Paris Calligrammes

Deutschland Frankreich 2018-2020 Dokumentarfilm

Inhalt

Topografisch ist Ulrike Ottingers Kino meistens zwischen Berlin und entlegenen Orten in Fernost oder im hohen Norden angesiedelt. Mit "Paris Calligrammes" erkundet sie die Landschaft ihrer Erinnerungen an jene Stadt, die sie 20 Jahre lang ihre Heimat nannte und die ihre Anfänge als Malerin und Filmemacherin mitprägte. Ottinger zog in ihren Zwanzigern nach Paris und tauchte dort in die Kulturszene der 1950er-Jahre ein, die von Avantgarde-Helden und einer neuen Generation von Künstler*innen und Intellektuellen bevölkert war. Zwischen Buchhandlungen, Konzertsälen, Theatern, Kinos, Museen und Cafés präsentiert Ottinger ihr persönliches Pantheon und kartiert dabei zugleich eine entscheidende Ära sowohl in der Kunst, in der Dada und Surrealismus Situationisten und Pop-Art Platz machten, als auch in der Politik, wo zwischen Nachkriegshoffnungen, Algerienkonflikt und 68er-Bewegung vieles auszutragen war. Trotzdem bleibt der Film eine intime Annäherung, die ein überreiches und emotionsgeladenes Repertoire an Filmszenen, Meldungen, Fotos und Liedern mit der gleichen liebevollen Sorgfalt zusammenfügt, mit der man früher Zeitungsausschnitte und Fotos in ein Tagebuch klebte, um drum herum zu schreiben.

Quelle: 70. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)

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Heinz17herne
Heinz17herne
129 beglückende Minuten zwischen Jacques Dutroncs „Paris s'éveille“ und Édith Piafs „Non, je ne regrette rien“: die 78-jährige Malerin, Fotografin und Filmemacherin Ulrike Ottinger blickt auf ihre bewegten 1960er Jahre in der Seine-Metropole zurück und hat absolut nichts zu bereuen. Sie spricht den Kommentar als Ich-Erzählerin aus dem Off selbst, und der zunächst altbacken erscheinende Sprachduktus ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Nach ein paar Minuten aber ist man dankbar über den ruhigen Fluss ihrer Worte, die gleichbleibend unaufgeregte Stimmlage. Denn die von einem kleinen Epilog abgeschlossene Zeitreise in zehn Kapiteln bietet selbst für frankophile Paris-Kenner zahllose Überraschungen.

„Paris Calligrammes“ ist eine sehr persönliche, aber keineswegs nur melancholisch-retrospektive Hommage mit historischen Fotografien aus dem Familienalbum, mit originalem Filmmaterial aus den künstlerisch wie politisch aufregenden 1960er Jahren, mit O-Tönen etwa von Walter Mehring und Ulrike Ottingers erstem Radiointerview, mit unmittelbaren Bezügen zwischen Bildender Kunst und eigenen künstlerisch ambitionierten Filmen (Francisco de Goya und „Freak Orlando“) und nicht zuletzt ein liebevoller, aber nie verklärender Blick auf die Künstler-Freunde des Montparnasse. Authentische Aufnahmen brutaler Polizeigewalt gegen 68er-Demonstranten stehen neben einem äußerst kritischen Blick auf die Kolonialpolitik Frankreichs, besonders den Algerien-Krieg. Ulrike Ottinger offenbart die bis in unsere Gegenwart reichenden Folgen nicht nur in den Banlieues, als sie zu den Orten ihrer Pariser Bohème zurückkehrt. Und rechnet ohne jede Altersmilde mit den Grabenkämpfen linker Ideologen ab.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Dreharbeiten

    • Paris
Länge:
129 min
Format:
DCP 2K
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Ton
Aufführung:

Uraufführung (DE): 22.02.2020, Berlin, IFF - Berlinale Special;
Kinostart (DE): 05.03.2020;
Aufführung (DE): 11.06.2020 [Wiederaufführung]

Titel

  • Originaltitel (DE) Paris Calligrammes

Fassungen

Original

Länge:
129 min
Format:
DCP 2K
Bild/Ton:
Farbe + s/w, Ton
Aufführung:

Uraufführung (DE): 22.02.2020, Berlin, IFF - Berlinale Special;
Kinostart (DE): 05.03.2020;
Aufführung (DE): 11.06.2020 [Wiederaufführung]

Auszeichnungen

Deutscher Dokumentarfilmpreis 2020
  • Preis der Norbert Daldrop Förderung für Kunst und Kultur