Deutsche Produktionen und Koproduktionen erneut zahlreich in Cannes vertreten

Von 12. bis 23. Mai 2026 ist die Croisette wieder ganz im Zeichen der Cineasten und Filmschaffenden, wenn die 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes stattfinden. Aus deutscher Sicht sind auch in diesem Jahr zahlreiche Filme vertreten. Sowohl im Wettbewerb als auch in den weiteren Sektionen laufen Filme mit deutscher Beteiligung, die mit Spannung erwartet werden. 

 

"Das Kino befindet sich in einem Zustand ständiger Erneuerung. Man spürt, dass die Künstler und Filmemacher:innen mit ganzem Herzen dabei sind", sagte Festivaldirektor Thierry Frémaux im Vorfeld der Filmfestspiele. "Die Werte des Festivals sind klar: Wir stehen für kreative Freiheit, den Glauben an die menschliche Schaffenskraft und das Festhalten und den absoluten Glauben an das Kino." Bereits am vergangenen Donnerstag verkündeten Festivalpräsidentin Iris Knobloch und Festivaldirektor Thierry Frémaux das offizielle Line-up in den Hauptkategorien. In den vergangenen Tagen wurde das Programm in den weiteren Sektionen veröffentlicht.

In der Wettbewerbskategorie In Competition wird Valeska Grisebachs "Das geträumte Abenteuer" laufen. Das Drama spielt in der Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Dort lässt sich eine Frau auf einen Handel ein, um einem alten Bekannten zu helfen. Sie folgt dem Helden in sein Abenteuer und betritt gefährliches Terrain, auf dem sie nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch mit ihrem Begehren konfrontiert wird.

Bei Pawel Pawlikowskis "Vaterland", der ebenfalls im Wettbewerb läuft, ist die deutsche Produktionsfirma Nine Hours beteiligt. In der Biografie spielen die deutschen Schauspieler:innen Hanns Zischler und Sandra Hüller Thomas und Erika Mann, die sich während des Kalten Krieges auf eine Reise durch Deutschland begeben. 
Zudem konkurrieren die minoritär deutschen Koproduktionen "All of a Sudden" von Ryûsuke Hamaguchi, "Gentle Monster" von Marie Kreutzer und "Minotaur" von Andrey Zvyagintsev um die Goldene Palme.

Der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff kehrt nach Cannes zurück. Sein Film "Heimsuchung" feiert in der Sektion Cannes Première Weltpremiere. Im Drama geht es um ein malerisches Grundstück an einem See nahe Berlin. Der Ort ist Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer:innen und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von den historischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts geprägt sind. 

"I'll Be Gone in June" ist Katharina Rivilis’ Debüt als Spielfilmregisseurin. Ihr Roadmovie, das in der Sektion Un Certain Regard läuft, dreht sich um die 16-jährige Franny, die kurz nach 9/11 ein Austauschjahr in den USA verbringen soll. Statt nach New York kommt sie in das einsame New Mexico, wo sie Elliott kennenlernt, bevor sie wieder zurückmuss. "Elefanten im Nebel" von Abinash Bikram Shah, ebenfalls in Un Certain Regard, erzählt von Pirati, der Matriarchin einer Gemeinschaft von Kinnar-Frauen in einem nepalesischen Dorf, die sich zwischen persönlichem Glück und Verantwortung entscheiden muss.

In der Sektion ist außerdem eine weitere Produktion mit 50 Prozent deutscher Beteiligung programmiert. "Everytime" von Sandra Wollner ist ein Familiendrama, in dem eine Mutter und ihre Tochter versuchen, bei einem Urlaub auf Teneriffa den Tod einer weiteren Tochter zu verarbeiten, bis Vergangenheit und Gegenwart langsam verschwimmen.

Auch in der Quinzaine des Cinéastes läuft ein zu 50 Prozent deutsch produzierter Film, der Kurzfilm "Daughters of the Late Colonel" von Elizabeth Hobbs. Darin geht es um zwei Schwestern mittleren Alters, die nach dem Tod ihres jähzornigen und herrischen Vaters ratlos sind, bis ein unerwarteter Besucher neuen Lebensmut weckt.

Ein weiterer deutscher Kurzfilm ist in der Semaine de la Critique vertreten. In "Vaterland oder Ein Bule Namens Yanto" von Berthold Wahjudi geht es um den Deutsch-Indonesier Yanto, der zu seiner Schwester nach Yogyakarta reist. Es entwickelt sich eine Geschichte über Geschwister, Heimat und Zugehörigkeit zwischen Deutschland und Indonesien.

Parallel zum Festival hat German Films drei Produzent:innen eingeladen, am Producers Network Programm in Cannes teilzunehmen. Das Producers Network begrüßt mehr als 400 Produzent:innen aus der ganzen Welt zu einer Reihe von Treffen und einzigartigen Veranstaltungen, die speziell darauf ausgerichtet sind, Möglichkeiten zum Aufbau eines Netzwerks zu schaffen und internationale Koproduktionsprojekte auf den Weg zu bringen. Aus Deutschland nehmen Balthasar Busmann (Amerikafilm), Verena Gräfe-Höft (Junafilm) und Saralisa Volm (Poison) teil.

German Films wird in diesem Jahr ebenfalls wieder in Cannes vor Ort sein. Der German Pavillon (Village International Riviera, Pavillon 128), in Zusammenarbeit mit der FFA, BKM und Focus Germany (FilmFernsehFonds Bayern (FFF), Film- und Medienstiftung NRW, Hessen Film & Medien, Medienboard Berlin-Brandenburg, MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, MV Filmförderung und nordmedia - Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen) soll auch in diesem Jahr wieder für Filmemacher:innen als Plattform zum Treffen und Austausch dienen.

Alle deutschen Produktionen und Koproduktionen in Cannes im Überblick:

In Competition
"All of a Sudden" von Ryûsuke Hamaguchi (FR/JP/DE/BE, Heimatfilm)
"Vaterland" von Pawel Pawlikowski (PL/DE/IT/FR, Nine Hours)
"Gentle Monster" von Marie Kreutzer (AT/DE/FR, Komplizen Film)
"Minotaur" von Andrey Zvyagintsev (FR/DE, Razor Film Produktion)
"Das geträumte Abenteuer" von Valeska Grisebach (DE/FR/BG/AT, Komplizen Film, New Matter Films)

Cannes Première
"Heimsuchung" von Volker Schlöndorff (Ziegler Film, Volksfilm, STUDIOCANAL, Studio Babelsberg, Mideu Films)

Un Certain Regard
"Elefanten im Nebel" von Abinash Bikram Shah (NP/DE/FR/BR/NO, Die Gesellschaft DGS, Zischlermann Filmproduktion)
"Everytime" von Sandra Wollner (AT/DE, The Barricades)
"I’ll Be Gone in June" von Katharina Rivilis (DE/CH, Road Movies, Wolfskind Films)

Quinzaine des Cinéastes
"Gabin" von Maxence Voiseux (FR/DE/CH, AMA FILM)
"Daughters of the Late Colonel" von Elizabeth Hobbs (UK/DE, Fabian&Fred)

Semaine de la Critique
"The Station" von Sara Ishaq (JE/JO/FR/DE/NL/NO/QA, One Two Films)
"Nafron" von Daood Alabdulaa (SY/DE)
"Vaterland oder Ein Bule Namens Yanto" von Berthold Wahjudi (DE/ID, madfilms, University of Television and Film Munich)
"City of Owls" von Zhenia Kazankina (FR/DE/IT, Eversince)

Quelle: www.german-films.de/