Bei der großen Award Ceremony der Internationalen Hofer Filmtage wurden am Freitagabend, 23. Oktober, insgesamt neun Filmpreise im Gesamtwert von 57.500 Euro vergeben. Die Preise würdigen dabei nicht nur herausragende filmische Leistungen, sondern auch die kreative Arbeit hinter der Kamera, den Mut zu neuen Erzählformen und das Engagement für die Zukunft des Films.
Folgende Filmpreise wurden vergeben:
Friedrich-Baur-Goldpreis 2026 geht an Marleen Valien für ihren Film "Paradeisa".
Begründung von Nicolette Krebitz, Mentorin des diesjährigen Preises: "Von erstaunlich leichter Hand erzählt die Regisseurin vom Tod, vom Entstehen eines Kunstwerks und von Sehnsucht nach Liebe und Familie. Durch die Augen ihrer elfjährigen Protagonistin Lou bleibt der Film immer in Bewegung, im Fluss der Dinge, und kommt nur dann zum Stehen, wenn Lou kurz durchatmen muss, weil sie wahrscheinlich gerade etwas erlebt hat, das sie für ihr Leben prägen wird."
Der Friedrich-Baur-Goldpreis 2026 wurde von Dr. Otmar Fugmann, Geschäftsführer der Stiftung, übergeben. Der Preis wird von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in memoriam Heinz Badewitz vergeben. Er ist Deutschlands höchstdotierter Regie-Nachwuchspreis: ein zertifizierter Goldbarren im aktuellen Wert von ca. 35.000 Euro, plus ein Jahr Mentoring. Gewürdigt wird die Regie eines ersten Spielfilms deutscher Produktion - gestiftet von der Friedrich-Baur-Stiftung.
Granit – Hofer Dokumentarfilmpreis 2026 geht an Alisa Kolosova und Grigory Shklyar für ihren Film "Wie erinnern".
Die Begründung der Jury: "Der Film vereint mit präzisem dramaturgischen Gespür ihre Stimmen zu einem eindringlichen Chor der Erinnerung, der bis in unsere Gegenwart reicht und uns wachrüttelt. Mit einer stimmigen und feinfühligen Bildgestaltung nähern sich Alisa Kolosova und Grigory Shklyar ihren hochbetagten Zeitzeugen und verleihen ihnen dadurch Strahlkraft und Würde. Eine Ode an das Leben und die Menschlichkeit."
Eine lobende Erwähnung sprach die Jury für den Film "Kan Kardeşi – Those in between" von Esra Laske aus: "Die Regisseurin Esra Laske hat sich ihren Protagonisten mit großer Behutsamkeit genähert und ein bemerkenswertes Vertrauen aufgebaut. Ihre Kamera ist so nah an ihnen, dass wir in ihre Lebenswelt regelrecht miteintauchen. Für diese einfühlsame, vielschichtige und zutiefst menschliche filmische Arbeit verleihen wir an Lobende Erwähnung."
In der Jury waren die Regisseurinnen Doris Metz und Miriam Pucitta sowie Faek Falak, Produzent und Regisseur. Dr. Gisela Strunz. Geschäftsführerin der in Hof ansässigen Hermann und Bertl Müller Stiftung vergab den mit 7.500 Euro dotierten Preis (seit 2015) für den besten langen Dokumentarfilm aus deutscher, schweizer oder österreichischer Produktion an die Preisträger.
Jury-Kurzfilm der Stadt Hof 2026 geht an Christoph Schwarz für seinen Film "All Buildings Are Beautiful".
Die Begründung der Jury: "Uns war dieser Film herausragend in der Gestaltung seiner Bilder, des Tons und auch der Musik. So ist es dem Regisseur gelungen, etwas zum Leben zu erwecken, von dem wir nicht unbedingt Lebendigkeit erwarten würden. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handele sich um ein Gebäude, aber je länger wir zugeschaut haben, umso mehr haben wir wahrgenommen, wie viel Leben sich in Architektur ansammeln kann."
In der Jury: Géraldine Byrant, The Bureau Sales, Alexandra Gramatke, Kurzfilm Agentur, Hamburg und Davis Füssgen, Regisseur und Produzent. Den Preis übergab Stefan Schmalfuß, Oberbürgermeister der Stadt Hof. Der Jury-Kurzfilmpreis der Stadt Hof wird an eine herausragende Regiearbeit verliehen und ist mit 2.500 Euro dotiert.
