Tabea Blumenschein

Darstellerin, Regie, Drehbuch, Bauten, Maskenbild, Kostümbild, Produzent
Rietheim Berlin

Biografie

Tabea Blumenschein wurde am 11. August 1952 als Tochter Banater Schwaben in Rietheim im Landkreis Tuttlingen geboren. Sie studierte Kunst in Konstanz und zog 1973 nach Berlin, wo sie zu einem "It-Girl" der Westberliner Kunst-, Kultur- und Punkszene avancierte.

1973 war sie als Schauspielerin in "Laokoon & Söhne" zu sehen. Gemeinsam mit Regisseurin Ulrike Ottinger arbeitete sie auch am Drehbuch, an Kostüm und Maske des Films mit, der Geschlechterverhältnisse und die Latenz des Faschismus thematisierte. In den nächsten sechs Jahren war sie an allen Projekten Ottingers beteiligt, 1978 etwa als "Madame X" in dem gleichnamigen Film, einer Koproduktion mit dem ZDF, die sich humoristisch mit dem Piratenfilm-Genre auseinandersetzte. Ihren Durchbruch schaffte Blumenschein mit "Bildnis einer Trinkerin" (1979), ihrem vorerst letzten Film mit Ottinger. An der Seite von Nina Hagen und Kurt Raab spielte sie die Hauptrolle der namenlosen "Sie": Die wohlhabende, elegante Frau geht nach Berlin und gibt sich dort, zusammen mit der "Trinkerin vom Bahnhof Zoo", dem Alkoholismus hin.

Nach "Bildnis einer Trinkerin" endete Blumenscheins "Ottinger-Ära" vorerst, dem queeren und experimentellen Film blieb sie jedoch treu. 1980 spielte sie eine Nebenrolle in "Taxi zum Klo", dem autobiographisch gefärbten Werk des schwulen Kultregisseurs Frank Ripploh.

Zwischen 1978 und 1982 realisierte Blumenschein vier Super 8-Kurzfilme als Produzentin, Regisseurin und teilweise auch Darstellerin. "Die Dollarprinzessin" (1978) feierte Premiere im Musikclub SO 36 in Berlin-Kreuzberg, präsentiert vom Künstler Martin Kippenberger, der auch für die musikalische Untermalung des Films zuständig war. Ein Jahr später folgte "Anti – Live – Force"; Blumenschein agierte wieder als Produzentin, Regisseurin und Darstellerin. Für den schwarz-weißen Kurzfilm "XY – Vorsicht Falle" (1980) engagierte sie Claudia Skoda und Gerhard Plez als Darsteller*innen, 1982 spielte sie in "Sportliche Schatten" neben Udo Kier selbst.

Im selben Jahr besetzte der Experimentalfilmer Werner Nekes sie in seinem collageartigen, von Homer und Joyce inspirierten Film "Uliisses". Außerdem verkörperte sie eine Hauptrolle in "Die Geschwister", ebenfalls ein Experimentalfilm, inszeniert von Gábor Bódy.

Nicht nur als Darstellerin, auch als Ausstatterin und Kostümbildnerin war Blumenschein aktiv. So war sie 1981 für das Szenenbild bei Walter Bockmayer und Rolf Bührmanns hochkarätig besetztem Schausteller-Drama "Looping – Der lange Traum vom kurzen Glück" und 1982 für die Kostüme zu deren Milieuballade "Kiez" verantwortlich. "Looping" wurde mit vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet – darunter auch für das beste Szenenbild. Außerdem soll Blumenschein Kleider für Andy Warhols Magazin "Interview" entworfen haben.

Nach Ralf Huettners Kurz-Spielfilm "In Afrika ist Muttertag" (1983) engagierte Ulrike Ottinger sie erneut für eines ihrer Projekte. In dem Spielfilm "Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse" spielte Blumenschein die Opernsängerin Andamana, in die sich der reiche Narzisst Dorian Gray verliebt.

1985 realisierte sie ihren ersten eigenen Langfilm: "Zagarbata" handelt von einem Skinhead, der ein Tanzgirl liebt, und ist eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation über die damalige Skinhead-Szene. Der auf Super-8 gedrehte Film wurde in den Medien öfter als "Böhse Onkelz Film" zitiert, weil die Anfangssequenz vier Minuten Konzertmaterial der umstrittenen Band zeigt. In den folgenden Jahren wurde es still um Blumenschein.

Tabea Blumenschein war ein Multitalent. So war sie neben Filmen aus dem experimentellen Genre auch in der Musikszene, als Malerin und Kostümbildnern bekannt und zeichnete sich dabei immer durch ihre extravagante Art aus. In ihrer Kunst thematisierte sie vor allem Themen der queeren und feministischen Community, noch bevor es Begriffe wie "queer" im allgemeinen Sprachgebrauch gab. Mit ihrer damaligen Freundin posierte sie für das "Stern"-Cover zum Thema "Frauen lieben Frauen". In ihren Modezeichnungen rückte sie gehandicapte Menschen in den Vordergrund und nahm so die Bewegung der Bodypositivity vorweg. Außerdem gehörte sie zum Künstler- und Punk-Band-Kollektiv "Die tödliche Doris", für das sie zuletzt 31 Vibrator-Zeichnungen für die Platte "Reenactment" (2019) beisteuerte. Sie kann als eine Vorgängerin der "Riot Grrrl"-Bewegung gesehen werden. 

In den 90ern lebte Blumenschein, die zu Beginn ihrer Karriere in einer Berliner Altbauvilla wohnte, zeitweise in einem Obdachlosenheim. Später zog sie in eine kleine Wohnung in das Plattenbauviertel Marzahn.

Im Alter von 67 Jahren starb die Künstlerin Anfang 2020 in Berlin.

FILMOGRAFIE

1984/1985
  • Regie
  • Drehbuch
  • Produzent
1982
  • Darsteller
  • Regie
  • Produzent
1982
  • Darsteller
1982
  • Kostüme
1980-1982
  • Darsteller
1980
  • Regie
  • Produzent
1980
  • Darsteller
1979
  • Darsteller
  • Regie
  • Produzent
1979
  • Darsteller
  • Kostüme
  • Produzent
1978
  • Darsteller
  • Regie
  • Produzent
1977/1978
  • Darsteller
  • Ausstattung
  • Kostüme
  • Maske
  • Produzent
1975
  • Darsteller
  • Drehbuch
  • Kostüme
  • Maske
1972/1973
  • Darsteller
  • Drehbuch
  • Kostüme
  • Maske