Unterleuten - Das zerissene Dorf

Deutschland 2018-2020 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
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Unterleuten ist ein fiktives Dorf nördlich der beiden benachbarten Hauptstädte Berlin und Potsdam. Erfunden von der in Bonn geborenen Autorin und promovierten Juristin Juli Zeh, die als Wessi selbst seit vielen Jahren in der brandenburgischen Provinz lebt und 2016 hier einen deutsch-deutschen Gesellschaftsroman angesiedelt hat, der sich ein Jahr lang in der „Spiegel“-Bestsellerliste hielt. Auf knapp 650 Seiten müssen in dieser räumlich stark eingegrenzten Gemeinschaft Ossis und Wessis, Gewinner und Verlierer der deutschen Wiedervereinigung, Alteingesessene und zugereiste Städter miteinander auskommen - ein Brennglas der (Nach-) Wende-Problematik in 64 Kapiteln. In dem Versuch der Menschen, die eigenen Vorstellungen von einem freien und doch mit der Umwelt harmonischen Leben umzusetzen, kommt es zu mehr Gegen- als Miteinander. Als im Zuge der Energiewende am Rande des Dorfes ein Windpark entstehen soll, werden aus Freunden rasch Feinde: die unterschiedlichen Interessenlagen können freilich auch nicht mit einem Federstrich ausradiert werden – auch nicht von Amts wegen.

Der Kölner Drehbuchautor Magnus Vattrodt, gebürtiger Karlsruher des Jahrgangs 1972, und der Berliner Regisseur Matti Geschonneck, gebürtiger Potsdamer des Jahrgangs 1952, der einst aus politischen Gründen das Land seines prominenten Vaters, des Schauspielers Erwin Geschonneck, gen Westen verließ, haben sich vom Trumm der Vorlage nicht einschüchtern lassen. Ihr Dreiteiler verzichtet auf die zahllosen Rückblenden und macht etwa aus dem skrupellosen Windkraft-Verkäufer eine smarte und auf den ersten Blick sehr toughe, über ihr Leben aus dem Koffer aber ziemlich verzweifelte Frau, die am Ende mit ihrem Unternehmen nach Asien geht.

Wie auf einem Feldherrenhügel treffen sich Bürgermeister Arne Seidel (Jörg Schüttauf) und Anna Pilz (Mina Tander) vom Windkraftanlagenvermarkter Vento Direct oberhalb des brandenburgischen Dorfes Unterleuten: goldene Getreidefelder künden von der unmittelbar bevorstehenden Erntezeit. In ihrem Gespräch geht es jedoch um eine ganz andere Ernte: die attraktive junge Außendienstlerin will möglichst viele „Spargel“ in die Landschaft stellen, um ihr seit längerem darbendes Provisionskonto wieder aufzufüllen. Dann könnte sie sich auch wieder bessere Hotels leisten als die momentane Absteige am Rande eines tristen Gewerbeviertels. Und der Bürgermeister ist auf jeden Euro angewiesen, der in die notorisch leere Gemeindekasse fließt.

Mehrere Grundstücke am Rand des Dorfes kommen für die Windräder in Betracht, wie Anna Pilz im offenbar bewusst viel zu engen Kostüm den Bewohnern auf einer Versammlung im Gasthaus erklärt. Die zeigen sich trotz der so reizvollen wie eloquenten Verkäuferin wenig beeindruckt. Jule Fließ und ihr Gatte, der amtlich bestallte Umwelt- und Vogelschützer Dr. Gerhard Fließ setzen sich an die Spitze der Protest-Bewegung. Weil die einstige Soziologie-Studentin, die ihren Professor geheiratet hat und nach der Geburt ihrer Tochter Sophie aufs Land gezogen sind, die Verspargelung der Landschaft zuwider ist – und sozusagen vor dem eigenen Wohnzimmerfenster schon gar.

Auch Kathrin Kron-Hübschke, die als Ärztin in Neuruppin arbeitet, und ihr gerade von einer Schreibblockade gequälte schriftstellernde Gatte Wolf Hübschke sind gegen die Windkraftanlage. Schon ihrer Krönchen genannten Tochter (Una Lir) wegen. Und Kathrins Vater, der alte Kron, schon gar. Weil der auch dreißig Jahre nach dem Mauerfall überzeugte Alt-Kommunist nicht zu Unrecht befürchtet, dass sein Erzfeind Rudolf Gombrowski einmal mehr das große Geschäft macht. Was der einstige Vorsitzende der LPG „Gute Hoffnung“ und heutige größte Arbeitgeber als Chef der Ökologica GmbH in der Tat auch vorhat. Freilich fehlt ihm ein Fitzelchen Land, um die Mindestgröße für eine solche durchaus gewinnbringende Anlage offerieren zu können.

