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An einem Filmset warten alle Beteiligten auf die Hauptdarstellerin – doch diese erscheint einfach nicht und zunächst weiß niemand, wo sie steckt. Schließlich stellt sich heraus, dass sie tot ist. Trotz des Schocks macht die Crew weiter, der Produzent besetzt die Rolle kurzerhand mit einer Praktikantin. Unglücklicherweise ist die jedoch nicht besonders schauspielbegabt und muss zudem ständig zwischen der realen und der Film-Welt wechseln, um neben ihrer Rolle auch ihren Job als Praktikantin auszufüllen. Bald gelingt es kaum mehr, zwischen den beiden Ebenen zu unterscheiden. Nicht nur am Filmset breitet sich Chaos aus, auch die Handlung des Films wird immer aberwitziger.
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Da passt es gerade ganz gut, dass die schwerkranke Unternehmerin, nur noch ein Schatten ihrer selbst, dringend nach einem Geschäftsführer sucht, der sie entlasten, vielleicht sogar in absehbarer Zeit ihre Nachfolge antreten soll. Kaspar Schellenberg gehört zu den Bewerbern, die sich bei Amine vorstellen, bei ihr aber trotz nachgewiesener beruflicher Erfolge keinen sonderlichen Eindruck hinterlassen. Da ist Daniel Strübel schon von anderem Kaliber, der lieber mit ihr durch den weitläufigen Garten der hochherrschaftlichen Familienvilla streift und jede Menge Pflegetipps gibt, als solle ein neuer Gärtner eingestellt werden.
Emilys Kalkül scheint aufzugehen, denn Daniel bekommt nicht nur den Job und wird in die feine Gesellschaft eingeführt, er darf auch bald am Familientisch speisen. Sehr zum Unmut des befreundeten Arztes Heinrich Ludowsky, dessen Misstrauen geweckt ist, als der vorgebliche Harvard-Absolvent in starke Erklärungsnot gerät. Es schlägt bald in Eifersucht um, als sich Amine und Daniel auch privat näherkommen. Was übrigens auch Emily längst nicht mehr so cool hinnimmt...
Lola Randls Spielfilm beginnt mit einer Beerdigung und den Statements einiger Schauspieler zum überraschenden Tod Maria Kwiatkowskys. Bereits hier vermischen sich Dokumentation und Fiktion, denn das am 23. April 1985 in Berlin geborene vielversprechende Talent, „Leopard“ 2004 in Locarno für ihre Rolle der „Alice“ in Ayse Polats Film „En Garde“ und, als Mitglied im Ensemble Frank Castorfs an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, „Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2010“ in der „Theater heute“-Kritikerumfrage, hat sich am 4. Juli 2011 in Berlin durch eine Überdosis Kokain vermutlich selbst das Leben genommen.
So mussten die Dreharbeiten jäh abgebrochen werden. Nach ihrem Spielfilmdebüt „Die Besucherin“, 2008 auf der Berlinale uraufgeführt, entstand zunächst 2012 Lola Randls zweiter Film „Die Libelle und das Nashorn“ mit Mario Adorf und Fritzi Haberlandt – während der Drehpause zu „Die Erfindung der Liebe“. Erst danach ging das Team daran, die unvollendete Komödie umzubauen, sozusagen einen neuen Film aus dem alten zu erschaffen. Und die Entstehungsgeschichte zu integrieren.
„Die Erfindung der Liebe“, am 9. September 2015 in der ARD erstausgestrahlt, ist zart und radikal zugleich. Der Film ist ein Requiem auf eine aufstrebende junge Schauspielerin mit einem sehr markanten Gesicht. Er ist ein emotionales Making-of und ein Film-im-Film-Puzzle, dessen Teile sich erst allmählich zu einem Ganzen fügen. Und dieses Ganze offenbart die Leidenschaft wie das Leiden der Filmemacher, verkörpert etwa durch Sebastian Weber als tapfer in der Badewanne gegen seine Schreibblockade kämpfender Autor, durch Mira Partecke als immer wieder überforderte Regisseurin, durch Jürgen Rißmann als geschäftstüchtiger Produzent – und nicht zuletzt durch Marie Rosa Tietjen als Praktikantin Tina, die nun in die Rolle der Verstorbenen schlüpfen soll, obwohl sie weder über eine Schauspielerausbildung verfügt noch ihren Job als Mädchen für alles vernachlässigen darf. Am Set geht’s entsprechend drunter und drüber zu – beruflich wie privat.
Lola Randl im NFP-Presseheft: „Wo soll ich beginnen? Vielleicht damit, dass ich mir schon sicher war, wer die Rolle Emily spielen sollte, als mich jemand auf eine junge Schauspielerin namens Maria Kwiatkowsky aufmerksam machte. Weil ich diese Rolle eigentlich schon besetzt hatte, wollte ich mir ihre Arbeit schon aus Prinzip nicht anschauen. Aus purer Neugier tat ich es dann doch und schaute eine Nacht lang irgendwelche selbstgedrehten YouTube-Videos von ihr, und danach wusste ich, dass sie es sein musste. Aber was ich wirklich sagen will, beginnt eigentlich erst mit Marias Tod. Oder genauer in dem Moment wo wir, das Filmteam, sprachlos auf einem Parkplatz in Köln standen, während in Berlin gerade jemand ihre Wohnung aufgebrochen und sie dort leblos gefunden hatte. Ich werde immer wieder gefragt, wann mir klar wurde, dass ich den Film dennoch zu Ende bringen wollte. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube recht bald. Ihn nicht fertigzustellen, war für mich jedenfalls die schlimmere Vorstellung.“
Pitt Herrmann