Liesl Karlstadt & Karl Valentin

Deutschland 2007/2008 TV-Spielfilm

Inhalt

Fernsehfilm über das Leben und die Karriere des bayerischen Komödiantenpaars: Das erste Mal begegnet Liesl Karlstadt ihrem späteren Partner Karl Valentin im Alter von 20 Jahren. Nach einem erfolgreichen Auftritt als Schauspielerin kommt er in ihre Garderobe und rät ihr mit bissigen Worten, sich besser ein anderes Metier zu suchen – sie sei bestenfalls zur Komödiantin geeignet. Tatsächlich hat er ihr ein komisches Couplet geschrieben, dass sie trotz seiner Kränkungen vorträgt - mit überragendem Erfolg. Karlstadt und Valentin beschließen, auf der Bühne ein Paar zu werden. Gemeinsam feiern sie große Erfolge. Auch privat kommen die beiden sich näher, doch die Beziehung ist ein aufreibendes Wechselbad der Gefühle, wobei vor allem die sensible Liesl sehr unter den Eigenarten und Ausfällen ihres Partners Karl zu leiden hat.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
„Die Männer sind treu von Eins bis Zwei…“: Drei freche Ladies in Pink, Mizzi, Fanny und Liesl, bestreiten das Vorprogramm auf der Volkssängerbühne im Münchner „Frankfurter Hof“, bevor der hagere, sich auf skurrile Weise fortbewegende Komiker Valentin Ludwig Fey alias Karl Valentin auftritt. Dem ist besonders Letztere aufgefallen, die er als Bühnenpartnerin gewinnen möchte – allerdings nicht gerade mit Komplimenten. Sondern auf die Art eines Elefanten im Porzellanladen: Elisabeth Wellano, Verkäuferin im neueröffneten Warenhaus von Hermann Tietz, sei „für eine Soubrette zu mager und zu brav“ und ihr Busen auch viel zu klein. Weshalb Liesl sein für sie geschriebenes Couplet sogleich in den Papierkorb ihrer Garderobe wirft.

Das Kalenderblatt offenbart: Es ist der 4. Mai 1911, als sich Liesl mit einer nervigen Kundin herumschlagen muss, sodass sie erst im letzten Moment ihre Künstlergarderobe erreicht. Wo Mizzi den Couplet-Text aus dem Abfall gefischt hat und ihn ihr nachdrücklich ans Herz legt. Liesl und Karl treffen sich nach ihren Auftritten im bereits verwaisten Biergarten, gehen seinen Text durch. Probe ab morgen? Geht nicht: Karl heiratet Gisela Royes, das Dienstmädchen seiner Eltern. „Lieber Karl statt Valentin“: Was die schockierte Elisabeth nicht davon abhält, künftig unter dem Künstlernamen Liesl Karlstadt (der in Wirklichkeit an die Münchner Legende Karl Maxstadt erinnert) an Valentins Seite aufzutreten. Es ist der Beginn einer großen Liebe und einer ebensolchen Karriere unter dem Motto „Lachen ist Trumpf!“

Bereits ein Jahr später ist der von Liesl geführte Terminkalender prall gefüllt. Sie organisiert ein Gastspiel in Zürich, um mit Karl, der brav jede Nacht daheim verbringt, endlich einmal allein sein zu können. Der bricht erstmals seine Devise, nur dort aufzutreten, wo er mit der Tram hinkommt, und wird auf dem Bodensee prompt seekrank (im wahren Leben sind beide durch halb Europa gereist und etwa wochenlang im Berliner „Kabarett der Komiker“ aufgetreten). Für den Sketch „Der Firmling“ soll Karls Gattin Gisela das Kostüm für Liesl schneidern: Es kommt zum handfesten Eifersuchts-Duell der beiden Frauen.

Liesl, die keine Hoffnung mehr auf ein gemeinsames Leben mit Karl hegt, lässt sich vom Brettl-Kollegen Sepp Rankl hofieren und verlobt sich schließlich mit einem freundlichen, zurückhaltenden Verehrer, dem eher stillen Chauffeur Josef Kolp. Aber vom sogleich rasend eifersüchtigen Karl kommt sie beruflich wie privat einfach nicht los, weshalb Josef die Reißleine zieht. Von den Dreharbeiten mit dem Regisseur Erich Engel im fernen Berlin überfordert (in Wirklichkeit haben beide 40 Filme zusammen gedreht – in München), flüchtet sich die depressive Liesl in die Obhut ihrer Schwester Amalie.

