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In Danzig lernt der Kunsthistoriker Alexander die Restauratorin Aleksandra kennen. Eines Abends haben sie eine Idee: Sie wollen eine Stiftung gründen, die es Vertriebenen aus Deutschland und Polen ermöglicht, sich in ihrer Heimat bestatten zu lassen. Doch was als Geste der Versöhnung gedacht war, stößt nicht überall auf ein positives Echo. Zudem droht Profitgier die karitative Grundidee ad absurdum zu führen.
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Aleksandra kann seine Gefühle sehr gut verstehen, ist doch auch sie eine Heimatvertriebene. Sie stammt eigentlich aus dem litauischen Wilna und musste ebenfalls die Stadt ihrer Kindheit verlassen. Bei einem gemeinsamen Abendessen wird die Idee geboren, eine Friedhofsstiftung zu gründen, die Vertriebenen eine Bestattung in ihrer alten Heimat ermöglicht – eine Art Versöhnungsstätte für Deutsche in Gdansk und für Polen in Wilna. Wenige Monate später ist aus der Idee Wirklichkeit und aus den beiden ein Paar geworden. Aleksandras Sohn Witek (Krzysztof Ogloza) sowie Alexanders Tochter Sophia und deren Ehemann Olaf halten jedoch gar nichts von dem Versöhnungsfriedhof, während Jo (Jürgen Hartmann), der Ehemann von Sophias Schwester Grethe (Helene Grass), sich geldgierig die Profitmöglichkeiten des Projekts ausrechnet. Beide Töchter sehen es nicht gerne, dass ihr Vater eine neue Freundin hat, in die er sichtlich verliebt ist.
Doch Aleksandra und Alexander lassen sich nicht beirren in ihrer späten Liebe und gründen eine deutsch-polnische Gesellschaft zusammen mit dem Bauunternehmer Vielbrand, dem evangelischen Oberkirchenrat Karau sowie Johanna Dettlaff vom Bund der Vertriebenen auf deutscher Seite. Auf der polnischen Seite machen der katholische Pfarrer Bierónski, der städtische Angestellte Wrobel als Vertreter der Stadt Gdansk und der Vizedirektor einer Bank, Marczak, der zudem heftig um Aleksandra wirbt, mit. Um die deutsch-polnische Pattsituation aufzuheben, erhält auch die Marktfrau Erna Brakup einen Sitz im Vorstand, denn sie ist „nech Pollacksche, nech Deitsche. Danzijerin!“ Auf dem Gelände eines ehemaligen deutschen Friedhofs kann bald die erste Beisetzung stattfinden. Doch die Freude darüber ist besonders bei Aleksandra getrübt: Bei den Litauern in Wilna fand ihre Idee eines Versöhnungsfriedhofs keinen Anklang.
Es dauert nicht lange, bis es zu ersten heftigen Auseinandersetzungen unter den Vorstandsmitgliedern kommt. Die kommerzielle Vermarktung ist zwar gut angelaufen, dabei aber die Idee der Völkerversöhnung zu kurz gekommen. Als sich deutsche Angehörige darüber beschweren, dass die Gräber ihrer Eltern mit Nazisymbolen beschmiert wurden, beschließt die Stiftung gegen den Willen der beiden Gründer, eine Mauer um den Friedhof zu errichten. Auch zwischen Alexander und Aleksandra kommt es zum Streit, nachdem sie erfahren hat, dass er Stiftungsgelder, die für den Friedhof in Wilna bestimmt waren, in die Rikscha-Fabrikation des Bengalen Chatterjee investiert hat, der ihn einst aus den Händen jugendlicher Straßenräuber befreite. Nur dem energischen Eingreifen Erna Brakups ist es zu verdanken, dass beide wieder zueinander finden.
Wenige Monate später ist aus der gemeinnützigen Stiftung ein florierendes marktwirtschaftliches Unternehmen geworden. Immer mehr Tote werden von Deutschland nach Gdansk überführt, Altersheime für Deutsche in Polen sind geplant, Feriensiedlungen mit Golfplatz für die Angehörigen sollen folgen. Enttäuscht ziehen sich die beiden Gründer zurück, auch Erna Brakup schließt sich an. Als sie stirbt, soll ihr sehnlichster Wunsch in Erfüllung gehen: Sie will an der Seite ihres 1946 verstorbenen Gatten bestattet werden. Durch den Austritt aus der Stiftung gewinnen Aleksandra und Alexander ihre persönliche Freiheit zurück. Sie heiraten und füllen Ernas Überzeugung, dass „imma Deitsche ond Pollacksche de besten Paare war’n“, mit Leben. Die Hochzeitsreise führt das Brautpaar nach Italien und ihrem gemeinsamen Glück scheint nichts mehr im Wege zu stehen...
„Unkenrufe“ basiert auf der gleichnamigen Erzählung des Danzigers und Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass, der sich sehr positiv über die Verfilmung durch den vielfach ausgezeichneten polnischen Regisseur Robert Gliński geäußert hat: „Es gelingt dem Film, ein ernstes Thema heiter zu behandeln, ohne Schwere. Das gefällt mir, und das entspricht der Erzählung.“ Dass es auch ein anrührender Film geworden ist, liegt an der großartigen Besetzung der beiden Hauptrollen mit dem gebürtigen Danziger Matthias Habich, der als Fünfjähriger selbst Flucht und Vertreibung erlebte, sowie mit der vielfach international ausgezeichneten polnischen Schauspielerin, Regisseurin, Sängerin und Schriftstellerin Krystyna Janda. In ihren Gesichtern kann man die Geschichte der Figuren geradezu lesen.
Eine bedeutende Rolle ist, in der literarischen Vorlage wie im Film, der Figur der Markthändlerin Erna Brakup zugedacht, die als handfestes Danziger Urgestein sowohl als spöttisch-orakelnde Erzählerin fungiert als auch das Scharnier zwischen polnischen und deutschen Befindlichkeiten bildet – in der privaten Liebesgeschichte zwischen Aleksandra und Alexander wie in den Sitzungen des Vorstandes der Friedhofsgesellschaft. Die beliebte TV-Schauspielerin Dorothea Walda („Tatort“, „Die Camper“, „Die Wache“, „Lindenstraße“), eine gebürtige Breslauerin, die seit ihrer Vertreibung in Wülfrath lebt und ehrenamtlich u.a. in der Landsmannschaft Schlesien und in der Aussiedlerbetreuung tätig ist, verfügt über reichlich eigene Erfahrungen zum Thema der „Unkenrufe“.
Pitt Herrmann