Hans Ertl

Darsteller, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Sonstiges, Produzent
München Chiquitania, Santa Cruz, Bolivien

Biografie

Hans Ertl wurde am 21. Februar 1908 in München geboren. Nach eigener Aussage entdeckte er schon im Kindes- und Jugendalter seine Liebe zum Bergsteigen und zur Fotografie. Beeinflusst wurde Ertl sowohl in seiner Naturverbundenheit als auch in seinen politischen Ansichten von der Bündischen Jugendbewegung, die sich vor allem in den frühen Jahren der Weimarer Republik bei Jugendlichen großer Beliebtheit erfreute. Zu Beginn der 1930er-Jahre avancierte Ertl zu einem der bekanntesten deutschen Bergsteiger und machte mehrere äußerst anspruchsvolle Aufstiege in den Ortler-Alpen. Die von ihm verwendeten Routen tragen auch heute noch seinen Namen.

Zum Film kam Ertl 1932, als er vom Berg- und Naturfilmpionier Arnold Fanck für dessen Film "SOS Eisberg" engagiert wurde. Bei dem in Grönland und den Schweizer Alpen gedrehten Film fungierte Ertl als Stuntdouble. Am Set lernte er außerdem Leni Riefenstahl kennen, die die weibliche Hauptrolle übernahm und in seiner weitere filmischen Karriere eine große Rolle spielen sollte. Auch bei seiner Teilnahme an einer internationalen Himalaya-Expedition, bei dem ihm die Besteigung des Sia Kangri gelang, drehte er gemeinsam mit Richard Angst und Fritz von Friedl Aufnahmen für den Spielfilm "Der Dämon des Himalaya" (CH, DE 1935). In diesem Film wirkte Ertl auch als Darsteller mit. 

Die Machtübernahme des Nationalsozialismus tat Ertls Filmkarriere keinen Abbruch, hatte er doch durch seine Arbeit an "SOS Eisberg" gute Kontakte zu regimenahen Figuren wie Riefenstahl und Ernst Udet. Riefenstahl schätzte Ertls Fähigkeiten als Kameramann und engagierte ihn für mehrere ihrer propagandistischen Großprojekte. Seine bedeutendste Arbeit lieferte er im Zweiteiler "Olympia" (DE, 1936-1938). Hier experimentierte er mit neuartigen Kameraeinstellungen und schuf so Aufnahmen, die zur damaligen Zeit äußerst innovativ waren. Nach einigen anderen Filmarbeiten im nationalsozialistischen Deutschland wurde Ertl mit Beginn des Zweiten Weltkriegs von der "Abteilung für Wehrmachtspropaganda" eingezogen und als "Kriegsberichterstatter" in Frankreich, Nordafrika und der Sowjetunion eingesetzt. 

Nach dem Ende des Krieges und kurzer britischer Kriegsgefangenschaft war Ertl Fotoreporter für die Illustrierte "Quick", ehe er mit "Nanga Parbat 1953" (BRD, 1953) zum Bergsteigen und Filmemachen zurückkehrte. Hier führte Ertl nicht nur die Kamera, sondern erstmals auch Regie in einem Langfilm und schrieb das Drehbuch. Der Film erhielt bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 1954 eine "Lobende Anerkennung". 

Mitte der 1950er-Jahre wanderte Ertl mit seiner Familie nach Bolivien aus und blieb dort bis an sein Lebensende. Hier drehte er den Expeditionsfilm "Vorstoß nach Paititi" (BRD, BO 1956) sowie, gemeinsam mit seiner ältesten Tochter Monika, den Dokumentarfilm "Hito Hito" (BRD, BO 1958) über den bis dahin unbekannten indigenen Stamm der Siriono, der mittlerweile ausgestorben ist.

1959 wurden bei einem Unfall sämtliche Aufnahmen für Ertls nächstes geplantes Filmprojekt zerstört, seine Bemühungen zur weiteren Finanzierung des Projekts scheiterten. Daraufhin verkaufte Ertl seine gesamte Filmausrüstung und beendete seine Karriere als Filmemacher. Von da an betätigte er sich als Landwirt und Rinderzüchter.

Hans Ertl starb am 23. Oktober 2000 im Alter von 92 Jahren auf seiner Farm in der bolivianischen Region Chiquitania.