis - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 25.08.2016

Titel

  • Arbeitstitel Jade
  • Originaltitel (DE) Looping

Fassungen

Original

Länge:
106 min
Format:
DCP, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 20.01.2016, Saarbrücken, Max-Ophüls-Preis - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 25.08.2016

Auszeichnungen

achtung berlin 2016
  • Beste Schauspielerin