Wandas letzter Gang

Deutschland 2002 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Rückenbild eines Mannes, es ist spät in der Nacht. Er greift zur Flasche, bolzt im tristen Hinterhof gegen einen Ball und klopft, laut „Marie“ rufend, an die Tür eines Hauses. „Geh‘ weg, oder ich ruf‘ die Polizei“ schallt es ihm aus einem Fenster im Obergeschoss entgegen. Was den offenbar stark alkoholisierten Mann nicht davon abhält, die Tür einzutreten. Um fünf Uhr morgens im Vollrausch mit über drei Promille Alkohol im Blut, wie später im Polizei-Protokoll vermerkt.

Paul Kieslowski heißt der Mann, dessen Ehe zerbrochen ist. Weil er im Alkoholrausch mehrfach seine Frau Maria geschlagen hat, ging die von ihr beantragte Scheidung glatt durch, samt alleinigem Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Enrico und gerichtlich verfügtem Abstandsgebot. Für Paul aber ist sein „Rico“ alles und da er mitbekommen hat, dass der Ort der Erweiterung des Braunkohlen-Tagebaus weichen muss („In zwei Monaten wird hier alles abgerissen“), will er mit aller Macht die neue Adresse „seiner“ Familie erfahren.

Es kommt einmal mehr zu Handgreiflichkeiten in der Küche, in die sich auch Stieftochter Theresa, die aus einer früheren Beziehung Marias stammt, einmischt. Plötzlich liegt Maria, von einem Küchenmesser im Bauch getroffen, stark blutend auf dem Küchenboden. Paul ergreift die Flucht und läuft dabei der von Polizeihauptmeister Horst Krause herbeigerufenen Kriminalkommissarin Wanda Rosenbaum beinahe ins Auto. Für Krause ist die Sache klar: „Ehedrama. Messerstich in den Bauch.“ Er wird den vermeintlichen Täter wenig später aus einem Straßengraben klauben und in eine Ausnüchterungszelle stecken. Während Maria in der Klinik behandelt wird, kümmert sich ihre Mutter (Renate Geißler) um die Kinder: „Meine Tochter hat kein Glück mit den Männern.“

Anderntags ist Wanda kurz im Rathaus, wo sie ihren „Enkel“ Franz zum ersten Mal sieht: Ihre Tochter Annette heiratet Christian Schuhmann, aber selbst dabei kommen sich Mutter und Tochter nicht näher – im Gegenteil endet das Treffen im Standesamt für beide Seiten beschämend. Wohl im Nachgang zu diesem familiären Desaster hat sich Wanda vorgenommen, mit Paul kurzen Prozess zu machen, bevor sein Anwalt auf „Unzurechnungsfähigkeit“ plädieren kann.

Wieder nüchtern kann Paul sich an Einzelheiten der Tatnacht nicht erinnern, bezweifelt aber, seine „Ex“ mit dem Messer verletzt zu haben. Wanda, die ihm vorhält, als ehemaliger Boxer schon mehrfach die Kontrolle über sich verloren zu haben, will sein Geständnis – und bekommt es auch. Sodass auch der inzwischen hinzugezogene Rechtsanwalt eine Verurteilung seines Mandanten durch die Richterin nicht verhindern kann, zumal Paul auch von Maria und Theresa als Täter beschuldigt wird.

Noch im Gerichtssaal kommen Wanda erste Zweifel: „Der Junge. Es ist der Junge. Er schweigt seit vier Monaten.“ In der Tat hat Enrico sich weder gegenüber den Ermittlern noch gegenüber dem Gericht über den Tathergang, den er von der Treppe des Hauses aus gesehen hat, geäußert. Und seinen Vater nach der Urteilsverkündung demonstrativ in den Arm genommen. Wanda Rosenbaum bringt Kieslowski nicht direkt zurück in die Haftanstalt, sondern in die Sporthalle der Schule, damit er noch einmal mit seinem Sohn sprechen kann. Doch Rico hat das Training vorzeitig verlassen, was Paul so wütend werden lässt, dass er wild um sich schlägt und dabei Wanda trifft, deren Pistole er an sich bringen kann.

