Die Nacht singt ihre Lieder

Deutschland 2002-2004 Spielfilm

Inhalt

Romuald Karmakar adaptiert das Bühnenstück des norwegischen Dramatikers Jon Fosse für die Leinwand: Ein Paar in der Großstadt ist unversehens in eine Krise geraten. Woran es liegt, dass der junge Mann und die junge Frau trotz ihres jüngst angekommenen Nachwuchses wie ausgebrannt und in ihrer Beziehung erstarrt erscheinen, ist nicht klar zu sagen.

Er trägt schwer an der Last, als Schriftsteller erfolglos zu sein. Sie will mehr als seine düstere Leblosigkeit, will nicht glauben, dass dies schon alles gewesen ist, und durch Provokationen den Ausbruch aus der Starre schaffen: "Ich halt′ das nicht mehr aus." Ein Besuch der Eltern bietet keine Abwechslung, sondern eher die Verdoppelung, ein Spiegelbild der Verfahrenheit. Die junge Frau sucht allein den Ausweg aus der Enge und trägt ihre Sehnsüchte in das Nachtleben der Großstadt-Clubs.

 

 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Heinz17herne
Heinz17herne
Romuald Karmakars Adaption des gleichnamigen minimalistischen Bühnenstücks des seinerzeit sehr angesagten norwegischen Dramatikers Jon Fosse erzählt von einem namenlosen jungen Paar, das sich seit der Schülerzeit kennt und sich nun jedoch in der fast klaustrophobischen Situation ihrer schicken Berliner Hinterhaus-Wohnung zwar wortreich, aber mit viel gespenstischer Stille zwischen den schwer zu ertragenden Dialogen, selbst zerfleischt. Man meint, das Ende einer Liebesgeschichte geradezu körperlich zu spüren.

Er (zunächst nur in den Augen seiner Frau ein Versager: Frank Giering) liegt vorzugsweise lesend auf dem Sofa. Zu seiner Lektüre gehören Bücher von Rainald Goetz („Abfall für alle“) und eine Studie des Historikers Christian Gerlach („Kalkulierte Morde“) über die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland (heute: Belarus) während des Zweiten Weltkrieges. Ein Schriftsteller, der seit Jahren nur Absagebriefe von diversen Verlagen erhält und, obwohl eher eine sanfte Untergeherfigur, in seinem roten Pullover leise implodiert.

Zumal seine gutbürgerlichen Eltern aus der Ravensburger Provinz zu Besuch kommen, um endlich den kleinen Enkelsohn zu sehen. Doch kaum, dass sie die Wohnung betreten haben, sind sie schon wieder verschwunden. Um sich den jungen Leuten nicht aufzudrängen, wie er meint, oder weil sie von der gespannten Atmosphäre zwischen den beiden flüchten, wie sie meint, deren Freundinnen schon geraume Zeit die Schwelle zur Wohnung nicht mehr überschritten haben.

Sie (sehr zerbrechlich: Anne Ratte-Polle), seine attraktive Gattin im Mutterschutz, will hinaus – in die Nacht, in die Disco, zu Freundinnen und ehemaligen Arbeitskollegen. Sie bricht zweimal aus der Wohnung aus und will am Ende, mit einem neuen Freund, Baste, alles neu machen. Aber sie bleibt zu unentschlossen – und am bitteren Ende steht eine Katastrophe für alle Beteiligten…

Schwere Kost mutet Romuald Karmakar einmal mehr seinem Publikum zu. Und nicht nur bei der Uraufführung auf der Berlinale, wo der Regisseur außerdem mit der Dokumentation „Land der Vernichtung“ vertreten war, sondern auch beim Kinostart, wo zahlreiche vor allem junge, unterhaltungsdurstige Zuschauer vorzeitig die Lichtspielhäuser verlassen haben. Denn wie der Dramatiker Jon Fosse in „Natta syng sine songa“, 1997 in Stavanger uraufgeführt, setzt der Filmemacher Romuald Karmakar 95 bisweilen quälende Minuten lang ganz auf das Wort. Und so spielt die Künstlichkeit der Sprache die eigentliche Hauptrolle, kaum zu ertragen für die videoclipgeschulte MTV-Generation.

Doch ist „Die Nacht singt ihre Lieder“ wirklich ein so deprimierender Film, wie es die Story vermuten lässt? Stille und Konzentration, von Kameramann Fred Schuler in eindrucksvollen Ganz-Nah-Aufnahmen der beiden Protagonisten eingefangen, mögen zahlreiche Zuschauer ebenso verstören wie die meisten Berlinale-Kritiker. Wer sich jedoch darauf einlässt, kann im Medium Film ganz neue Erfahrungen machen, wie sie sonst nur beim Live-Medium Theater möglich sind. Ein Crossover zwischen Theater und Film in der Tradition von Rainer Werner Fassbinder. Und das ist durchaus als großes Kompliment gemeint.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Kamera

Szenenbild

Set Design

Ausstattung

Kostüme

Schnitt

Darsteller

Produktionsfirma

Redaktion

Ausführender Produzent

Executive Producer

Produktionsleitung

Produktions-Assistenz

Post-Production

Dreharbeiten

    • 22.10.2002 - 02.12.2002: Berlin
Länge:
2606 m, 95 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 10.07.2003, 94210, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 11.02.2004, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 19.02.2004;
TV-Erstsendung (DE FR): 21.06.2009, Arte

Titel

  • Originaltitel (DE) Die Nacht singt ihre Lieder
  • Arbeitstitel Nightsongs

Fassungen

Original

Länge:
2606 m, 95 min
Format:
35mm, 1:1,85
Bild/Ton:
Farbe, Dolby SRD
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 10.07.2003, 94210, ab 6 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 11.02.2004, Berlin, IFF - Wettbewerb;
Kinostart (DE): 19.02.2004;
TV-Erstsendung (DE FR): 21.06.2009, Arte