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Vom Tag seiner Geburt an, dem 20. August 1968, ist das Leben von Klaus von politischen Ereignissen geprägt. Mit seinen Eltern wächst er in einem Plattenbau in der DDR auf, geht zu den Jungpionieren, macht Karriere bei der Stasi, rettet gar Erich Honecker das Leben. Er verliebt sich in die Dissidenten-Tochter Yvonne, verdirbt es sich jedoch zunächst mit ihr durch sein freimütiges Geständnis, für die Stasi zu arbeiten. Durch eine Verkettung von Zufällen ist Klaus schließlich beim Fall der Mauer ganz unmittelbar involviert - und sein Penis spielt dabei die entscheidende Rolle. Auf einem riesigen Tulpenfeld bei Amsterdam trifft er seine große Liebe Yvonne wieder und kann sie endlich in die Arme schließen.
Nach dem Roman von Thomas Brussig.
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So lernt Klaus Uhltzscht schon als Kind eines Stasi-Agenten und einer Hygiene-Inspektorin, dass die Welt in gute sozialistisch-kommunistische, also rote, und böse kapitalistisch-imperialistische, also blaue Länder aufgeteilt ist. Und dass es gilt, den Klassenfeind zu besiegen, mit welchen Mitteln auch immer. Was er sich so zu Herzen genommen hat, dass sich der etwas zu blasse, jedenfalls aber nicht gerade entscheidungsstarke junge Mann nach Beendigung der Schulzeit von den Organen der Staatssicherheit, kurz „Stasi“ genannt, anwerben lässt.
Am Ende laufen Klaus und Yvonne Anders, seine „Flamme“ seit frühesten Kindertagen, die er durch den Wegzug ihrer Eltern lange Zeit aus den Augen verloren hat, über ein Tulpenfeld in Holland, haben sich beide Probleme des Genossen Uhltzscht auf wundersame Weise gelöst...
Nach Leander Haußmanns „Sonnenallee“ ist Sebastian Petersons „Helden wie wir“ die zweite Verfilmung eines Roman-Bestsellers des prominenten (DDR-) Schriftstellers Thomas Brussig. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite Leander Haußmanns prominent besetzte Klamotte, die mit der ja durchaus ernsten Situation der geteilten Stadt Berlin „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“, so der Romantitel Brussigs, ungemein locker-flockig umging.
Auf der anderen Seite eine dermaßen biedere Verfilmung des 1995 erschienenen Romans, der sich in der ganzen Welt verkaufte und dessen kongeniale Dramatisierung nach der Uraufführung am Deutschen Theater Berlin (mit einem überragenden Götz Schubert) Mitte der 1990er Jahre landauf, landab auf den Spielplänen der deutschsprachigen Theater stand, dass man daran (ver-) zweifeln könnte, ob der Autor tatsächlich am Drehbuch mitgewirkt hat.
Was bereits mit der schier unaussprechlichen Haupt- und Kultfigur Klaus Uhltzscht beginnt. Die Rolle des retrospektiven Ich-Erzählers aus der Kindheits- und Jugend-Perspektive schafft im Medium Film naturgemäß Probleme. Zumal dieser Klaus U. als Mann (beinahe) ohne Unterleib auf der Leinwand erscheint. Den unverstümmelten Klaus U. gibt’s nur zwischen Buchdeckeln. Regie-Debütant Peterson, der 1967 in Hamburg geborene Student an der Babelsberger Filmhochschule wurde noch ohne Abschluss mit dem Fünf-Millionen-Budget betraut, hat es offenbar nicht gewagt, sich mit dem (Co-) Autor Brussig, der seinerzeit mit Leander Haußmanns „Sonnenallee“-Film hart ins Gericht gegangen war, anzulegen.
War „Sonnenallee“ ein durchkomponierter, spannender Spielfilm auf Kinoformat, ist „Helden wie wir“ dagegen ein dröges Mittelding aus Dokumentarstreifen und Fiktion in schlichter TV-Ästhetik. Immerhin sehr schön-nostalgisch auf Orwo-Material gedreht, das so recht den Eindruck nachträglicher Kolorierung erweckt und den tristen Arbeiter- und Bauernstaat noch trister macht. Bei allen amüsanten Szenen des Wiedererkennens ist Petersons Film selbst für ausgesprochene Brussig-Fans eine allzu trockene Angelegenheit, die mit der satirischen Schärfe der Vorlage nur noch den Titel gemein hat.
Die beiden Hauptrollen sind mit nahezu unbekannten Kino-Debutanten besetzt worden: Daniel Borgwardt (24) als durchaus sympathischer, jedenfalls Mitleid erregender Klaus U. und Xenia Snagowski (22) als dessen Kinderliebe und immer noch aktuelle Flamme Yvonne. Deren Beziehung im Film eine größere Rolle spielt als im Roman.
Dafür wirken bekannte und beliebte Defa-Schauspieler mit wie Udo Kroschwald als bei der Stasi tätiger Vater des Helden, Renate Krößner („Solo Sunny“) als Frau Lorenz, Klaus‘ Lehrerin, der Ost-Berliner Vorzeige-Indianer Gojko Mitić als Yvonnes Vater, Joachim Lätsch („Fariaho“, „Fallada – Letztes Kapitel“) als Stasioffizier Gollasch und Volkmar Kleinert („Wahlverwandtschaften“) als Stasi-Major Wunderlich. Kinostart war am 9. November 1999, dem 10. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer, Free-TV-Premiere am 5. Oktober 2002 auf Sat 1.
Pitt Herrmann