Pharos Shiver Screen Award 2026 geht an Alexander Peskador für seinen Film "Dosenmutter".
Begründung der Jury: "Besonders überzeugend ist die präzise Inszenierung: Das Timing stimmt, die Dialoge sind trocken, pointiert und treffsicher, die Besetzung ist hervorragend. Mit immer neuen, originellen Wendungen treibt der Film seine absurde Prämisse konsequent auf die Spitze, steigert sich bis zu einem bitterbösen Finale und offenbart dabei eine eigenständige filmische Handschrift, von der wir in Zukunft noch viel erwarten dürfen."
In der Jury: Regisseurin und Schauspielerin Saralisa Volm, Regisseurin Tini Tüllmann und Produzent und Autor Benjamin Munz. Der Pharos Shiver Screen Award wird vergeben von The Playmaker Munich und Pharos – The Post Group und geht an einen Kurzfilm oder ersten oder zweiten Langspielfilm aus den Bereichen Thriller, Horror, Action, Science-Fiction, etc. Er ist mit 2.500 Euro dotiert und international ausgerichtet. Ergänzt wird der Preis um ein Mentoring mit einer Option auf Weltvertriebsrechte durch The Playmaker Munich.
Bild-Kunst-Förderpreis 2026 - Szenenbild geht an Teresa Berner und Felicitas Antonia Püls für "Paradeisa" von Marleen Valien.
Begründung der Jury: "Die Künstlerinnen haben es uns leicht gemacht, durch das lebendige Chaos mit liebevollen Details in die kontrastreiche Innen- und Außenwelt von 'Paradeisa' einzutauchen."
Bild-Kunst-Förderpreis 2026 - Kostümbild an Flora Hogrefe für "Frutti di Mare".
Begründung der Jury: "In dieser Geschichte über Aufbruch, Abschied und Abgrenzung hat Flora mit ihren Kostümen die Eigenheiten der Charaktere mit viel Humor und Detailfreude herausgearbeitet."
In der Jury: Inga Zink, Franziska Pohlmann, Julia Kneusels, Maike Kiefer, Julia Bonelli. Der Bild-Kunst Förderpreis ist eine Auszeichnung für das Beste Kostümbild und das Beste Szenenbild. Vergeben wird der Preis vom Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e.V. (VSK). Beide Preise sind mit je 2.500 Euro dotiert.
Planet Rebels Award 2026 – be inspired to unf*ck the future geht an Salomée Stévenin für ihren Film "Nos âmes libres".
Begründung der Jury: "Unser Gewinnerfilm beginnt leise. Eine Frau begibt sich auf eine Reise. Eine echte Reise – durch verschiedene Länder und Elemente hindurch. Und zugleich eine innere Reise. Schritt für Schritt wandelt sich ihre Wahrnehmung der Umgebung. Sie lernt zuzuhören. Sie schließt Frieden. Sie begreift sich als Teil der Natur. Es ist eine vielschichtige Geschichte, die auf poetische Weise erzählt wird. Tief persönlich, dicht und emotional. Sie lässt Menschen zu Wort kommen, die bereits über jene Fähigkeiten verfügen, die unsere Zukunft brauchen wird."
In der Jury: Juliane Block, Green Consultant Film & TV Sowie Transformationsmanagerin, Judith Niemeyer, Vorstandsmitglied Berufsverband Green Consultants Film & TV, Luca Dülligen, Regisseur und Friedrich-Baur-Goldpreis-Gewinner 2024. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Er wird gestiftet von der Oberfrankenstiftung und steht für ökologische Verantwortung und nachhaltiges Filmschaffen sowie für Geschichten, die inspirieren und Wandel gestalten.
Hofer Kritikerpreis 2026 - Beste Regie und Beste Produktion gehen an Marleen Valien für ihren Film "Paradeisa" wie an Kurhaus Production Film & Medien Gmbh – Daniel Reich, Julius Wieler, Christoph Holthof und Tristan Schneider.
Begründung der Jury: "'Paradeisa' bewegt sich elegant zwischen Komödie und Coming-of-Age-Drama. Der spielerische und zugleich reduzierte Einsatz von Animation macht Lous Gefühlswelt sichtbar, ohne sie zu banalisieren. Dazu kommt eine eigenständige Bildsprache, die den Film formal prägt. Die Jury würdigt ebenso die Entschlossenheit des Produzententeams, die der jungen Regisseurin den Freiraum gegeben haben, ihre Vision zu verwirklichen."
