Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Deutschland 2006/2007 Spielfilm

Inhalt

Es ist der 25. Dezember 1944, Berlin liegt in Trümmern. Der totale Krieg scheint total verloren. Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goebbels weiß, dass ein Ruck durchs Land gehen muss, und er hat auch schon eine Idee. Der Führer soll vor den Pappkulissen eines unzerstörten Berlin eine flammende Neujahrsrede halten, die von den Kameras der Wochenschau ins ganze Land getragen werden soll, um die Massen erneut für den Krieg zu mobilisieren. Der Schwachpunkt: Adolf Hitler ist nur noch ein matter Abglanz seiner selbst in alter "Größe", demoralisiert und deprimiert verkriecht er sich in seinem Arbeitszimmer und meidet jede Öffentlichkeit. Der einzige Mann, der da noch helfen kann, ist der jüdische Schauspieler Adolf Grünbaum, der Hitler am Anfang seiner politischen Karriere Schauspielunterricht gegeben hat. Goebbels lässt Grünbaum samt seiner Familie aus dem KZ Sachsenhausen holen. In nur fünf Tagen muss Hitler in Höchstform sein.

Mit diesem Film knüpft Dani Levy – zum ersten Mal in Deutschland – an die Tradition der (Tragi-)Komödien um die Hitler-Zeit an: "Ich habe versucht zu schreiben wie Karl May, der sich 'seine' Indianerwelt, 'seine' arabische Welt erfunden hat. Die Zustände und die Geschichte, die in 'Mein Führer' beschrieben werden, sind – auf den Kenntnissen dieser Zeit basierend – frei erfunden. Warum? Weil für mich die Fantasie, die faktenunabhängige Fabel, der Wahrheit vielleicht näher kommt. Oder anders gesagt: Ich will diesem zynischen, psychisch verwahrlosten Menschen nicht die Ehre einer realistischen Darstellung gewähren.

Quelle: 57. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
25. Dezember 1944, die Reichshauptstadt liegt in Trümmern. Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goebbels weiß, dass nun ein Ruck durchs Land gehen muss: Der Führer soll vor den Pappkulissen eines unzerstörten Berlins eine flammende Neujahrsrede halten, mit der er die Massen wie einst 1939 begeistert und erneut für den Endkampf des Endkampfes mobilisiert. Doch das Vorhaben hat einen Haken: Adolf Hitler ist völlig demoralisiert, meidet jede Öffentlichkeit. Der einzige Mann, der da noch helfen kann, ist ausgerechnet ein jüdischer Schauspieler, der im Konzentrationslager Sachsenhausen einsitzt: Adolf Grünbaum, der Hitler bereits am Anfang dessen politischer Karriere Schauspielunterricht gegeben hatte.

Grünbaum nimmt den Auftrag unter der Bedingung an, dass seine Frau Elsa und seine Kinder ebenfalls aus dem Lager geholt werden und mit ihm unter einem Dach leben dürfen. Tagsüber arbeitet er mit dem Führer und abends muss er sich vor allem gegenüber seinem Ältesten, Adam, rechtfertigen, dass er Hitler nicht sofort bei der ersten Begegnung umgebracht hat: „Ich helfe ihm doch nicht, ich unterrichte ihn nur.“ Dabei kommt es gleich am ersten Tag zu einem handgreiflichen, von Hitler provozierten Zwischenfall, den hinter einer Spiegelwand der Führerzirkel des untergehenden Reiches beobachtet: Während der SS-Teufel Himmler und der Speichellecker Bormann abwarten, was dieser Jude mit dem Führer anstellt, ist der glühende Gröfaz-Anhänger Albert Speer so besorgt, dass er kaum weiter zusehen kann.

Bei nächstbester Gelegenheit will Grünbaum den Führer tatsächlich erschlagen, doch er erkennt schon nach wenigen psychologischen Übungen die klägliche Kreatur hinter dem Menschenverächter – und lässt von ihm ab, auch um seine Angehörigen zu schonen. Dafür erhöht Grünbaum seine Forderungen: Das KZ Sachsenhausen soll aufgelöst werden. Goebbels, der mit Himmler ein Attentat auf Hitler plant, geht zum Schein darauf ein und lässt Grünbaums Mithäftling Kurt Gerheim telefonisch Vollzug melden. Denn Grünbaum, der zwischenzeitlich von Goebbels schon nach Sachsenhausen zurückgeschickt worden war, soll als – jüdischer – Täter denunziert werden.

Nachdem die Arbeitssitzungen mit dem Führer total aus dem Ruder geraten, kriecht Hitler wie ein Kind, das einen schlechten Traum hat, unter die Bettdecke des Ehepaars Grünbaum, wo ihn Elsa mit einem jüdischen Schlaflied endlich zur Ruhe bringen kann. Am nächsten Morgen bricht der Tag der großen Rede an. Bei den letzten Vorbereitungen rasiert die Maskenbildnerin Rosemarie Riefenstahl versehentlich Hitlers halben Schnauzbart ab, was den Führer so sehr erregt, dass er seine Stimme verliert. Weshalb Grünbaum unter der Rednertribüne per Mikrophon zu den Massen sprechen soll, während Hitler – inzwischen mit der Bartpracht seines Kammerdieners Heinz Linge vervollständigt – on stage die passende Gestik und Mimik dazu liefert...

