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Berlin, zur Zeit der Nazi-Herrschaft. Die junge Musikschülerin Ursula ist eine begeisterte Musikerin und eine ebenso glühende Bewunderin des "Führers". Als sie den Auftrag erhält, den bekannten Komponisten Broch bei der Komposition einer Kantate zu Hitlers 50. Geburtstag zu unterstützen, scheint für sie ein Traum in Erfüllung zu gehen. Mit der Zeit entspinnt sich zwischen Broch und Ursula eine zarte Liebe, und durch den ehemaligen Kommunisten bekommt die stramme Nazi-Braut allmählich einen anderen Blick auf die Geschehnisse in Nazi-Deutschland. Broch hingegen gerät durch die Liebe zu der Nationalsozialistin Ursula in einen schweren Gewissenskonflikt.
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Broch ist Professor für Komposition an der Berliner Musikhochschule und als Linker, er gehörte einst der Kommunistischen Partei an, ein Mann der Moderne. Kein Wunder, dass seine Werke nach 1933, also seit der sog. „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten, so gut wie gar nicht mehr öffentlich aufgeführt werden. Broch hat sich aber seit Jahren nicht mehr politisch betätigt und bekommt jetzt den Auftrag, eine Kantate zum 50. Geburtstag Hitlers zu schreiben. Er sagt zu und hofft, ins gesellschaftliche wie ins musikalische Leben der Reichshauptstadt zurückkehren zu können und damit auch zu erreichen, dass seine von der „Kammer“ gesperrte Oper endlich aufgeführt werden kann.
Ursulas fanatische Bewunderung für Hitler will so gar nicht zum Frauenideal der Nazis passen. Sie will weder heiraten noch eine Familie gründen und alles andere sein als eine Gebärmaschine für des Reichskanzlers Weltmachtträume. Ursula, die emanzipierte Frau, will Komponistin werden, will ihrem großen Vorbild Hanns Broch nacheifern. Mit dem sie in sein finnisches Landhaus fährt, um an der „Hitler-Kantate“ zu arbeiten. Zwei leidenschaftliche Menschen geraten in einen Kampf um Ideologien, Gefühle, Moral und Musik. Die Liebesbeziehung, die daraus entsteht, ist tief gefärbt von ambivalenten Gefühlen, Eifersucht und der Angst vor Verrat. Ursula wird getrieben von ihrer Sehnsucht nach einem Ersatz für ihren Vater, den sie nie gekannt hat.
Broch, der selbst an die jüdische Sängerin Alma gebunden ist, fühlt sich schuldig und ist wütend auf sich selbst wie auf diese junge Frau, die für ihn die nationalsozialistische Versuchung schlechthin verkörpert. Die Kantate bleibt unkomponiert, und alles spitzt sich zu, als zuerst Ursulas Verlobter, der inzwischen beim Sicherheitsdienst in Heydrichs SS arbeitet, und dann Brochs jüdische Lebensgefährtin auftauchen.
Ursula wird von Broch, der zwischen den beiden Frauen steht, verraten. Sie flieht zurück nach Berlin, wo Gottlieb inzwischen an Plänen zur „Endlösung“ der Judenfrage arbeitet. Und Ursula, einst linientreue Antisemitin, wird nicht nur Zeugin, mit welcher Angst Juden in Deutschland leben, sondern muss auch erfahren, dass sie selbst nicht dem „Herrenvolk“ angehört, auf das sie so stolz war. Als sie mit einer jungen Jüdin konfrontiert wird, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht, muss sich erweisen, für welche Seite sie sich entscheidet...
„Hitlerkantate“ ist ein aufwendig inszenierter (Kostüm-) Film über bedingungslose Hingabe: an die Musik – und an Adolf Hitler. Vor allem aber ist er gut gemeint, und das ist einmal mehr der Gegensatz zu gut gemacht: Die Figurenkonstellation scheint Jutta Brückner, Professorin an der HdK Berlin (heute: Universität der Künste), ebenso am Reißbrett entworfen zu haben wie die ungeheure Themenfülle, die für gleich mehrere Filme gereicht hätte. Was mich heute stutzig macht, mir aber die Erklärung fehlt: Ursula Scheuner ist zwanzig Jahre später auch der Rollenname der Tochter in Jutta Brückners jüngstem Spielfilm „Im Spiegel meiner Mutter“ (2026), der nach „Tue recht und scheue niemand“ (1975) und „Hungerjahre“ (1980) eine offenbar durchaus autobiographisch grundierte Mutter-Tochter-Trilogie abschließt.
Pitt Herrmann