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Deutschland, 1966. Das weltweite Rock′n′Roll-Fieber dringt langsam, aber sicher bis in die teutonische Provinz vor. In Recklinghausen beschließt eine Clique Jugendlicher, Musik zu machen wie ihre Vorbilder: wie die Stones, die Beatles oder die Kinks. Also basteln sich die Jungs eine Musikanlage zusammen und gründen eine Band – die "Heartbreakers".
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Da die von ihnen so verehrten angelsächsischen Formationen einschließlich der „Kinks“ und „Animals“ sämtlich männlich besetzt sind, können sie sich keine Frontfrau als Sängerin vorstellen. Dabei haben sie mit Lisa ein auch stimmlich höchst attraktives Mädchen in ihren Reihen, die sich geradezu danach sehnt, Teil der Band zu sein. Der ihr Freund Freytag als Bandleader angehört, zu dem sie vor ihrem gewalttätigen Vater geflüchtet ist. Doch Freytag ist noch nicht reif genug, um sich zu ihr zu bekennen – und sie in ihren sängerischen Ambitionen gegenüber Guido & Co zu unterstützen.
Als „Manager“ Pico einen ersten öffentlichen Auftritt organisiert, leider nicht im hippen London oder rauen Liverpool, sondern in der Gaststätte seines Onkels im eher verschlafenen Haltern unweit Recklinghausens, wird der Gig unter provinziellen Schlagerfans nicht nur finanziell ein Reinfall: Das Tanztee-Publikum der „Seeklause“ ist mehr auf harmonische Töne eingestimmt. Und dann wird auch noch das Equipment der „Herzensbecher“ gestohlen. Keine Verstärker, keine Kohle – aber die einmalige Chance, sich vor großem und noch dazu Rockmusik-affinem Publikum zu beweisen beim großen Ruhr-Beatfestival in der Recklinghäuser Vestlandhalle. Wo sich die Platzhirsche gute Chancen gegen ihre härtesten Konkurrenten aus der südlichen Nachbarstadt Herne, „The Lightnings“, ausgerechnet haben.
Jedenfalls bisher. Doch die verfügen plötzlich nicht nur über eine eigene Verstärkeranlage, sondern als Überraschungscoup selbst für die Veranstalter über eine tolle, hochmusikalische Sängerin als Frontfrau, die die „Heartbreakers“ nicht haben wollten. Als nicht zuletzt Lisa, der die Hamburger Folk-, Blues-, Rock- und Jazzsängerin Ingeburg Thomsen ihre Stimme lieh, den „Lightnings“ zum Sieg verhilft, muss Freytag sich eingestehen, doppelt versagt zu haben – als Musiker, vor allem aber als Freund…
Der 1949 in Marburg geborene, in Herne aufgewachsene Matthias Seelig studierte nach dem Abitur Germanistik und Publizistik in Münster und München. Für ein halbes Dutzend erfolgreicher Filme des Hannoveraner Regisseurs Peter F. Bringmann schrieb Seelig die Drehbücher, darunter „Aufforderung zum Tanz“ (1977), die TV-Produktion „Paul kommt zurück“ (1978) mit Manni Krug, den Kino-Hit „Theo gegen den Rest der Welt“ (1979) mit Marius Müller-Westernhagen sowie den Nachfolger „Der Schneemann“ (1985).
Prominent verstärkt um den Sat 1-Sportmoderator Werner Hansch, Andreas Keuntje (RTL) sowie die Brüder Dirk und Jörg Gerlach („Coversaki“, „Los Gerlachos“) handelt der Streifen von der gleichnamigen Revierband aus dem nördlichen Revier, deren Gründung für ihre jugendlichen Mitglieder zum identitätsstiftenden Ausweg aus sozialen Verwerfungen wurde. Die sehr amüsant überwiegend von Laien dargestellten Startschwierigkeiten von Beat- und Rockgruppen in der konservativen Provinz können Authentizität beanspruchen: So moderiert Werner Hansch den Kurzeinsatz der Schülergruppe „Treff“ an, einer ganz jungen Herner Band unter dem Namen „Die Short-Boys“.
„Die Heartbreakers“ gewann 1983 den Deutschen Filmpreis in Silber, den Gilde-Kinopreis in Silber sowie den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie „Beste Nachwuchsproduktion“. Der am 21. Januar 1983 gestartete Film war an den Kinokassen bundesweit so erfolgreich, dass er mit 287.132 Zuschauern in den Top 100 des Jahres 1983 landete.
Pitt Herrmann