Micha denkt groß

Deutschland 2023/2024 Spielfilm

Inhalt

Der Selfmade-Unternehmer Micha kehrt nach vielen Jahren aus Berlin in sein Heimatdorf Klein-Schappleben in Sachsen-Anhalt zurück. Der Grund dafür ist allerdings nicht Nostalgie, sondern eine große Geschäftsidee: Micha will das leerstehende, marode Hotel seiner Eltern in ein Luxusresort mit Wellnessoase für gestresste Großstädter*innen verwandeln. Bei der sonst so zerstrittenen Dorfgemeinschaft stößt der Plan auf nahezu einhelliges Misstrauen. Der hitzeflirrende Sommer, das allmählich versiegende Grundwasser und die Verschwörungstheorien des pensionierten Lehrers Bernd Schlüter tragen nicht gerade zum Vertrauen in das Vorhaben bei. Einzig Michas Partnerin Jenny und seine alte Schulfreundin Tina glauben an seine "Vision". Erst als dem ganzen Dorf endgültig das Wasser ausgeht, wird allen klar, dass sie an einem Strang ziehen müssen. 

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Heinz17herne
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Von „Soul-Body-Balance“ ist die Rede in dem Werbefilm des „Ölbarons“ Micha, der als selbständiger Game-Designer in Berlin mit dem gleichnamigen Videospiel eine Menge Kohle gemacht hat. Die will er nun in seinem Heimatdorf Klein-Schappleben gewinnbringend anlegen, indem er aus der maroden „Klosterschänke“, dem Wirtshaus mit Gästezimmern seiner Eltern, den luxuriösen Wellnesstempel „St. Klosterhof“ für gestresste und naturgemäß reiche Großstädter macht: „New Work Retreat“.

„Pump & Win“: Dabei denkt Micha in Dimensionen, die seiner Schulfreundin Tina Oppermann lange vermissten Glanz in die Augen zurückbringen: 10.000 Übernachtungsgäste im Jahr sind das erklärte Ziel und die Physiotherapeutin soll für 40.000 Euro Jahresverdienst den Spa-Bereich leiten. Die beginnt sogleich damit, Personal zu suchen und knetet als Erstes den völlig verspannten Micha kräftig durch – ausgerechnet, als seine Freundin Jenny Winter aus der Hauptstadt in der sachsen-anhaltinischen Provinz aufschlägt.

Das erste Stirnrunzeln wird zur Ärgernis-Gesichtsfalte, als Jenny mitbekommt, dass nicht nur das Erbe aus einer abrissreifen Bruchbude besteht, sondern das Wasser aus dem Kran nicht zu gebrauchen ist. Als Micha mit Jonas Oppermann, dem nur „Johnny“ genannten jüngeren Bruder Tinas, einem der ökologischen Wirtschaft verpflichteten Schafzüchter, den Deckel des Brunnens öffnet, blicken sie in ein unendlich scheinendes schwarzes Loch: Kein Tropfen Wasser. „Irgendwer muss ja das Geld nach Hause bringen“ sagt Jenny und ist so schnell gen Berlin verschwunden, wie sie gekommen ist.

War sich die auch noch in sich zerstrittene Dorfgemeinschaft bis auf Tina darin einig, dass Micha viel zu groß denkt, wirft die allgemeine Wasserknappheit nun alle seine Planungen über den Haufen. Die stets im blauen Angie-Hosenanzug auftretende CDU-Bürgermeisterin Monika „Moni“ Hoffmann, die sich vor der Versammlung im Bürgerhaus und später immer wieder gebetsmühlenartig einreden muss, „gut, stark und unglaublich sexy“ zu sein, verweist auf ihre Kontakte zur Wasserwirtschaft und zum Magdeburger Ministerium.

