Inhalt
Tragikomödie über drei moderne Großstadtmütter, die einerseits höchst unterschiedlich sind, andererseits aber eine Menge gemeinsam haben: Da ist die karriereorientierte Werbefachfrau Nela, die mühevoll versucht, Job und Mutterdasein unter einen Hut zu bringen. Dann gibt es die zweifache Mutter Marie, eine perfektionistische Helikopter-Mama, die fortwährend mit ihren eigenen Ansprüchen ringt und einfach nicht loslassen kann. Und schließlich die alleinerziehende Tine, die von finanziellen Sorgen geplagt wird, keinen Kitaplatz für ihr Kind bekommen hat und fortwährend auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen ist.
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Die vierzigjährige, einst sehr erfolgreiche Werbefachfrau Nela Hoffmann dagegen bemüht sich, die Bedürfnisse von Söhnchen Leo mit dem Neustart der eigenen Karriere unter einen Hut zu bringen: Nela möchte in ihrer neuen Agentur zur Unit-Leiterin aufsteigen, während sich ihr Ehemann Lutz ein zweites Kind wünscht: „Du wolltest doch weniger arbeiten und nicht mehr!“ Weshalb Lutz seine Mutter Gisela Berg daheim einquartiert zur Betreuung Leos, dessen Existenz Nela ihren Kollegen verschwiegen hat.
„Die pränatale Kita-Anmeldung wäre wünschenswert!“: Singlefrau Tine Möller versucht trotz kleiner Tochter, sich ihr Leben zurückzuerobern. Und das, obwohl ihr die Krippenleiterin Julia Kaiser klar gemacht hat, dass Kitaplätze nicht nur rar, sondern auch sehr teuer sind. Die Karriere der 22-Jährigen beschränkt sich freilich darauf, Regale im Biomarkt der strengen Chefin Gitti Waldleitner einzuräumen. Ein Job, den sie freilich nur mit Hilfe ihrer Mutter Heidi wuppen kann. Es würde Tine manches leichter machen, wenn ihre Lover nicht beim ersten Anblick eines Schnullers Reißaus nähmen.
Auf dem Spielplatz, dem Schlachtfeld der Mütter und, wie Melinda, der Babysitterinnen, wo man erst einmal Unrat und Zigarettenkippen beseitigen muss, bevor sich der eigene Nachwuchs mit Schippchen und Förmchen austoben kann, trachtet frau, mit selbst gebackenen Dinkel-Glückskeksen zu punkten. Gilt es doch, die anderen Geschlechts- und Leidensgenossinnen zu übertrumpfen, statt sich mit ihnen zu solidarisieren. Weshalb sich langsam etwas zusammenbraut. Wie weit werden die Mütter gehen, um an ihrer eigenen Idee vom Glück festzuhalten? Oder hält das Leben überraschende Lösungen parat?
„Frau Mutter Tier“ zeigt Mütter am Rande des Nervenzusammenbruchs, bleibt letztlich aber als reiner Kinofilm ohne TV-Koproduzenten auf Bildschirm-Niveau: zu brav trotz toller Schauspieler wie etwa Julia Jentsch als Marie, die für ihren ‘mal wieder in Hongkong weilenden Gatten bei einem gesellschaftlichen Termin eines Sponsoren-Dinners einspringen und sich im Kreis der Münchner Schickeria behaupten muss. Die 41-jährige Schauspielerin bekundete gegenüber Bettina Aust (in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 10. März 2019), geplant zu haben, nach der Geburt ihrer Tochter sofort wieder zu arbeiten, hatte dann aber weder die Kraft noch das Bedürfnis dazu, sondern wollte zunächst ganz für das Kind da sein: „Ich habe auch nicht nach den neuesten Theorien zur Kinderpädagogik gesucht, um danach mein Kind zu erziehen. Doch ich war immer fasziniert, wenn ich Mütter gesehen habe, die drei oder sogar vier Kinder hatten und trotzdem total entspannt gewirkt haben. Da habe ich immer gedacht: Ich darf mich von den Herausforderungen oder dem Stress nicht so einnehmen lassen und diese Momente der Entspannung nicht ganz verlieren.“
Dem allzu optimistischen Ende würde man heute das Etikett „Herzkino“ verpassen. Die höchst unterhaltsame Komödie nach dem gleichnamigen Theaterstück von Alexandra Helmig ist nach der Erstausstrahlung am 8. Mai 2022 bei Romance TV als Free-TV-Premiere am 8. März 2024 bei ARD One gezeigt worden. Alexandra Helmig im Alpenrepublik-Presseheft: „Es ist ein Thema, das wie kaum ein anderes gesellschaftliche Relevanz hat. Ich dachte zwischendurch, dass meine persönlichen Beobachtungen und Erlebnisse mittlerweile überholt sein könnten. Aber so viel hat sich seitdem leider nicht geändert. Immer noch müssen sich Frauen permanent rechtfertigen. Kinder, ja oder nein? Arbeiten, ja oder nein? Kita, Krippe, Kindergarten? Großeltern im Volleinsatz? Frühkindliche Förderung von Sprachen, Musikalität, Naturwissenschaften usw. Wir wollten mit ‚Frau Mutter Tier‘ eine Komödie machen, die den Frauen auf den Mund schaut, selbstironisch und liebevoll vom Mütter-Alltagswahnsinn erzählt, mit einem Lachen, das einem manchmal auch im Halse stecken bleiben kann.“
Pitt Herrmann