Herz aus Eis

Frankreich Deutschland 2024/2025 Spielfilm

Inhalt

Kälter als Eis sticht ihr Kuss mitten ins Herz ... 1970er-Jahre. Angezogen von den Lichtern der Stadt im Tal, nimmt die 16-jährige Jeanne aus einem Kinderheim in den Bergen Reißaus. Sie findet Unterschlupf in einem Filmstudio, das sie nachts in aller Ruhe erkundet. Tagsüber wird hier der Film "Die Schneekönigin" gedreht, in dem die geheimnisvolle Cristina die Hauptrolle spielt. Der wunderschöne, leidgeprüfte Star zieht Jeanne sofort in den Bann. Zwischen dem Mädchen und der Schauspielerin entwickelt sich eine gegenseitige Faszination. Allmählich nimmt Jeanne eine immer wichtigere Rolle bei dem Dreh ein. Während ihre Obsession für das Reich der Schneekönigin wächst, verbinden sich zwischen Set und Leinwand Film und Realität zu einem magischen, labyrinthischen Spiel. Doch das hat seinen Preis. Liebt Jeanne die Schneekönigin genug, um das Opfer zu bringen, das diese von ihr verlangt?

Quelle: 75. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Eine Stimme aus dem Off erzählt vom Reich der Schneekönigin und von einem einzigartigen Kunstwerk, ihrem vom starken Nordlicht eingehüllten Schloss mit hundert Sälen aus Eis. Währenddessen kehrt die 16-jährige Jeanne aus dem nur notdürftig beleuchteten Dorf ins auf einer Anhöhe einsam gelegene Waisenhaus zurück, schon sehnsüchtig erwartet von der kleinen Rose (Cassandre Louis Urbain). Die wird häufig von Alpträumen geplagt und beruhigt sich erst, wenn Jeanne ihr aus dem Märchen Hans Christian Andersens vorliest.

Jeanne, die im zarten Alter von sechs Jahren ihre nach einer Überdosis Tabletten tote Mutter vorgefunden hat, hütet die beiden ihr verbliebenen Erinnerungen an Zuhause, eine Kette mit „Glückssteinen“ und die Ansichtskarte einer Eisbahn, wie einen Schatz. Als sie aus ihrer Kette einen Stein löst und diesen Rose schenkt, ist der Kleinen klar, dass Jeanne das Heim verlassen will – zur Weihnachtseisbahn in die Stadt. Zu Fuß und per Anhalter erreicht sie diese in den Abendstunden und ist fasziniert von Bianca Cigorio (Valentina Vezzoso), einer attraktiven jungen Könnerin auf zwei Kufen. Deren Ausweis sie an sich nimmt nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Bianca und ihrem Begleiter.

Auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht irrt Jeanne durch die nächtlichen Straßen und steigt schließlich durch ein Kellerloch in ein Gebäude ein. Sie landet im Kostümfundus eines Filmstudios, in dem gerade Andersens „Schneekönigin“ gedreht wird – mit der so berühmten wie selbstherrlichen Schauspielerin Cristina van den Berg in der Titelrolle. Jeanne beobachtet zufällig, wie diese heimlich eine Spritze erhält von ihrem, wie sich später herausstellt, langjährigen Freund und Arzt Max. Und wird am Morgen beim Frühstück für die Crew von Stéphanie kurzerhand als Komparsin engagiert.

Jeanne, die sich als 20-jährige Bianca ausgibt, macht ihre Sache so gut, dass sie der exzentrischen Cristina auffällt, die den geplagten Regisseur Dino Dorato (der gebürtige argentinische Skandalfilmemacher Gaspar Noé) mit immer neuen Forderungen in den Wahnsinn treibt. Zunächst als Lichtdouble der jungen Cloé (Lilas-Rose Gilberti) an die Seite gestellt, übernimmt sie nach einem blutigen Zwischenfall mit einem Raben deren Rolle ganz – und wird von Cristina in einem Luxushotel einquartiert. Freilich mit Hintergedanken, die sich die im siebten Himmel schwebende Jeanne nicht hätte vorstellen können. Soviel darf verraten werden: die natürlichen Instinkte des vom Leben geerdeten Waisenkindes lassen sie gerade noch die Notbremse ziehen. Was nicht heißt, dass sie der krankhaft narzisstischen, im Grunde aber todunglücklichen Cristina nicht ein zweites Mal in die Falle gehen könnte…

