Inhalt
Eine Bande von Berliner Crashkids trifft sich regelmäßig auf dem Dach des ehemaligen DDR-Außenministeriums. Sie schwärmen aus zum Autoknacken, berauschen sich mit Drogen und lebensgefährlichen Wettrennen. Einer von ihnen kommt dabei um, was den Sog von Verzweiflung und Gewalt noch verstärkt. Der Anführer Mario lässt sich mit russischen Mafiosi ein, und als er merkt, dass seine Freundin Sarah sich in den Neuankömmling Robert verliebt hat, steuert er rasend vor Eifersucht seine Freunde in eine tödliche Katastrophe.
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Das Nervenkostüm der Gruppe junger Leute, die im Grunde genommen nur auf der Suche nach Zuneigung, Liebe und Geborgenheit das Gemeinschaftserlebnis suchen und das Macho-Gehabe einzelner stillschweigend als das kleinere Übel erdulden, gerät außer Kontrolle. Mario, der „Boss“, dem Stefans Vater auf der Beerdigung die Schuld am Tod seines Sohnes gegeben hat, kann mit seinen Gefühlen, seiner Trauer um Stefan nicht umgehen und versucht deshalb, einfach so weiterzumachen wie bisher. Als sich Sarah auch noch in Robert, den Neuen, der – schon von der Hautfarbe her – so anders ist als Mario, verliebt, rastet dieser aus. Rasend vor Eifersucht nimmt Mario einen Auftrag für den Diebstahl eines der im nahen Osteuropa so begehrten Neufahrzeuge an und besorgt sich bei den Autoschiebern eine Pistole.
Was bisher noch Spaß war, verliert plötzlich jede Leichtigkeit. Mario will Sarah nicht aufgeben und versucht, Robert umzubringen, was Sarah jedoch gerade noch verhindern kann. Als es zum ernsthaften Streit zwischen Mario und den Autoschiebern kommt, bei dem es einen Toten gibt, hängt Marios Leben nur noch an einem seidenen Faden...
Mark Schlichter konnte für seine Abschlussarbeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin mit Heinz Hoenig (als Stefans Vater), Burkhard Driest (als Pastor) und Anna Thalbach (als Trauernde) drei prominente Darsteller für die einleitende Begräbnissequenz gewinnen. Und das Trio wird es nicht bereut haben, einem Kino-Newcomer für sicherlich nur schmales Honorar geholfen zu haben.
Denn: den Namen Mark Schlichter hat man sich nach seinem Debut „Ex“, halb Road-Movie, halb Generation-X-Streifen, gemerkt, auch wenn der Spielfilm zunächst nur am 30. Juni 1995 bei der Uraufführung auf dem Münchner Filmfest auf der Kino-Leinwand zu sehen war (und gleich mit dem Förderpreis der Hypo-Vereinsbank ausgezeichnet wurde), um danach – immerhin zur Primetime – am 21. Juli 1995 vom Kulturkanal Arte erstausgestrahlt zu werden. „Ex“ kam dann aber am 11. Januar 1996 auch in einige Arthouse-Lichtspielhäuser.
Der 1962 in Münster geborene Mark Schlichter studierte zu Beginn der 1980er Jahre zunächst Schauspiel in Berlin, bevor er das Medium wechselte. Seine Abschlussarbeit an der dffb belegt seine sichere Beherrschung des Handwerks – und viel Gespür dafür, was einen deutschen „Krimi“ auszeichnet: Lokalkolorit.
„Ex“ erscheint auf den ersten Blick recht authentisch, transportiert auf den zweiten aber im Unterschied zu den Actionfilmern Hollywoods und ihren europäischen Nachahmern nicht Gewalt um der Gewalt wegen. Eine verlorene Generation wird vorgeführt, ganz ohne Sympathie, aber mit einem gewissen Verständnis. Das aber glücklicherweise nicht so weit geht, mit erhobenem moralischem Zeigefinger alles mit den Familien-, Wohn- und Arbeitsverhältnissen allein erklären zu wollen. Mark Schlichter zeigt auch das individuelle Verschulden seiner Figuren auf, ihr zu spätes, folgenreiches, ja tödliches Erwachen. Am bitteren Ende kreist ein Polizeihubschrauber über der Unfallstelle...
Pitt Herrmann