Der Untertitel „Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ könnte Helge Schneider-Fans auf einen Helge Schneider-Film hoffen lassen. Auch wenn der Führer unvermittelt ein selbstbezügliches „Jazzclub“-Zitat in den Mund nimmt („Nur der frühe Vogel fängt den Wurm“), ist es ein Dani Levy-Film geworden. Mit allen Bestandteilen einer Klamotte, die im deutschsprachigen Raum noch immer als Komödie verkauft wird. Dabei liegen manche Querverweise geradezu auf der Hand wie etwa zu Chaplins „Der große Diktator“: Drehte dessen Adenoid Hynke noch verzückt den Globus als Ausdruck seiner lächerlichen Allmachtsphantasien, so nutzt bei Dani Levy das arme Schwein Adolf H. die Weltenkugel nur als Medikamentenschrank.

Andererseits ist „Mein Führer“, was die Intelligenz und den hintergründig-ernsthaften Humor betreffen, ein typischer Helge Schneider-Film. Was nicht weiter verwundert, hat „der“ Mülheimer Entertainer schon einmal Adolf Hitler verkörpert, anno 1986 in Christoph Schlingensiefs „Menü total“ – und zwar als kleinen Jungen. Um diese Hintergründigkeit auch würdigen zu können, muss man freilich eine Gebrauchsanweisung haben, entweder das Presseheft des Berliner X-Verleihs oder das gerade erschienene Buch zum Film. Dort wird dann erklärt, was es mit dem Schlachtschiff „Bismarck“ auf sich hat, dessen Modell dem Führer als Quietscheenten-Ersatz in der Pullewanne dient. Und wo Dani Levy seine Küchenpsychologie her hat, nämlich aus dem Hitler-Kapitel in Alice Millers „Am Anfang war Erziehung“.

Man erfährt, dass sich Hitler mit dem berühmten Schauspieler Paul Devirent Anfang der 1930er Jahre tatsächlich einen Rhetoriklehrer hielt, was im übrigen Bert Brecht in sein „Arturo Ui“-Stück aufgenommen hat. Und dass sich hinter der Film-Figur Adolf Grünbaum der jüdische Schauspieler und Wiener Cabaret-Star Fritz Grünbaum verbirgt, der in seiner berühmten Doppelconference das virtuose Spiel von Herr und Diener zumeist mit umgekehrtem Vorzeichen auf die Spitze trieb – und der 1941 im KZ Dachau starb. Schließlich auch, dass hinter Gerheim kein anderer steckt als Kurt Gerron, der wohl berühmteste jüdische Brettl-Star der Weimarer Republik, der für die Nazis 1940 in Theresienstadt den Propagandafilm „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ drehte, um seine und die Haut aller an der Produktion Beteiligten zu retten und der dann doch 1944 in Auschwitz vergast wurde. Der dokumentarische Spielfilm „Kurt Gerrons Karussell“ erinnert an diesen besonders tragischen Fall von „inszenierter Realität“.

Man sieht danach Dani Levys „Mein Führer“ mit anderen Augen, wie man etwa ein Gemälde von Caspar David Friedrich mit anderen Augen sieht, wenn man zuvor einen Blick in den Katalog geworfen hat. Aber ich bezweifle, ob auch nur einige wenige unter den Kinobesuchern diese Möglichkeit nutzen oder auch nur nutzen wollen. Und dann bleibt es halt bei den zweieinhalb Lachern, die Michael Althen dem Film in der „FAZ“ attestierte.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Musik

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie

Script

Drehbuch

Optische Spezialeffekte

Titelgrafik

Licht

Kamera-Bühne

Schnitt

Casting

Musik

Darsteller

Produzent

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Erstverleih

Dreharbeiten

    • Berlin
Länge:
2605, 95 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 14.12.2006, 108516, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 09.01.2007, Essen, Lichtburg;
Kinostart (DE): 11.01.2007;
TV-Erstsendung (DE FR): 23.04.2009, Arte

Titel

  • Originaltitel (DE) Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
  • Weiterer Titel (DE) Mein Führer

Fassungen

Original

Länge:
2605, 95 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung: 14.12.2006, 108516, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 09.01.2007, Essen, Lichtburg;
Kinostart (DE): 11.01.2007;
TV-Erstsendung (DE FR): 23.04.2009, Arte

Auszeichnungen

Preis der deutschen Filmkritik 2007 2008
  • Bester Darsteller
FBW 2006
  • Prädikat: wertvoll