Inspiriert von Hans Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ erzählt die preisgekrönte französische Regisseurin Lucile Hadžihalilović mit „La tour de glace“ eine düstere, in den 1970er Jahren spielende Geschichte voller betörender Bilder und dunkler Anziehungskraft, die sich so recht erst auf der großen Kinoleinwand erschließt. Zwischen Bewunderung, Verführung und subtiler Bedrohung entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen Jeanne und Cristina, während binnen knapp zwei spannungsgeladener Stunden die Grenzen zwischen Realität und Film (im Film), Märchen-Traum und Leinwand-Adaption zunehmend verschwimmen. Fasziniert von der geheimnisvollen Cristina wird Jeanne immer tiefer in das Reich der in jeder Hinsicht eiskalten Schneekönigin hineingezogen.

Besessenheit und Opferbereitschaft sind wiederkehrende Themen in Andersens Märchen, die damit keineswegs Geschichten für Kinder sind – und auch die Hauptthemen des Films, der auch eine fesselnde Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Von Anfang an hat sich die Regisseurin dafür entschieden, das Märchen in die Realität zu übertragen und eine klassische, lineare Erzählung zu konstruieren: „Wir versuchen, die Geschichte durch Details zu erzählen und die Erfahrungen der Figuren durch visuelle Elemente – Beleuchtung, Atmosphäre, Farben, Details der Kulissen, Requisiten und Kostüme – sowie Geräusche und durch Verbindungen zwischen diesen Elementen zu vermitteln. Ein bisschen wie in einem Gedicht“, so Lucile Hadžihalilović im Grandfilm-Presseheft.

Mit „Herz aus Glas“ knüpft Lucile Hadžihalilović zwanzig Jahre nach „Innocence“, der Adaption einer Novelle Frank Wedekinds, an ihre Zusammenarbeit mit Marion Cotillard an, die in einer faszinierenden Doppelrolle zusammen mit der Newcomerin Clara Pacini und August Diehl ein intensives Zusammenspiel entfaltet.

Apropos Film im Film. Der Name des Regisseurs, Dino Dorato, ist eine Anspielung auf den italienischen Filmemacher Dario Argento, der in den 1970er Jahren das Thriller-Subgenre Giallo zum Kult erhob, das den modernen Horror- und Slasher-Film stark beeinflusste – und damit auch die französische Regisseurin Lucile Hadžihalilović. Die hier ähnliche stilistische Entscheidungen getroffen hat wie in ihren früheren Filmen: feste Einstellungen, die Verwendung einer einzigen Brennweite, natürliche Beleuchtung sowie die Verwendung von Elementen, die im Dekor vorhanden sind. Dino Dorato dagegen, im wahren Leben der Ehegatte Lucile Hadžihalilovićs, hat in den Film-im-Film-Szenen wie für die Scope-Formate der 1970er Jahre Kamerafahrten und ein anamorphotisches Objektiv verwendet.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Continuity

Kamera-Assistenz

Szenenbild

Art Director

Ausstattung

Kostüme

Frisuren

Ton-Schnitt

Mischung

Casting

Sprecher

Produktionsfirma

Produzent

Herstellungsleitung

Post-Production

Länge:
118 min
Format:
DCP 2k
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.10.2025, 273748, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 16.02.2025, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 18.12.2025

Titel

  • Arbeitstitel (DE) Der Eisturm
  • Originaltitel (FR) La Tour de Glace
  • Weiterer Titel (eng) The Ice Tower
  • Originaltitel (DE) Herz aus Eis

Fassungen

Original

Länge:
118 min
Format:
DCP 2k
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 15.10.2025, 273748, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 16.02.2025, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 18.12.2025

Auszeichnungen

IFF Berlin 2025
  • Silberner Bär, Herausragende künstlerische Leistung