Herrscher ohne Krone

BR Deutschland 1956/1957 Spielfilm

Inhalt

Der deutsche Arzt und berühmte Gehirnspezialist Friedrich Struensee wird in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an den königlichen Hof nach Kopenhagen gerufen. Er soll ein Gutachten über den jungen, angeblich geisteskranken König Christian abgeben. Struensee lernt diesen als liebenswerten, aber labilen Menschen kennen, erklärt ihn für regierungsfähig und wird darüber sein Freund und Berater. Dann aber kursieren Gerüchte über eine heimliche Liebesbeziehung zwischen Struensee und der Königin Mathilde – und als die Königin eine Tochter zur Welt bringt, dessen Muttermal Struensee als Vater verrät, macht Christian der Königin und Struensee den Prozess.

 

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Falk Schwarz
Ein König wird betrogen
Auf die psychologische Gestaltung ambivalenter, schwieriger Charaktere verstand sich Regisseur Harald Braun. Schon mit „Nachtwache“ machte er auf sich aufmerksam - klug duchkomponiert, mit einer stringenten Schauspielerführung, einer besonderen Beachtung der Bildkomposition - Braun dachte „filmisch“. So auch hier. Er lässt O.W. Fischer fern seiner „Masche“ zurückhaltend agieren, sodass dieser Struensee ein Charakter wird, keine Figur. Horst Buchholz spielt den labilen König Christian von Dänemark, der mit psychischen Problemen kämpft, und in Struensee nun endlich die Vaterfigur findet, die ihm sein Leben lang fehlte. Die Väter, zu denen aufzublicken war, fehlten schmerzlich in den fünfziger Jahren. Ob Braun gleichermaßen mit Schauspielerinnen umgehen konnte? Odile Versois ist hier eher unentschieden und steif, sehr still, manchmal leidenschaftlich, aber die große innere Auseinandersetzung, der Kampf zwischen Liebe und Pflicht, ertrinkt allzusehr im Rauschen der Reifröcke. So sind diese drei Schauspieler Szene für Szene lebendig, erfüllen ihre Rollen und wo der Dialog sparsam ist (Buch von Gerhard Menzel, der - es sei nicht vergessen - ein hundertprozentiger Nazi war), da legt der Regisseur das ganze Geschehen in die Mimik, in die Augen, in die Gesichter. Das ist schon vollendet, vor allem zeigt sich, was für ein grandioser Schauspieler O.W. Fischer sein konnte, wenn er mit einem ernsthaften, klugen Regisseur arbeitete. Ein weiteres Meisterstück ist die Kameraarbeit von Göran Strindberg. Nicht nur hat er in der Komposition der Farben (schweres rot, blau, eher dunkel, dem Gemütszustand des Königs angepasst) eine glückliche Hand, er setzt auch das Licht mit einer staunenswerten Perfektion. Die Gesichter sind differenziert verschattet, das Hintergrundlicht subtil abgestimmt - so wird jede Einstellung zu einer raffiniert gestalteten Komposition. Aus den Filmen der fünfziger Jahre ragt diese Arbeit hervor. Neben Käutner und Staudte gehört Braun auf das Podest der großen Regisseure der viel gescholtenen fünfziger Jahre.

Credits

Regie

Schnitt

Darsteller

Alle Credits

Regie

Künstlerische Oberleitung

Regie-Assistenz

Kameraführung

Farbberatung

Bauten

Schnitt

Darsteller

Herstellungsleitung

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Produktions-Assistenz

Dreharbeiten

    • 23.08.1956 - Oktober 1956: Kopenhagen und Umgebung, friesische Küste, Sylt, Kassel (Löwenburg, Schloss Wilhelmsthal)
Länge:
2864 m, 105 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
Agfacolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 16.01.1957, 13618, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 16.01.1957, Berlin, Gloria-Palast

Titel

  • Originaltitel (DE) Herrscher ohne Krone

Fassungen

Original

Länge:
2864 m, 105 min
Format:
35mm, 1:1.33
Bild/Ton:
Agfacolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 16.01.1957, 13618, ab 16 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 16.01.1957, Berlin, Gloria-Palast