In der Jury: Silvia Posavec, Schweiz, Marina D. Richter, Wien und Rolf Rüdiger Hamacher, Köln. Der Hofer Kritiker Preis wird an ein Langspielfilmdebüt aus Deutschland, Österreich, oder der Schweiz vergeben. Mit der Auszeichnung werden ein*e Regisseur*in und eine Produktionsfirma gewürdigt, die kreativ innovative Wege gehen und/oder gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen.
Bereits am Donnerstag, 26. Oktober, wurden in Hof zwei bedeutende Auszeichnungen verliehen: Der Förderpreis Neues Deutsches Kino 2026 und der Filmpreis der Stadt Hof 2026. Beide Preise stehen für die Förderung herausragender Filmschaffender und die besondere Rolle der Internationalen Hofer Filmtage als Ort filmischer Entdeckungen.
Den Auftakt des Preisabends bildete die Verleihung des Förderpreis Neues Deutsches Kino 2026. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für den Besten Film geht in diesem Jahr an den Film:
"Neda" von Ashkan Najafi
Der Film handelt von einer iranischen Dolmetscherin, die in Deutschland auf ihren ehemaligen Folterer trifft, der nun selbst Asyl sucht. Zwischen beruflicher Pflicht und dem Streben nach Gerechtigkeit muss sie entscheiden, wie weit sie gehen will.
Die Jury, Sönke Wortmann (Regisseur, Filmproduzent und Autor), Johann Buchholz (Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent) sowie Jane Chirwa (Schauspielerin), begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: "Der Film verlangt etwas sehr Schweres von uns: Mitgefühl für einen Menschen zu haben, ohne zu verharmlosen, was er getan hat. Damit geht der Film in die Graubereiche. Er zeigt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern versucht, mit all dieser Komplexität umzugehen. Und das hat uns so berührt."
Regisseur Ashkan Najafi widmete den Preis "allen mutigen Menschen im Iran, die es verdient haben, in Freiheit zu leben".
Der Förderpreis Neues Deutsches Kino wird seit 2012 im Rahmen der Internationalen Hofer Filmtage an Filmschaffende für ihren ersten bis dritten langen Spielfilm deutscher Produktion vergeben. Gestiftet wird der Preis von Bavaria Film, dem Bayerischen Rundfunk und der DZ Bank.
Der Filmpreis der Stadt Hof 2026 wird seit 40 Jahren verliehen und geht in diesem Jubiläumsjahr an die Schauspielerin Hannah Herzsprung.
Regisseur Chris Kraus würdigte das Schaffen Hannah Herzsprungs mit einer sehr bewegenden und persönlichen Laudatio. Mit der Auszeichnung zeichnet die Stadt Hof herausragende Filmschaffende aus, deren künstlerischer Weg und Wirken in besonderer Weise mit den Internationalen Hofer Filmtagen verbunden sind. Hannah Herzsprung zählt zu den vielseitigsten und erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands. Die in Hamburg geborene Künstlerin hatte ihre erste große Rolle in dem Film "Vier Minuten" von Chris Kraus, der 2006, vor genau zwanzig Jahren, Premiere bei den Filmtagen hatte. Zehn Jahre später kehrten Hannah Herzsprung und Regisseur Chris Kraus nach Hof zurück, um bei den 50. Internationalen Hofer Filmtagen die Weltpremiere ihres Films "Blumen von gestern" zu feiern. 2023 eröffnete Chris Kraus' Film "15 Jahre", die Fortsetzung von "Vier Minuten", die 57. Internationalen Hofer Filmtage.
"Hof ist der Geburtsort meiner Schauspielkarriere. Hier hat alles angefangen", so Hannah Herzsprung. Hannah Herzsprung verbindet eine besonders enge Beziehung mit den Internationalen Hofer Filmtagen. Das Festival war früh ein wichtiger Wegbereiter ihrer Karriere und erwies sich als bedeutende Bühne für ihren künstlerischen Werdegang. Insgesamt war sie bislang mit sechs Filmen in Hof vertreten. Für ihre schauspielerischen Leistungen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen und den Bayerischen Filmpreis. Derzeit ist sie in dem dystopischen Drama-Thriller "Corpus Delicti" nach der gleichnamigen Romanverfilmung von Juli Zeh im Kino zu sehen.
Informationen zu den Filmen finden Sie unter app.hofer-filmtage.com.
Quelle und weitere Informationen zu den Internationalen Hofer Filmtagen: www.hofer-filmtage.com