Happy End

Frankreich Deutschland Österreich 2016/2017 Spielfilm

Inhalt

Michael Hanekes Ensemblefilm zeichnet ein Familienporträt: Der alternde, wohlhabende Georges Laurent lebt mit mehreren Generationen seiner Familie unter einem Dach im französischen Calais. Dazu zählen seine Tochter Anne, die mittlerweile das familiäre Bauunternehmen leitet, ihr Verlobter sowie ihr erwachsener Sohn Pierre. Auch Georges' Sohn Thomas, Arzt und zum zweiten Mal verheiratet, lebt mit seiner Frau und Kind in der großen Villa. Aus erster Ehe bringt er noch seine Tochter Eve mit, die sich im Teenageralter befindet. Bedient werden sie von dem marokkanischen Ehepaar Rachid und Jamila, das sie aufgrund der miserablen Bedingungen im Flüchtlingslager bei sich aufgenommen haben. Gemeinsam bewahren die Laurents eine perfekte Fassade, während im Hintergrund alles zu zerfallen beginnt: Nach einem Arbeitsunfall eines Bauarbeiters denkt Anne über den Verkauf des familiären Unternehmens nach, Eve erfährt, dass ihr Vater ein Doppelleben führt, Pierre leidet unter Depressionen, und Georges ist trotz erfülltem Leben dessen überdrüssig geworden. Jetzt braucht er dringend jemanden, der ihm dabei hilft, es zu beenden.

 

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Abgesehen davon, dass die verzwickte Familienkonstellation kein glückliches Ende findet, soviel darf verraten werden, ist Michael Hanekes Filmtitel ganz austriakisch-abgründig ironisch gemeint, obwohl es sich bei „Happy End“ um eine genuin französische Produktion handelt. Was nicht nur an den Protagonisten Isabelle Huppert und der 86-jährigen Filmlegende Jean-Louis Trintignant liegt oder an den französisch untertitelten Smartphone-Filmschnipseln. Diese unterkühlt-elegante „Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie“, so die Zusammenfassung des österreichischen Regisseurs selbst, ist freilich eher am Boulevard de la Croisette in Cannes, wo im Rahmen des 70. Filmfestivals am 22. Mai 2017 die Uraufführung über die Bühne ging, denkbar als im nordfranzösischen Calais.

Die Reaktionen in Cannes und nach der Deutschen Erstaufführung am 25. Juni 2017 beim Filmfest München waren gemischt. Haneke wurde vorgeworfen, sich im Sujet zu wiederholen, insbesondere Isabel Huppert hätte man schon sadistischer gesehen, so in der mit dem „Großen Preis der Jury“ 2001 in Cannes ausgezeichneten Jelinek-Adaption „Die Klavierspielerin“. Ist nachvollziehbar, aber als international besetzter Ensemblefilm kann „Happy End“ bestehen, auch wenn ich etwa Franz Rogowski („Transit“, „In den Gängen“) schon ausdrucksstärker gesehen habe. Im Mittelpunkt steht der kongenial von Jean-Louis Trintignant verkörperte lebensmüde Patriarch, der sich einst aus seiner Firma zurückgezogen hatte, um seine unheilbar kranke Gattin zu pflegen und schließlich ihr jahrelanges Leiden wie sie es herbeigesehnt hat durch Ersticken zu beenden. Nun will er selbst nicht mehr weiterleben, hat Angst vor der sich allmählich am Horizont abzeichnenden Demenz und der damit verbundenen eigenen Hilflosigkeit.

Michael Haneke zeigt einmal mehr die Gefühlskälte einer Großfamilie, wahrt wie gewohnt die Distanz eines scheinbar Unbeteiligten. Und doch verrät er Empathie für die Furcht des Patriarchen, in den nächsten Jahren mit fortgeschrittener Krankheit seine Selbstbestimmung zu verlieren: der gesellschaftlich tabuisierte und von Georges' Kindern geächtete Freitod zieht sich wie ein Roter Faden durch die Laurentsche Familiengeschichte. Michael Haneke im Gespräch mit Julia Dettke in der FAZ vom 2. Oktober 2017: „Nicht ich schau grausam auf die Welt, die Welt ist halt so, wie sie ist: widersprüchlich und schwierig. Wenn dann jemand versucht, etwas von dieser schwierigen Widersprüchlichkeit einzufangen, wird ihm das schon als Zumutung oder Grausamkeit angerechnet.“

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Drehbuch

Szenenbild

Schnitt

Ton-Design

Geräusche

Darsteller

Ausführender Produzent

Erstverleih

Dreharbeiten

    • 27.06.2016 - 09.09.2016: Calais, Lille, Doué, London, Paris und Südfrankreich
Länge:
108 min
Format:
DCP, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.08.2017, 170980, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (FR): Mai 2017, Cannes, IFF;
Erstaufführung (DE): 25.06.2017, München, Filmfest;
Kinostart (DE): 12.10.2017

Titel

  • Originaltitel (DE) Happy End

Fassungen

Original

Länge:
108 min
Format:
DCP, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 25.08.2017, 170980, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (FR): Mai 2017, Cannes, IFF;
Erstaufführung (DE): 25.06.2017, München, Filmfest;
Kinostart (DE): 12.10.2017