Über dem Kalender mit der Jahreszahl 1933 prangt nun ein Foto von Adolf Hitler. Mit Eduard Hammer eröffnet Karl ein Panoptikum mit begehbarer Folterkammer – und macht spektakulär Pleite (im wahren Leben gleich zweimal 1934 und 1935) auf Kosten seiner und Liesls sämtlichen Ersparnisse. Als Letztere mitbekommt, dass Karl heimlich mit der erheblich jüngeren Annemarie Fischer (Lilian Naumann) probt (die 1939 tatsächlich ihre Nachfolgerin auf der Bühne und im Bett wird), stürzt sie sich in die Isar und landet im Sanatorium von Prof. Rosenberger.

Das Blatt des Kalenders, der nun im Haus in Planegg hängt, nachdem München von den Alliierten bombardiert wird, zeigt den 30. August 1943 an. Karl hat sich mit Frau Gisela und Tochter „Bertl“ Bertha samt Enkelin zurückgezogen, nachdem ihm der Reichssender München eine Absage für neue Produktionen erteilt hat. „Nix ist mehr lustig“: Als gelernter Schreiner und Tischler hat er sich eine Werkstatt eingerichtet. Liesl, die auf einer Bergtour mit ihrer Schwester Gebirgsjäger kennengelernt hat, schließt sich ihnen als Hilfsmaultierführerin an. Sie wird, da Frauen nicht der Truppe angehören dürfen, bald zum Gefreiten „Gustl“ befördert (im wahren Leben sogar zum Obergefreiten auf der Ehrwalder Alm).

Die Welt steht auf dem Kopf, der Kalender mit der Jahreszahl 1947 ist nur seitenverkehrt im Spiegel zu sehen. Der Gerstensaft im Münchner Biergarten, in dem sich Karl und Liesl erneut treffen, ist aus, und statt Tabak raucht der asthmakranke Valentin Kräuter: „Meinst, wir können noch?“ Wie in den vergangenen 36 Jahren ist es Liesl, die stets unverdientermaßen im Schatten Karls steht, welche die Initiative ergreift, dem unter hysterischem Lampenfieber Leidenden Mut zuspricht. Sie sind beide alt geworden – und nicht mehr die alten. Als Karl aus Versehen nachts in der Kleinkunstbühne „Der Bunte Würfel“ eingeschlossen wird, holt er sich eine Lungenentzündung. Bei seiner Beerdigung geben sich Gisela und Liesl erstmals versöhnlich die Hand…

In ihrem anrührenden Biopic kommen Ruth Toma und Jo Baier dem wahren Leben von Valentin Ludwig Fey und Elisabeth Wellano erfreulicherweise sehr nahe. Naturgemäß muss sich ein Spielfilm größere Freiheiten nehmen im Gegensatz zum Dokumentaristen, zahllose Details der überdurchschnittlichen TV-Produktion bestehen keinen Faktencheck. Aber die Grundstimmung stimmt – und sie passt so recht in unsere Zeit: Liesl versteht diesen Querkopf, in den sie lebenslang hoffnungslos verliebt bleibt. Sie ist die Bodenständige, die Lebenstüchtige, die kaum einmal aufmuckt, als er wieder ganz selbstverständlich alle Meriten für sich beansprucht.

Pitt Herrmann

Credits

Regie

Drehbuch

Kamera

Schnitt

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie

Regie-Assistenz

Script

Drehbuch

Kamera

Kamera-Assistenz

Material-Assistenz

Optische Spezialeffekte

Licht

Außenrequisite

Innenrequisite

Schnitt

Schnitt-Assistenz

Ton-Design

Ton-Assistenz

Beratung

Spezialeffekte

Casting

Darsteller

Produzent

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Produktions-Assistenz

Dreharbeiten

    • 21.08.2007 - 05.10.2007: München; Bavaria-Atelier München-Geiselgasteig
Länge:
94 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

Uraufführung (DE): 25.06.2008, München, Filmfest;
TV-Erstsendung (DE): 10.12.2008, ARD

Titel

  • Schreibvariante (DE) Liesl Karlstadt und Karl Valentin
  • Originaltitel (DE) Liesl Karlstadt & Karl Valentin

Fassungen

Original

Länge:
94 min
Format:
16:9
Bild/Ton:
Farbe, Stereo
Aufführung:

Uraufführung (DE): 25.06.2008, München, Filmfest;
TV-Erstsendung (DE): 10.12.2008, ARD

Auszeichnungen

Filmfest München 2008
  • VFF TV Movie Award