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Als am Set eines Films ein verbrannter Koran gefunden wird, laufen die Dreharbeiten aus dem Ruder. Die Praktikantin Elif wird in ein gefährliches Spiel aus Geheimnissen, Anschuldigungen und Lügen hineingezogen. Mehmet Akif Büyükatalays doppelbödiger, provokanter Verschwörungsthriller spielt mit dem Film-im-Film-Motiv und steckt voller unerwarteter Wendungen. Eine präzise Reflexion über die Macht der Bilder und die Dynamik von Wahrnehmung, Projektion und gesellschaftlicher Hysterie.
Quelle: 75. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
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Regisseur Yiğit ist dennoch mit dem Drehtag hochzufrieden: Echte Menschen zeigen echte Emotionen, alles nach Plan. Er und Lilith überlassen der jungen, ehrgeizigen Praktikantin Elif, die Komparsen im Bus in die Flüchtlingsunterkunft zurückzubringen und die Filmkassetten dieses Drehtages in ihrer Kölner Wohnung zu deponieren. Said überredet Elif, noch ein wenig mit den anderen den Abschluss der Dreharbeiten zu feiern. Es entwickelt sich eine intensive, kontrovers geführte Diskussion über den Film. Die Komparsen beklagen sich darüber, dass sie stets in Täter- oder Opferrollen gepresst werden und behaupten, dass es Yiğit nicht um das Thema, sondern nur um den kommerziellen Erfolg geht.
Es ist so spät geworden, dass Majid bereit ist, Elif nach Köln zu fahren. Als sie vor der Wohnungstür des Regisseurs steht, hat sie den Schlüssel verloren und muss diese durch einen Handwerker öffnen lassen. Sie wird ihn später bei einem Schlüsseldienst nachmachen lassen und bestellt den ebenfalls verloren gegangenen Anhänger im Internet. Und sagt weder ihrer Freundin Lilith von dem ihr peinlichen Vorfall ein Wort noch später einer Polizistin, die den Diebstahl der analogen Filmcassetten untersuchen soll.
Die offenbar bei einem nächtlichen Einbruch in die Wohnung des Regisseurs gestohlen wurden, wovon es merkwürdigerweise Videobilder gibt, die Elif zugespielt worden sind. Da die Polizei vor allem in der Flüchtlingsunterkunft ermittelt, eskaliert die Situation bei einem Gespräch mit Yiğit: Die Komparsen verlangen nicht nur die Herausgabe der Überreste des verkohlten Korans, sondern auch die Zerstörung der weiterhin unauffindbaren Filmrollen. Dabei fand die Praktikantin inzwischen im Internet heraus, dass nach der zu Unruhen in der islamischen Welt geführten öffentlichen Verbrennung eines Koran-Exemplars durch einen dänischen Politiker ein muslimischer Gelehrter ein explizites Verbot einer Verbrennung der Schrift verneint hat. Und dann steht plötzlich der Vorwurf im Raum, der ganze Diebstahl sei nur vorgetäuscht, um die Versicherungssumme einzustreichen…
„Hysteria“ ist ein über gut einhundert Minuten hochspannender Verschwörungs-Thriller, der voller überraschender Wendungen steckt. Er punktet mit der Vielschichtigkeit des Film-im-Film-Motivs und den Alpträumen seiner überragenden Protagonistin Devrim Lingnau Islamoğlu („Die Kaiserin“, „Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca-Linien“). Der Filmemacher und Produzent Mehmet Akif Büyükatalay setzt sich darin mit der Macht der Bilder in unserem digitalen Zeitalter und der Dynamik von Wahrnehmungen auseinander, die leicht in gesellschaftliche oder gar politische Hysterie ausarten können.
Pitt Herrmann