Auch zwei weitere Stadtflüchtlinge unterschreiben Jules rasch aufgelegte Unterschriftenliste: Linda Franzen, die einen Reiterhof eröffnen will, samt Freund Frederick (Jacob Matschenz). Der IT-Entwickler pendelt allerdings ständig zwischen Unterleuten und Berlin und wäre insgeheim über eine Rückkehr in die Hauptstadt alles andere als unglücklich. Bewegung kommt in die Sache, als die Besitzer der in Frage kommenden Landstücke nach dem Studium der Ausschreibungsunterlagen auf eine gewinnbringende Verpachtung hoffen können. Zumal sich zum „natürlichen“ Verbündeten des Bürgermeisters, Gombrowski ist schließlich der einzige nennenswerte Arbeitgeber im Ort, ein unerwarteter Konkurrent aus dem westdeutschen Ingolstadt höchst umtriebig gibt: Konrad Meiler (Alexander Held), ein Investor mit besten Verbindungen zur Bankenwelt des Freistaats Bayern.

Björn (Alexander Hörbe), Vorarbeiter der Ökologica, zettelt sogar einen Streik der Bauern an: Er und seine Kollegen befürchten, dass Gombrowski sein notorisch unterfinanziertes Unternehmen dicht macht, wenn er den Zuschlag von Vento Direct erhält. Der hat derweil den ihm verpflichteten Kraftfahrzeugmechaniker Bodo Schaller auf Dr. Fließ angesetzt: Mit brennenden Autoreifen soll er den benachbarten Vogelschützer mürbe machen. In der Tat zieht das Ehepaar Fließ die Unterschriftenaktion zurück. Linda Franzen nutzt ihre komfortable Situation, im Besitz von Weideflächen zu sein, aus, um beide Konkurrenten gegeneinander auszuspielen. Als Krönchen verschwindet, eskaliert der Streit unter den Alteinwohnern. Ausgerechnet die Katzenliebhaberin Hilde Kessler gerät unter Verdacht: als ehemalige LPG-Buchhalterin hatte sie einst ein Verhältnis mit ihrem Chef, was dessen eifersüchtiger Gattin Elena nicht verborgen geblieben ist. Die sieht nun ihre Stunde der Rache gekommen – und zeigt ihre Nachbarin von gegenüber an. Doch dann kommt urplötzlich der alte Kron noch ins Grundstücks-Spiel…

Der grandios besetzte ZDF-Dreiteiler „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“, noch zu nennen Nina Gummrich als Bodo Schallers um Ausgleich bedachte Tochter, ist auf großes Zuschauerinteresse gestoßen: Den ersten Teil am Montag, 9. März 2020, sahen 6,54 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 21 Prozent. Der zweite Teil am Mittwoch, 11. März 2020, erreichte 5,91 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 19,5 Prozent. Der dritte Teil am Donnerstag, 12. März 2020, verzeichnete immerhin noch 5,85 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 18,9 Prozent. Und in der ZDF-Mediathek erzielte die sechs Millionen Euro teure Literaturadaption in drei jeweils neunzigminütigen Teilen 2,85 Millionen Sichtungen allein im Zeitraum vom 2. bis 12. März 2020.

Pitt Herrmann

Credits

Drehbuch

Kamera

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Dreharbeiten

    • 25.06.2018 - 13.10.2018: Berlin. Brandenburg
Bild/Ton:
Farbe, Ton

Titel

  • Originaltitel (DE) Unterleuten - Das zerissene Dorf
  • Weiterer Titel (ENG) Unterleuten: The Torn Village
  • Abschnittstitel Teil 1
  • Abschnittstitel Teil 2
  • Abschnittstitel Teil 3

Fassungen

Original

Bild/Ton:
Farbe, Ton

Teilfassung

Abschnittstitel
  • Teil 1
Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 09.03.2020, ZDF

Abschnittstitel
  • Teil 2
Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 10.03.2020, ZDF

Abschnittstitel
  • Teil 3
Länge:
90 min
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Aufführung:

TV-Erstsendung (DE): 11.03.2020, ZDF