Feuerherz - Die Reise der jungen Awet

Deutschland Österreich 2007/2008 Spielfilm

Inhalt

Eritrea, Anfang der 80er Jahre. Das Mädchen Awet wird als Kleinkind von ihrer Mutter verlassen und wächst – mitten in den Wirren des Unabhängigkeitskrieges Eritreas gegen Äthiopien – in einem Waisenhaus in Asmara auf. Sie wird von italienischen Schwestern im katholischen Glauben erzogen. Schon früh zeigt sich ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, schon als kleines Mädchen versucht sie sich durchzusetzen und gegen Unrecht zu protestieren. Nach einigen Jahren holt ihr verschwunden geglaubter Vater sie zu sich und seiner neuen Familie. Aber dort ist Awet nicht willkommen. Ihr Vater schikaniert sie und übergibt sie schließlich zusammen mit ihrer Schwester an eine der eritreischen Befreiungsarmeen. Die beiden Mädchen kommen in ein Lager, in dem sie zu Soldaten ausgebildet werden sollen. Awet muss sich an ein hartes Leben gewöhnen. Hunger, Einsamkeit und die viele Arbeit im Lager machen ihr das Überleben schwer. Awet erlebt den ganzen Wahnsinn des Krieges und wird konfrontiert mit Tod und Fanatismus. Doch ihr "Feuerherz", ihr Mut und ihr Gewissen weisen ihr einen Weg aus einem schrecklichen Schicksal.

"Feuerherz" wurde in der eritreischen Landessprache Tigrinya gedreht. Luigi Falorni: "Nachdem die eritreische Regierung die Drehgenehmigung blockierte, haben wir die Dreharbeiten in Nairobi vorbereitet, weil in Kenia die größte emigrierte eritreische Volksgruppe lebt. Beim Casting waren sowohl die Beherrschung der Landessprache Tigrinya als auch die noch vorhandene Bindung an die eritreischen Traditionen und Lebensart die entscheidenden Kriterien."

Quelle: 58. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Eritrea am Horn von Afrika während des Unabhängigkeitskrieges in den frühen 1980er Jahren. Die zehnjährige Awet wächst behütet in einem von italienischen Schwestern geführten christlichen Kloster in Asmara auf. Als sie erfährt, dass ihr Vater, ein ehemaliger Freiheitskämpfer, noch lebt, hält sie nichts mehr innerhalb der schützenden Mauern. Immerhin nimmt sie von der Schwester Oberin ein kleines Bildnis der hl. Jungfrau Maria an, das sie als ihr „Feuerherz“ fortan wie einen Schatz hüten wird. Awet wird von ihrer ältere Schwester Freweyini abgeholt und schon auf der Busfahrt wird ihr bewusst, dass die heile Welt der Klosterschülerin nun für sie beendet ist: Überall sind Spuren des Bürgerkrieges sichtbar.

Awet muss daheim bald feststellen, dass ihr Vater Haile nicht der große Held gewesen ist, als der er sich ausgibt. Als Awet ihn daraufhin einen Lügner nennt, übergibt Haile seine beiden Töchter einer der rivalisierenden sog. Befreiungsarmeen, der Eritreischen Befreiungsfront ELF, damit sie zu Kindersoldatinnen ausgebildet werden und gegen Äthiopien in den Krieg ziehen. Während Freweyini von der überzeugten Sozialistin Ma'aza an der Waffe ausgebildet wird und bald in den Bürgerkrieg ziehen muss, darf die kleine Awet das Lager nicht verlassen, obwohl sie nur zu gern selbst eine Kämpferin an der Waffe wäre. Aber der Führer der kleinen Truppe, der sie zugeteilt ist, der Lehrer Mike'ele, ist prinzipiell gegen den Einsatz von Kindersoldaten und versucht Awet aus allen bewaffneten Konflikten herauszuhalten: Kinder, so Mike'ele, seien keine Kämpfer, sondern die Zukunft Eritreas.

Als Freweyini körperlich verletzt und noch stärker seelisch verwundet ins Lager zurückkehrt, beginnt Awet darüber nachzudenken, ob es tatsächlich so erstrebenswert ist, eine Heldin zu sein. Zumal sie sehr wohl mitbekommt, dass die sog. Befreier das eigene Volk knebeln und ausrauben, um selbst überleben zu können und sich auf diese Weise immer mehr Feinde unter der Bevölkerung machen. Doch Awet hat keine Wahl: die ELF-Soldaten sind derart dezimiert worden, dass nun auch die Jüngsten in den Krieg ziehen müssen. Als Mike'ele heimlich mit den Kindern verschwinden will über die Grenze in den Sudan, wird er bei einem Überfall erschossen. Und Awet glaubt nun an das Märchen, dass die Kinder für die Sünden ihrer Väter büßen müssen – und bezieht das blutige Geschehen auf sich selbst. Dennoch wagt sie sich zusammen mit Freweyini und dem verwundeten Jungen Amrit auf den Spuren der Nomaden in die Unendlichkeit der Wüste...

Als die in Eritrea geborene und heute in Deutschland lebende Sängerin Senait Ghebrehiwet Mehari im Jahr 2004 ihre Autobiographie „Feuerherz“ herausbrachte, wurde der Roman über Nacht zum weltweit beachteten Bestseller. Doch drei Jahre später wurden Zweifel ob des Wahrheitsgehalts der von ihr geschilderten Grausamkeiten laut: Zahlreiche Experten bezweifelten, dass es in den frühen 1980er Jahren überhaupt Kindersoldaten in den Reihen der eritreischen Bürgerkriegsarmeen gegeben hat.

Luigi Falorni hat sich daher in seiner auf der Berlinale 2008 uraufgeführten Leinwand-Adaption auf eine möglichst universelle Geschichte von Kindersoldaten beschränkt, andererseits aber die Handlung der Vorlage nur in Nuancen verändert. „Feuerherz“, weitgehend mit Amateuren und in der eritreischen Landessprache Tigrinya in Nairobi gedreht, ist ein bewegendes Drama und eine einzige Anklage gegen den Fanatismus, der selbst Kinder zu Werkzeugen macht. Und da spielt es wirklich keine Rolle, ob jede Einzelheit der Buchvorlage den Tatsachen entspricht oder nicht. Nennen wir „Feuerherz“ also eine fiktive Geschichte, die aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erzählt wird und die bisweilen allzu lehrstückhaft daherkommt.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Kamera-Assistenz

Standfotos

Kamera-Bühne

Schnitt

Darsteller

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Länge:
2527 m, 92 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 13.10.2008, 115601, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 14.02.2008, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 29.01.2009;
TV-Erstsendung (DE FR): 28.07.2010, Arte

Titel

  • Arbeitstitel (DE ) Feuerherz
  • Originaltitel Feuerherz - Die Reise der jungen Awet

Fassungen

Original

Länge:
2527 m, 92 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby Digital
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 13.10.2008, 115601, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 14.02.2008, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 29.01.2009;
TV-Erstsendung (DE FR): 28.07.2010, Arte