Gestehen Sie, Dr. Corda!

BR Deutschland 1958 Spielfilm

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Falk Schwarz
Ein Arzt kann sich selbst nicht helfen
Als die Geschäfte der Kinos in den späten fünfziger Jahren schlechter gingen, meldeten sich die Lichtspieltheaterbesitzer verstärkt zu Wort. Sie ärgerten sich über deutsche Filme, die nach drei Tagen abgesetzt werden mussten, weil niemand kam. Zunehmend personalisierte sich die Kritik. Einer, den die Kinobesitzer, als „Kassengift“ bezeichneten, weil seine Filme floppten, war Hardy Krüger. Zunächst als Typ der gute Junge von nebenan, ehrlich, offen, abenteuerlustig, positiv. Doch schon mit „Alibi“, „Der Fuchs von Paris“ suchte und fand er Charakterrollen, die ihn oft auch negativ zeichneten. Kraftlos ertrug er sein (Film-) Schicksal. Das goutierten die Zuschauer nicht. Hier ist er der junge Arzt, der ein Verhältnis mit einer Krankenschwester hat, sich mit ihr verabredet, sie tot auffindet und nun all das tut, was niemand bei Verstand tun würde: er ruft keine Polizei, er versucht, sein Rendezvous zu vertuschen, er lügt bei den Vernehmungen und macht sich immer verdächtiger. Das ist der Knackpunkt des Drehbuchs. Der Zuschauer fasst sich an den Kopf: kann jemand so dumm handeln? So kommt er ins Gefängnis, ruiniert seinen Ruf, sein Familienleben und seine Existenz. Der Schauspieler Krüger kann die inneren Qualen des Corda nicht wirklich darstellen. Sein Ausbruch in der Gefängniszelle bleibt laut und ungestaltet. Einer, der ins Mahlwerk des Schicksals gerät, brav aussieht, aber unfähig ist zu handeln. Ein negativer „Held“. Eine innere Wandlung inszeniert Baky nicht. Doch dieser Film ist auch ein gutes Beispiel, wie technisch hochstehend manche der deutschen Filme der fünfziger Jahre gewesen sind. Der schwedische Kamermann Göran Strindberg hat Mut zum Dunkel in diesem Film, leuchtet nur ganz dezent die Nachtszenen aus, modelliert aus den Schatten die Gesichter fast dreidimensional heraus. Die großartige Lucie Mannheim als die Haushälterin, deren Nerven blank liegen und die nicht mehr in der Familie Corda bleiben will, gestaltet diesen inneren Aufruhr in einer Weise, die Hardy Krüger seiner Rolle schuldig bleibt.
JanP
(Kein Betreff)
Einen jener seltenen Vertreter des deutschen Kriminalfilms in der Phase vor Beginn der Edgar-Wallace-Serie 1959 findet man in Josef von Bakys "Gestehen Sie, Dr. Corda!". Wie in vergleichbar angelegten Produktionen der 1950er Jahre auch, handelt es sich bei diesem Film um keinen in der Wolle gefärbten Kriminalfilm, vielmehr verbinden Autor Robert A. Stemmle und Regisseur Josef von Baky das Kriminalistische mit dem Dramatischen, und es bleibt die Liebe und Treue der gehörnten Frau Corda zu ihrem Mann stetes Beiwerk und zentrales Bindeglied.

Als das Bemerkenswerte an dieser CCC-Produktion darf zweifelsohne gelten, dass - inmitten zahlreicher Kino-Produktionen jener Jahre mit geradewegs ehrerbietender Darstellung des deutschen Polizeiapparates - im vorliegenden Fall Ermittlungen und Ermittler der Staatsmacht weitgehend negativ gezeichnet werden. In der Figur des von Siegfried Lowitz so ambitioniert dargebotenen Inspektor Guggitz findet diese ungekannte Note ihren keifenden und geifernden Höhepunkt. Die Polizei ist nicht daran interessiert, den Fall aufzuklären. Antrieb ihres Tuns und Handelns ist die Verteidigung der Indizienkette, das Bewahren der eigenen Wahrheit und das schnelle Dingfestmachen zur Befriedigung der öffentlichen Meinung. In seiner Inszenierung hält Regisseur von Baky mit diesem Anstellwinkel nicht hinter dem Berg. Krasse Einstellungen, dem Zuschauer als klares Unrecht angebotene Polizeiverhöre mit dem Scheinwerfer im Gesicht des Vorverurteilten, lassen kaum einen Zweifel daran, dass Autor und Regisseur hier ein Statement abgeben wollen, das sich in dieser Form im bundesdeutschen Film der 1950er Jahre kaum finden lässt.

Es gerät im weiteren Verlauf der von dem jungen und vital agierenden Hardy Krüger gespielte Dr. Corda fast ein wenig in Vergessenheit, wenn die zu Hause wimmernde Ehefrau sich allmählich als einzige Verteidigerin ihres Mannes gegen anonyme Anrufe und Schmierereien an der Haustür zur Wehr setzen muss. Elisabeth Müller, trefflich besetzt, bietet insofern den dramatischen Teil dieses Kriminalfilms ohne allzu tränenreiche Gestik. Kaum minder auf den Punkt besetzt: Lucie Mannheim als nervlich immer angefasstere Haushälterin, Fritz Tillmann als Hau-drauf-Kommissar und natürlich Hans Nielsen als zupackender Rechtsanwalt mit zentimeterdicker Glasbaustein-Brille.

Alles in allem inszenierte Josef von Baky einen packenden Streifen, dessen Bilder durch den grandiosen Göran Strindberg die erforderliche Tiefe erhalten. Famos sind Strindbergs Einstellungen im Verhör Dr. Cordas, brillant beleuchtet auf den nächtlichen Waldwegen oder der Baustelle am Bauwagen des Mörders. Wenngleich von Baky, der hier auch eine kleine Nebenrolle als Reporter spielt, bisweilen etwas über die Maßen pathetisch aufspielen lässt und das Ende alles in allem etwas zu überhastet und auf Happy-End poliert daher kommt, handelt es sich bei "Gestehen Sie Dr. Corda!" um einen durchaus mitreißenden und flott inszenierten Film von streckenweise beachtlicher formaler Qualität.

Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Cast

Production company

Producer

All Credits

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Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Director of photography

Camera operator

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Still photography

Production design

Prop master

Make-up artist

Costume design

Assistant editor

Cast

Production company

Producer

Line producer

Location manager

Production manager

Original distributor

Shoot

    • Goslar und Umgebung; CCC-Studios Berlin-Spandau
Duration:
2660 m, 97 min
Format:
35mm, 1:1,66
Video/Audio:
s/w, Mono
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 19.05.1958, 17047, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 22.05.1958, Hamburg, Ufa-Palast

Titles

  • Originaltitel (DE) Gestehen Sie, Dr. Corda!
  • Arbeitstitel Gestehen Sie, Dr. Kordes
  • Weiterer Titel (US) Confess, Dr. Corda

Versions

Original

Duration:
2660 m, 97 min
Format:
35mm, 1:1,66
Video/Audio:
s/w, Mono
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (DE): 19.05.1958, 17047, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (DE): 22.05.1958, Hamburg, Ufa-Palast