Eine dunkle Begierde

Großbritannien Deutschland Kanada 2010/2011 Spielfilm

Inhalt

Schweiz, Anfang des 20. Jahrhunderts. In seiner Klinik bei Zürich wendet der Mediziner Carl Gustav Jung die psychoanalytischen Untersuchungsmethoden des berühmten Sigmund Freud an. Dieser betrachtet Jung als eine Art Kronprinz. Eines Tages sucht die an Hysterie erkrankte Sabina Spielrein seine Hilfe. Im Lauf der Sitzungen vermischen sich bei Jung allmählich berufliche und private Leidenschaften: Er beginnt eine Affäre mit seiner schönen Patientin. Von Schuldgefühlen geplagt, sucht er ausgerechnet bei seinem prinzipientreuen Lehrmeister Freud Hilfe.

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Zürich, 1904. Eine hysterische junge Frau mit Schreianfällen wird in einer Kutsche zur idyllisch oberhalb des Zürichsees gelegenen Privatklinik Burghözli gebracht, wo sie der junge Assistenzarzt Carl Gustav Jung (brillant: Michael Fassbender als von seiner reichen Gattin wie von seiner attraktiven Patientin Getriebener) in Empfang nimmt. Für den bereits als Kapazität erklärten Schüler und naturgemäß glühenden Anhänger Sigmund Freuds wird die Begegnung mit dieser Frau, die immer wieder betont, nicht „verrückt“ zu sein, zu einer Prüfung.

Denn bei Sabina Spielrein handelt es sich nicht nur um die Tochter wohlhabender jüdischer Kaufleute aus Moskau, die selbst Ärztin werden will, sondern um eine außerordentlich schöne, ja verführerische Frau. Trotz der konvulsivischen Zuckungen ihrer krampfhaft verdrehten Gliedmaßen, die sie ebensowenig besiegen kann wie das nervöse Vorschieben ihres Unterkiefers. Der Psychoanalytiker Jung nimmt bei den Sitzungen, in denen er erstmals seine neue Gesprächstherapie anwendet, stets hinter seiner Patientin Platz auf einem stilvollen Thonet-Bugholzstuhl. Sie soll sich freier äußern können, wenn sie sich nicht unmittelbar mit dem Arzt konfrontiert fühlt. Die Methode hat Erfolg: Sabina wird umso ruhiger, je mehr sie sich dem Arzt öffnet. Sie spricht von Demütigungen, ja von Züchtigungen durch ihren Vater, der häufig die Beherrschung verloren hat.

Bei einem Besuch in Wien diskutiert Jung dreizehn Stunden am Stück mit Freud (zigarrepaffender Patriarch: Viggo Mortensen), der seinen Schüler ausdrücklich vor einer zu großen Nähe zu seiner Patientin warnt. Vergeblich: Obwohl mit Emma verheiratet und mehrfacher Vater beginnt Jung eine leidenschaftliche Affäre mit der dem äußeren Anschein nach zunehmend gesundenden Frau. Deren psychische Schäden jedoch irreparabel erscheinen: Sabina will gedemütigt, „bestraft“ werden durch Schläge, welche sie sexuell erregen und derer sie sich gleichzeitig schämt.

Mit dieser Liebesbeziehung hat Carl Gustav Jung nicht nur einen ärztlichen Ehrenkodex gebrochen, die ihm die Reputation als inzwischen selbständig tätiger Psychoanalytiker, Arzt und Wissenschaftler kosten könnte. Sondern, neben seinen Ausflügen in den Spiritismus, auch den Bruch mit Sigmund Freud provoziert: Erst nachdem anonyme Briefe in Wien kursieren, sagt sich Jung von seiner Patientin los. Doch Sabina Spielrein nimmt ihr Medizinstudium in Zürich wieder auf und wird gleichzeitig Patientin bei Freud in Wien...