Weil Micha die Zeit davonläuft, sucht der Selfmade-Unternehmer nach potenten Mitstreitern, um selbst einen neuen Brunnen bauen zu lassen, der laut Kalkulation der Fachfrau Manuela Wagner (Bärbel Schwarz) 90.000 Euro kosten würde. Doch nur der Rinderzüchter Hermann Köppe ist in der Lage, einen größeren Betrag beizusteuern – und der verbündet sich ausgerechnet mit dem Mann mit der größten Klappe neben der „Labertasche“ Micha, dem ehemalige Deutschlehrer Bernd Schlüter, einem windigen Prepper und Verschwörungstheoretiker, der stets nur an sich selbst denkt.

Der nun einsetzende Brunnenbau-Wettbewerb ist für alle Seiten ruinös, und da sich auch politisch nichts rührt, bleibt Klein-Schappleben auch weiterhin auf einen alten DDR-Molkereiwagen als mobile Wasserversorgung angewiesen – und Jenny nach einem Kurzbesuch zu Weihnachten endgültig in Berlin. Ohne Wasser kein Investor, ohne Investor kein frisches Geld, ohne frisches Geld kein „Phantasialand“, so Jonas. Der weiß, wovon er spricht: Aufgrund der Klimaerwärmung und der langjährigen Trockenheit ist der Grundwasserspiegel dramatisch gesunken. Er hat inzwischen seine Herde ebenso verkaufen müssen wie Hermann. Doch nachdem die Fäuste geflogen sind auf offener, notabene staubiger Straße, holt Tina die Streithähne wieder an einen Tisch zum kollektiven Bierpullen-Ploppen. „Mensch bleiben“ würde man mit Jürgen von Manger im Ruhrgebiet sagen…

„Micha denkt groß“, nach „Für immer Sommer 90“ eine neuerliche Gemeinschaftsarbeit des Erfolgsteams aus Lars Jessen und Jan Georg Schütte, ist eine skurrile Impro-Tragikomödie: Die Darsteller erfuhren in Einzelgesprächen mit dem Regieteam erst am Abend vorher, was am nächsten Drehtag inhaltlich ansteht. Der Film widmet sich einem ernsten Thema: Im Nachspann erfährt der Kinobesucher, das Deutschland jedes Jahr eine Menge Wasser in der Größenordnung des Bodensees verliert. Dabei hat das um Christian Riedel und Charly Hübner verstärkte Autorengespann immer wieder für ausgesprochen situationskomische Momente gesorgt, die keine Ossi-Larmoyanz aufkommen lassen.

Gedreht vom 17. bis 28. September sowie vom 15. bis 18. Dezember 2023 in Sachsen-Anhalt, vorwiegend im Kloster Dambeck und dem benachbarten, zu Salzwedel gehörenden Dorf, ist der großartig besetzte Film bereits am 1. November 2024 in der ARD erstausgestrahlt worden.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Kamera-Bühne

Innenrequisite

Schnitt

Ton-Design

Ton-Assistenz

Mischung

Casting

Musik

Darsteller

Produktionsfirma

Herstellungsleitung

Filmförderung / Sponsoren (Sonstiges)

Dreharbeiten

    • 19.09.2023 - 20.10.2023: Sachsen-Anhalt
Länge:
92 min
Format:
DCP, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 14.06.2024, 258228, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.06.2024, München, Filmfest - Neues Deutsches Fernsehen;
Kinostart (DE): 22.08.2024

Titel

  • Originaltitel (DE) Micha denkt groß
  • Weiterer Titel (eng) Micha Thinks Big
  • Arbeitstitel (DE) Nichts mehr wie es war
  • Arbeitstitel (eng) Nothing As It Was

Fassungen

Original

Länge:
92 min
Format:
DCP, 16:9
Bild/Ton:
Farbe, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 14.06.2024, 258228, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.06.2024, München, Filmfest - Neues Deutsches Fernsehen;
Kinostart (DE): 22.08.2024

Auszeichnungen

Filmfest München 2024
  • Bernd Burgemeister Fernsehpreis, Beste produzentische Leistung - TV-Film