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Nach einem Flugzeugabsturz im Amazonas wird die kleine Rebecca wie durch ein Wunder gerettet – ein Indigener trägt sie tagelang durch den Dschungel bis zu einer Abholzungsstelle, wo sie entdeckt und versorgt wird. Fortan wächst sie bei ihrem Vater im Regenwald auf, einem christlichen Missionar, der Jahre später die Teenagerin als Wunderheilerin in seiner evangelikalen Gemeinde präsentiert. Doch die vermeintlich friedliche Fassade bröckelt, als die einheimischen Iruaté gegen illegale Abholzungen der europäischen Einwanderer protestieren und eine Zufahrtsbrücke blockieren. Rebecca soll derweil die kranke Frau des Sägewerkbesitzers heilen – im Gegenzug verspricht dieser, sich zurückzuziehen. Rebecca fühlt sich inzwischen immer mehr den indigenen Jugendlichen verbunden. Als sie sich schließlich offen auf ihre Seite stellt, gerät sie zwischen die Fronten. Zudem bringt eine Krankenschwester, die Rebeccas Mutter kannte, deren Weltbild zusätzlich ins Wanken.
Inspiriert von der Geschichte der deutsch-peruanischen Biologin Juliane Koepcke, die 1971 als 17-Jährige einen Flugzeugabsturz im peruanischen Regenwald als Einzige überlebte.
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Von einem jungen Indigenen auf der Jagd entdeckt, wird Rebecca von diesem auf den Händen und, als sie etwas zu Kräften gekommen ist, auf dem Rücken bis in die Nähe eines Holzfällercamps getragen. Ins Krankenhaus von Castanhal gebracht herrscht dort ein großer Medienrummel, handelt es sich bei der einzig Überlebenden offensichtlich um die Tochter des evangelikalen Missionars Lawrence Byrne, der zusammen mit dem Verwalter John mitten im Urwald des brasilianischen Bundesstaates Pará eine Baptistenmission übernommen hat. Der erste Blick Byrnes auf seine im Klinikbett schlafende kleine Tochter ist erstaunlich kühl.
„Gott allein schenkt Leben“: Neun Jahre später. Rebecca (nun Helena Zengel) ist zu einer Berühmtheit in ganz Pará geworden. Bis in die Hauptstadt Belém ist die Kunde von ihrer wundersamen Rettung gedrungen. Und davon, dass sie die flammenden Bekehrungsrituale ihres Vaters als Wunderheilerin unterstützt – mit einigem Erfolg wie bei der an den Rollstuhl gefesselten Rosa Maria Brandao (Rayca Leticia), die unter dem Jubel aller Gottesdienstbesucher plötzlich wieder auf eigenen Beinen stehen kann.
So bittet auch der Sägewerksbesitzer Alves um Hilfe: Gelingt es Rebecca, die seit ihrer Rettung mit den Indigenen sympathisiert und häufig an der Seite des etwa gleichaltrigen Silas anzutreffen ist, seine seit sechs Monaten im Krankenhaus von Castanhal im Koma liegende Gattin Fernanda zu erlösen, wird er seine Arbeiter aus dem Schutzreservat der Indigenen, die dort illegal Rodungen vornehmen, abziehen.
Rebecca begleitet Silas und andere junge Stammesangehörige wie Jilvan (Iwinaiwa Assurini)
bei Sabotageaktionen am Maschinenpark der europäischen Eindringlinge. Sie lässt sich daher nur schwer dazu überreden, es wenigstens zu versuchen, um die Spannungen zwischen den Einheimischen, die unter der Führung von Pirá Iruaté aus Protest eine Bundesstraße blockieren, und den Holzfällern abzubauen, bevor es zu offener Gewalt kommt. Widerwillig setzt sich Rebecca ans Bett Fernandas – und die erwacht tatsächlich zum großen Jubel der ganzen Klinik.
Und zum nicht geringeren Erstaunen Rebeccas, die sich immer stärker von der Bevormundung ihres Vaters zu lösen versucht. Was auch an Denise liegt, bisher behandelnde Ärztin von Fernanda. Sie ist der festen Überzeugung, Rebecca schon einmal gesehen zu haben – und legt ihr ein Familienfoto vor, dass Lawrence Byrne zu einem Bekenntnis zwingt, welches das Leben seiner Tochter auf den Kopf stellt. Eines aber steht für Rebecca außer Frage: Sie wird an Silas‘ Seite im Urwald bleiben…
Pia Marais hat sich von der Geschichte der deutsch-peruanischen Biologin Juliane Koepcke inspirieren lassen, die 1971 als 17-Jährige einen Flugzeugabsturz im peruanischen Regenwald als Einzige überlebte. Die Ko-Autorin und Regisseurin im Pandora-Presseheft: „Ihr wundersames Überleben machte das junge Mädchen damals über Nacht zu einer Berühmtheit und Menschen auf der ganzen Welt begannen Dinge auf sie zu projizieren, um zu verstehen, wie sie überleben konnte.“
„Transamazonia“ verwebt ökologische, religiöse und politische Themen zu einem sehr dichten Drama, in dem die von der elektrisierenden „Systemsprengerin“ Helena Zengel kaum weniger eindrucksvoll zurückhaltend verkörperte Rebecca ganz im Mittelpunkt steht in ihrem Versuch, sich von den Zumutungen ihres charismatisch-fanatischen Vaters zu befreien. Helena Zengel, die zwischendurch ihr Hollywood-Debüt an der Seite von Tom Hanks in „News of the world“ gegeben hat, besticht einmal mehr durch ihr intensives Spiel.
Pitt Herrmann