Am Freitag, 9. Oktober 2026, wurde im Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt der 37. Hessische Film- und Kinopreis verliehen. Gastgeber war Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels, durch den Abend führte Cécile Schortmann, unter anderem bekannt aus der 3sat-Sendung "Kulturzeit".
Als bester Spielfilm wurde "I’ll Be Gone in June" von Katharina Rivilis ausgezeichnet. Das Debüt folgt der 16-jährigen Franny, die 2001 als Austauschschülerin nach New Mexico kommt und dort, im Schatten des 11. September, nach Nähe, Freiheit und Zugehörigkeit sucht. Die Jury würdigte neben der sinnlichen Bildgestaltung vor allem die beiden jungen Laiendarsteller*innen in den Hauptrollen.
Bereits vorab war bekannt gegeben worden, dass der Newcomerpreis, über den der Minister entscheidet, an den Kasseler Regisseur und Drehbuchautor Joscha Bongard geht. Sein Abschluss- und Debütfilm "Babystar", eine Mediensatire über eine Influencer-Familie, hatte beim Festival in Toronto Weltpremiere. Den Schauspielpreis des Hessischen Rundfunks erhielten Melika Foroutan und Edin Hasanović, die seit Herbst 2025 als neues Frankfurter "Tatort"-Duo ermitteln; die Jury hob besonders ihre Arbeit in "Tatort: Fackel" hervor, in der die beiden gesellschaftliche Bruchstellen und Erfahrungen von Ausgrenzung glaubwürdig ausloten. Ebenfalls vorab bekannt waren die Träger*innen des von der Queer Media Society vergebenen QMS RESPECT Awards: Karin Hanczewski und Godehard Giese, die 2021 die Aktion #ActOut initiierten, bei der sich 185 Schauspieler*innen gemeinsam outeten. Die Jury würdigte, dass beide persönliches Risiko mit strukturellem Engagement verbanden. Der Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Adaption ging als "Director’s Choice" an "Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte" von Volker Schlöndorff nach dem Roman von Jenny Erpenbeck aus dem Jahr 2007. Buchmesse-Direktor Juergen Boos begründete die Wahl damit, dass der Film Geschichte nicht erkläre, sondern erfahrbar mache.
Anders als in früheren Jahren fand die Verleihung bewusst nicht als opulente Gala statt, sondern als Abend für die Filmbranche; eine große Gala wäre in Zeiten des Sparens, so Gremmels im Vorfeld, "das falsche Signal". Die Preisgelder blieben dennoch konstant, die im Vorjahr beschlossene Erhöhung der Kinopreisgelder wurde verstetigt. Zugleich fiel der Preis in das zehnte Jahr der Hessen Film & Medien GmbH. Die Kooperationen mit dem hr, der Frankfurter Buchmesse und der Queer Media Society werden fortgeführt.
Die Hauptpreise des Abends wurden in folgenden Kategorien vergeben:
Bester Spielfilm
“I’ll Be Gone in June” von Katharina Rivilis
Bester Dokumentarfilm
"Sieben Kreise der Hölle" von Andrzej Klamt
Bester Kurzfilm
"Bleifrei 95" von Emma Hütt und Tina Muffler
Bester Hochschulabschlussfilm
"Blut und Wasser" von Nathalie Linke und Johanna Best (Hochschule Darmstadt)
Bestes Drehbuch
"Brennende Haut" von Behrooz Karamizade und Sanaz Ghotb
Der Hessische Kinopreis ist wie im Vorjahr mit insgesamt 215.000 Euro dotiert und ging an 21 gewerbliche und zehn nicht-gewerbliche Kinos. Die Hauptpreise von jeweils 20.000 Euro erhielten das Kino Traumstern in Lich und das Mal Seh'n Kino in Frankfurt. Das Harmonie Arthouse Kino in Frankfurt wurde mit 17.500 Euro bedacht und erhielt zusätzlich den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis der Kino-Jury für sein herausragendes Engagement in der Publikumsansprache. Weitere hohe Preisgelder gingen an den Filmladen Kassel (15.000 Euro) sowie an die BALi-Kinos in Kassel und das Lichtspielhaus Lauterbach (jeweils 11.000 Euro).
Alle Preisträger*innen des Kinopreises 2026
Nicht gewerblich:
Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt, Pupille – Kino in der Uni in Frankfurt, Kommunales Kino Weiterstadt, Filmforum Höchst, Murnau-Filmtheater in Wiesbaden, Studentischer Filmkreis an der TU Darmstadt, Caligari FilmBühne in Wiesbaden, Eschborn K, KiezKino in Kassel, naxos.Kino in Frankfurt
Gewerblich:
Mal Seh’n Kino in Frankfurt, Kino Traumstern in Lich, Harmonie Arthouse Kino in Frankfurt, Filmladen Kassel, BALi-Kinos in Kassel, Lichtspielhaus Lauterbach, Capitol Kino Witzenhausen, Cinéma in Frankfurt, Marburger Filmkunsttheater CAPITOL, CasaBlanca Art House in Bad Soden am Taunus, FilmBühne Bad Nauheim, Eldorado in Frankfurt, Lichtburg Filmtheater Langen, Kronberger Lichtspiele, Gloria Kino in Kassel, programmkino rex in Darmstadt, Filmklubb in Offenbach, Saalbau Lichtspiele in Heppenheim, Cinema Kino Wolfhagen, Bambi & Camera in Bad Schwalbach, Butzbacher Filmtheater
Die Jurys setzten sich wie folgt zusammen:
Hauptjury Filmpreis
Sebastian Kraft-Wanner (Referatsleiter Film und Medien im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur; Juryvorsitz), David Hadda (Produzent, Creator, Autor, Regisseur "Die Zweiflers"), Sheri Hagen (Schauspielerin und Autorin), Mariette Rissenbeek (ehemalige Chefin der Berlinale und von German Films), Marie-Lou Sellem (Schauspielerin und Regisseurin), Anna Schoeppe (Geschäftsführerin Hessen Film & Medien GmbH), Wenka von Mikulicz (Dramaturgin, Autorin, Stoffentwicklung)
Auswahljury Filmpreis
Christoph Strunck (Referat Film und Medien, HMWK; Juryvorsitz Spielfilm und Kurzfilm), Lena Pezzarossa (Referat Film und Medien, HMWK; Juryvorsitz Dokumentarfilm und Drehbuch), Hồng Anh Nguyễn (Regisseurin, Drehbuchautorin, Editorin; Gewinnerin Kurzfilmpreis 2025), Dennis Vetter (Filmkritiker, Kurator, Moderator; Mitgründer der Woche der Kritik), Bettina Blümner (Regisseurin und Autorin; Gewinnerin Spielfilmpreis 2023), Christiane Leonhardt, Marion Wagner, Niklas Nissen und Patrick Schaaf (alle Hessen Film & Medien GmbH)
Kinopreis-Jury
Sebastian Kraft-Wanner (Juryvorsitz), Anna Schoeppe (Geschäftsführerin Hessen Film & Medien GmbH), Herbert Born (Betreiber des Schauburg Filmtheaters), Sonja Hofmann (Geschäftsführerin des Filmbüros NRW, Festivalleiterin des Kinofests Lünen)
hr-Jury
Cécile Schortmann (Journalistin und Moderatorin bei hr und 3sat; Juryvorsitz), Jörg Himstedt (Leitung Fernsehspiel, hr), Rosh Khodabakhsh (Produzentin / Geschäftsleitung Port au Prince), Ulf Pape (Senior Culture Editor GQ), Lotte Schubert (Schauspielerin)
Quelle: wissenschaft.hessen.de