Jeder stirbt für sich allein

Deutschland Großbritannien Frankreich 2015/2016 Spielfilm

Inhalt

Juni 1940 in Berlin. Die nationalsozialistische Propaganda feiert den Sieg über Frankreich, während in einer Wohnküche in Prenzlauer Berg tiefe Trauer herrscht. Der Sohn von Anna und Otto Quangel ist an der Front gefallen. Lange hat das Arbeiterehepaar an den "Führer" geglaubt und ist ihm treu gefolgt, nun erkennt es seine Versprechungen als Lüge und Betrug. Die beiden beginnen Postkarten zu schreiben, Zeichen des Widerstands, mit denen sie aufrütteln wollen: Stoppt die Kriegsmaschine! Tötet Hitler! Unter Lebensgefahr verteilen sie die Karten in Hauseingängen und Treppenhäusern. Bald sind ihnen SS und Gestapo auf der Spur. Und auch die eigenen Nachbarn könnten gefährlich werden.

Der letzte Roman des Schriftstellers Hans Fallada (1893–1947), im Herbst 1946 in vierwöchiger fieberhafter Arbeit verfasst, setzt dem Ehepaar Otto und Elise Hampel ein Denkmal. Zwischen 1940 und 1943 leistete es Widerstand gegen die Nazis und wurde dann mit dem Fallbeil hingerichtet. Der bereits mehrfach verfilmte Roman gilt als authentisches Zeugnis des Alltagslebens in Berlin während der NS-Zeit – eine leise, eindringliche Hymne auf Mut und Menschenwürde in einer Atmosphäre der Bespitzelung und Bedrohung.

Quelle: 66. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

 

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Berlin 1940, Prenzlauer Berg, Jablonskistraße 55. Die Postbotin Eva Kluge kommt mit einem maschinengeschriebenen Feldpostbrief. Otto Quangel, Werkmeister in einer Tischlerei, und seine Gattin Anna wissen Bescheid: Als Sonderausgaben der Zeitungen vom „Sieg über Frankreich“ berichten und die Reichshauptstadt (Hakenkreuz-) Flagge zeigt, ist ihr einziger Sohn für Volk und Vaterland gestorben. Die Postbotin hat nicht nur Briefe und Karten in ihrer Tasche, sondern auch Lebensmittel. Die sie der alten Frau Rosenthal heimlich zusteckt. Die Jüdin traut sich nicht mehr auf die Straße und wird, als immer mehr Häuser in unmittelbarer Nähe „arisiert“ werden, vom pensionierten Kammergerichtsrat Fromm in seiner Wohnung versteckt.

Als die Schergen kurze Zeit später vergeblich an Frau Rosenthals Wohnungstür klopfen, fühlt sich nicht nur der Mob in Person des Kleinkriminellen Barkhausen dazu berechtigt, das noch verbliebene Hab und Gut der Jüdin zu plündern, sondern auch der überzeugte Nazi Persicke, der als Blockwart peinlich darauf achtet, dass alles seine rechte Ordnung hat. Barkhausen denunziert Fromm – und Frau Rosenthal entzieht sich ihrer Verhaftung durch Selbstmord: Sie springt aus dem Fenster. Im Betrieb Otto Quangels, der nun nur noch Särge tischlert, seit der Krieg im Herzen des Tausendjährigen Reiches angekommen ist, nimmt die Zahl der Selbstverstümmelungen zu, welche einen Fronteinsatz inzwischen jedoch nicht mehr verhindern können.

Anna, die nach dem Verlust ihres Kindes auf Hitler und den Krieg schimpft, ändert die Legende eines Fotos von „Führer“ in „Lügner“ um. Eine späte Einsicht aus persönlicher Betroffenheit, war sie bisher im Kreis der weiblichen Volksgenossen doch gut aufgehoben. Nun sieht Anna näher hin – und provoziert mit Claire Gehrich die Gattin eines Obersturmbannführers mit der Forderung, sie solle ihrer Arbeitsdienstpflicht nachkommen. Im Nationalsozialismus sind halt nicht alle Volksgenossen gleich. Anna und Otto Quangel beschließen, etwas zu tun. Sie beschreiben postkartengroße Zettel mit klaren Botschaften in einfachen Worten gegen Hitler und den Krieg, welche jeder schon bei der flüchtigen, zufälligen Lektüre versteht.