„Eine dunkle Begierde“ nach Christopher Hamptons Theaterstück „The Talking Cure“ und dem Roman „A Most Dangerous Method“ von John Kerr ist zunächst einmal ein opulent ausgestatteter Kostümfilm mit dem Anspruch eines Zeitpanoramas des „alten Europa“ kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Diesen kann Regisseur David Cronenberg weder mit exquisiten Interieurs und Sehnsuchtsbildern des kakanischen Wien im Cinemascope-Format erfüllen noch mit seiner Fokussierung auf die im wahren Wortsinn narbenreiche Liebesgeschichte zwischen dem Arzt Jung und seiner Patientin Spielrein. Diese bis zur Übergabe ihrer Doktorarbeit 1910 in Zürich andauernde und für die gesamte Geschichte der Psychoanalyse folgenreiche Liaison, die den Bruch zwischen Freud und seinem Schüler Jung befördert, wächst sich beim kanadischen Regisseur zu einer veritablen Dreiecksgeschichte aus.

Zeitgeschichte wie der aufkommende Nationalsozialismus, der die Psychoanalyse als „jüdische Wissenschaft“ anfeindet, findet eigentlich nur im Abspann statt: Jung und Freud emigrieren in die USA und Sabina Spielrein, die als Ärztin und erste weibliche Psychoanalytikerin in Moskau gearbeitet und mit ihrer Theorie des destruktiven (Todes-) Triebes eigene wissenschaftliche Akzente gesetzt hat, wird 1942 in Rostow am Don von den Nazis als Jüdin umgebracht. David Cronenberg interessiert sich mehr für die begnadeten Körper seiner Protagonisten, besondere Erregung hat der nackte Hintern Keira Knightleys im angelsächsischen Boulevard ausgelöst, und die nostalgischen Wiener Interieurs von der Berggasse über das Café Sperl bis zum Oberen Belvedere als für die Abgründe der Seelen und die Abgründe der Seelen-Retter.

„Eine dunkle Begierde“, am 2. September 2011 in Venedig uraufgeführt und am 28. April 2014 im ZDF als Free-TV-Premiere ausgestrahlt, ist für eingefleischte Horror- und Cronenberg-Fans eine Enttäuschung: Der Regisseur von „Naked Lunch“ und „A History of Violence“ schockt weder durch Gewaltausbrüche noch durch breit ausgemalte Perversitäten. Im Gegenteil: die menschlichen Obsessionen von Patient und Arzt, hier spielt auch Vincent Cassel eine erstaunlich zurückgenommene Rolle als Otto Gross, hat Kameramann Peter Suschitzky einschließlich der unvermeidlichen SM-Szenen geradezu ästhetisch auf Zelluloid gebannt. Mit Jost Grix und Björn Geske gehören zwei Schauspieler des alternativen Bochumer Rottstr5Theater zum hochkarätigen Cronenberg-Ensemble – ersterer als Leonhard Seif und letzterer als Burghölzli-Pfleger, der es mit einer Szene, in der er Keira Knightley aus dem Zürichsee zieht, sogar in den Trailer geschafft hat.

Pitt Herrmann

Credits

Schnitt

Musik

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Licht

Szenenbild

Set Design

Storyboard

Zeichnungen

Außenrequisite

Innenrequisite

Schnitt

Musik

Darsteller

Synchronsprecher

in Zusammenarbeit mit

Produzent

Co-Produzent

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 26.05.2010 - 22.07.2010: Berlin, MMC Studios Hürth, Studio Babelsberg, Wien, Zürich, Inzigkofen
Länge:
2737 m, 100 min
Format:
35mm, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 06.10.2011, 129549, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (IT): September 2011, Venedig, IFF;
Kinostart (DE): 10.11.2011

Titel

  • Weiterer Titel (GB DE CA) A Dangerous Method
  • Weiterer Titel (DE) Eine gefährliche Methode
  • Arbeitstitel (GB DE CA) The talking cure
  • Originaltitel (DE) Eine dunkle Begierde

Fassungen

Original

Länge:
2737 m, 100 min
Format:
35mm, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 06.10.2011, 129549, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (IT): September 2011, Venedig, IFF;
Kinostart (DE): 10.11.2011

Auszeichnungen

FBW 2011
  • Prädikat: besonders wertvoll