Er nimmt kurzerhand die noch in der Halle befindlichen Erwachsenen und Kinder als Geiseln und fordert, seinen Sohn sprechen zu können. Wanda kann Paul mit gewohnt großer Ruhe und psychologischen Mitteln dazu bewegen, alle Geiseln frei zu lassen – bis auf Wanda selbst sowie ihre Tochter Annette und deren Stiefsohn Franz, die sich zufällig auch in der Halle befunden haben. Doch Rico hat sich so gut versteckt, dass selbst ein Großaufgebot an Einsatzkräften samt Hubschrauber vergeblich die wüsten Hinterlassenschaften des Braunkohle-Tagebaus durchkämmen.

Glücklicherweise gelingt es Krause, Enrico zu finden, der sich in einem Heizungsschacht verborgen hatte. Der verschüchterte Junge sagt ihm, dass es sein Papa wirklich nicht war. Seine Schwester hatte das Messer genommen und seine Mutter ist selber im Streit hineingelaufen. Er hatte Angst, dass seine Schwester ins Gefängnis müsste, darum hat er nichts gesagt. Horst Krause bringt den Jungen zur Turnhalle, wo inzwischen auch Christian Schuhmann um das Leben seines Jungen Franz und seiner Lebensgefährtin Annette bangt.

Der selbstherrliche SEK-Einsatzleiter, der schon mehrfach kurz davor war, die Turnhalle stürmen zu lassen, bleibt selbst in diesem Moment uneinsichtig, da Krause übers Handy Wanda den wahren Tathergang mitteilt. Sich an einen Vorfall in der Kindheit erinnernd, bei dem ihm seine Schwester mit einer Notlüge aus der Patsche geholfen hat, indem sie sich selbst seiner Tat bezichtigte, hegt Kieslowski einen Plan, sich sozusagen posthum mit seiner Familie auszusöhnen, zumal er quasi als weiteres Vorbild die reinigende Aussprache zwischen Mutter und Tochter Rosenbaum hautnah mitbekommen hat.

Nachdem Paul auf Wandas Wunsch auch deren Tochter und Enkel freilässt, soll die Sache friedlich enden: Wanda will mit dem unbewaffneten Kieslowski auf den inzwischen vom Technischen Hilfswerk ausgeleuchteten Vorplatz der Turnhalle treten. Doch ihr Plan geht nicht auf: Zum einen, weil Kieslowski wild mit ihrer Pistole herumfuchtelnd ins grelle Scheinwerferlicht tritt und zum anderen, weil der SEK-Einsatzleiter seinen Schießbefehl nicht zurückgenommen hat. Die tödliche Kugel des finalen Rettungsschusses trifft Wanda Rosenbaum…

Gedreht in der Niederlausitz, dem sorbisch-wendischen Siedlungsgebiet, u.a. im Braunkohlen-Tagebau Welzow-Süd der LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG), war der vierte leider auch der letzte „Polizeiruf 110“-Fall für die von der vergleichsweise grazilen Jutta Hoffmann so unspektakulär-selbstverständlich verkörperte Kriminalhauptkommissarin Wanda Rosenbaum an der Seite des bulligen Urgesteins Horst Krause als häufig auf eigene Faust ermittelnder Polizeihauptmeister gleichen Namens.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Schnitt

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Continuity

Drehbuch

Licht

Szenenbild

Ausstattung

Requisite

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Mischung

Darsteller

Produzent

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • Haidemühl, Welzow und Neupetershain-Nord
Länge:
90 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 30.06.2002, ARD

Titel

  • Reihentitel (DD DE) Polizeiruf 110
  • Originaltitel (DE) Wandas letzter Gang

Fassungen

Original

Länge:
90 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 30.06.2002, ARD