Diese Zettel legen sie in Hausfluren ab, trauen sich sogar in öffentliche Gebäude. Natürlich wird die Polizei sogleich damit beauftragt, dem „Klabautermann“ genannten Zettelschreiber und Verteiler auf die Spur zu kommen. Lange tappen Kriminalkommissar Escherich und Kriminal-Oberassistent Zott im Dunkeln. Zu lange nach dem Geschmack von Standartenführer Prall, der Escherich auch körperlich spüren lässt, wer nun das Sagen bei der Polizei hat. Mit Enno Kluge, offiziell der ehemalige Gatte der Biefträgerin, soll ein für Escherich offenkundig Unschuldiger als Sündenbock präsentiert werden. Der Kriminalkommissar erschießt ihn – aus reiner Barmherzigkeit, um ihm die Folterungen durch Prall und seine SS-Henkersknechte zu ersparen.

Längst hegt er einen Verdacht gegen das unscheinbare, bisher so vorsichtige Arbeiterpaar, nachdem Otto zwei Zettel in seinem Betrieb verloren hat. Nach 18 Monaten kommt es zum Prozess und bei diesem heraus, dass 267 Karten von ihren Findern freiwillig den Behörden übergeben worden - und nur 18 Karten verschwunden sind. Während sich Anna und Otto ein letztes Mal auf der Anklagebank zulächeln im Bewusstsein, dass sie der Todesstrafe nicht entgegen, verzweifelt Kommissar Escherich am offenbaren Misserfolg des privaten Widerstandes zweier Aufrechter im Heer der Mitläufer und Täter – und erschießt sich in seinem Büro...

„Jeder stirbt für sich allein“, der letzte Roman des Schriftstellers Hans Fallada, im Herbst 1946 in vierwöchiger fieberhafter Arbeit verfasst und 1947 erschienen, setzt dem Ehepaar Otto und Elise Hampel ein Denkmal. Zwischen 1940 und 1943 leistete es Widerstand gegen die Nazis und wurde dann mit dem Fallbeil hingerichtet. Der bereits mehrfach verfilmte Roman gilt als authentisches Zeugnis des Alltagslebens in Berlin während der NS-Zeit – eine leise, eindringliche Hymne auf Mut und Menschenwürde in einer Atmosphäre der Bespitzelung und Bedrohung. Mehr als 60 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung wurde der 2012 neu edierte Roman in ungekürzter, 600 Seiten umfassender Originalfassung zu einem weltweiten Bestseller in 30 Sprachen – gerade auch in Israel und in den englischsprachigen Ländern beiderseits des Atlantiks. Primo Levi, ein Überlebender von Auschwitz, nannte ihn „das beste Buch, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde.“

Auf dieser Erfolgswelle versuchte auch die Neuverfilmung des Schweizer Schauspielers, Fotografen und Regisseurs Vincent Perez zu schwimmen – mit einer internationalen Star-Besetzung. Doch schon die Uraufführung bei der 66. Berlinale erbrachte überwiegend negative Reaktionen, auch was die Verkörperung der beiden Protagonisten durch die britische Oscar-Preisträgerin Emma Thompson und den bulligen irischen Star Brandan Gleeson, der äußerlich so gar nicht der Romanfigur entspricht, betrifft. Weshalb beim bundesweiten Kinostart die Zahl der Lichtspielhäuser überschaubar blieb.

Was ich schade finde, weil dieses vor allem in der Görlitzer Altstadt gedrehte Plädoyer für die Menschlichkeit am Beispiel einer authentischen Geschichte einfacher Leute, ganz normaler Menschen ohne politische Prägung, über die Frage von Moral und Haltung in einer Diktatur heute wieder besonders aktuell ist. Perez, mit spanischen Wurzeln väterlicherseits und deutschen Wurzeln mütterlicherseits, hat mit „Alone in Berlin“ bewusst eine universelle Geschichte nicht nur für ein deutsches Publikum erzählen wollen mit einem von Daniel Brühl verkörperten Ermittler gegen das Rollenklischee eines tumben Nazi-Barbaren: „Es ist wichtig zu zeigen, dass jeder kämpfen kann. Jeder. Dafür braucht es Mut. Auf einmal erschien es logisch, auf Englisch zu drehen, weil wir das Projekt damit für ein Publikum auf der ganzen Welt öffneten. Es ist eine Geschichte, die jeder kennen sollte“, so Perez im X-Verleih-Presseheft.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Drehbuch-Mitarbeit

Production Design

Ton-Schnitt

Mischung

Darsteller

in Zusammenarbeit mit

Co-Produzent

Associate Producer

Erstverleih

Dreharbeiten

    • 13.04.2015 - 03.06.2015: Berlin
Länge:
100 min
Format:
DCP, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 29.08.2016, 161881, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 15.02.2016, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 17.11.2016

Titel

  • Originaltitel (DE) Jeder stirbt für sich allein
  • Weiterer Titel (DE) Alone in Berlin

Fassungen

Original

Länge:
100 min
Format:
DCP, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 29.08.2016, 161881, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 15.02.2016, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 17.11.2016