Der Chinese

Deutschland Österreich Schweden 2010/2011 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Hesjövallen, eine vielleicht aus einem halben Dutzend Häusern bestehende Ortschaft in Mittelschweden. Ein Mann (Christoph Moosbrugger) mit einer Fotoausrüstung nähert sich der idyllischen, abseits gelegenen Siedlung. Ein Tourist? Sein Fahrzeug hat ein schwedisches Kennzeichen, könnte aber auch ein Leihwagen sein. Was er dort zu sehen bekommt, entsetzt ihn so stark, dass er seine Kamera zu Boden fallen lässt und wie von der Tarantel gestochen zu seinem Fahrzeug rennt. Welches er überhastet, als werde er verfolgt, ohne einen Blick nach vorn oder zurück in Bewegung setzt. An der Einmündung zur nächsten größeren Straße wird er in einen für ihn tödlichen Unfall verwickelt.

Auf diese indirekte, ja zufällige Weise wird die Polizei auf ein Massaker aufmerksam, dem fast sämtliche Einwohner des Ortes zum Opfer gefallen sind. Der begriffsstutzigen Zicke von Kommissarin Vivi Sundberg und ihren Kollegen von der Mordkommission stockt förmlich der Atem, als sie nach und nach das Ausmaß der Bluttat gewahr werden: 19 Menschen sind auf bestialische Weise regelrecht abgeschlachtet worden. Vom Motiv fehlt ebenso jede Spur wie vom Täter, auch wenn mit Tom Valfriedson (Peter Benedict) ein einschlägig vorbestrafter Bewohner, einer der ganz wenigen Überlebenden, verhaftet und den sofort wie die Geier einfallenden Medien zum Fraß vorgeworfen wird.

Breaking News: Aus den rund um die Uhr laufenden Fernseh-Sondersendungen erfährt die Stockholmer Richterin Brigitta Roslin von dem Blutbad. Und ist geschockt, denn unter den Bewohnern von Hesjövallen befinden sich ihre Eltern und weitere Verwandte. Da keine Einzelheiten über Opfer und Überlebende zu erfahren sind, steigt sie – gegen den Rat ihres Noch-Gatten Staffan, mit dem sie in Scheidung lebt – kurzerhand in ihr Auto und fährt an den Ort des Geschehens. Dort wird aus ihrer Angst Gewissheit: Nicht nur ihre Eltern, sondern sämtliche Verwandte sind tot. Brigitta Roslin lässt sich von der offenkundig überforderten und dennoch wenig kooperationsfreudigen Kommissarin Sundberg nicht davon abhalten, alle Termine abzusagen, sich in der Nähe einzuquartieren und eigene Recherchen anzustellen – auch in der Vergangenheit der eigenen Vorfahren. Denn sie stößt immer wieder auf Hinweise, die nicht nur zum chinesischen Restaurant vis-a-vis ihrem Hotel führen, sondern auch in die USA: In Nevada ist es vor kurzem zu einem ganz ähnlichen Massaker gekommen.

Aber wie die drei Kontinente zusammenbringen? Als Britta dem Mörder in die Hände läuft und sie sich vor ihm nur durch einen beherzten Sprung aus dem Hotelfenster retten kann, ist für sie klar, dass sie selbst in großer Gefahr ist. Anhand eines Fotos und ihrer Beziehungen als Richterin kann Brigitta den Mann identifizieren: Liu (Derreck Ee Ping Hin) ist in der chinesischen Metropole Kanton für eine große Sicherheitsfirma tätig. Für sie steht fest: Lieber der Gefahr ins Auge sehen als wie das Kaninchen vor der Schlange zitternd darauf zu warten, getötet zu werden. Wie Tim Valfriedson, dem sein Geständnis nichts genutzt und der sich, so die offizielle Sprachregelung, in seiner Zelle erhängt hat.

In Kanton entgeht Brigitta Roslin nur knapp einem Entführungsversuch und ist froh, bald ihren künftigen „Ex“ Staffan an ihrer Seite zu haben. Von der chinesischen Polizei kann sie keine Hilfe erwarten, zu mächtig ist Lius Hintermann Ya Ru (Jimmy Taenaka), ein skrupelloser Banker, der in korrupte Geschäfte mit der Regierung verwickelt ist. Dafür hilft ihr ein Landsmann, der Sinologie-Professor Lund, den sie bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Kanton kennenlernte, bei der Aufklärung der Zusammenhänge. Unerwartete Unterstützung erhält Brigitta ausgerechnet von der Schwester des zynischen Strippenziehers: Qui Hong (Amy J. Cheng), die Sicherheitsbeauftragte von Kanton, ist hochrangiges Mitglied der Kommunistischen Partei und empfindet für die Machenschaften der neuen Wirtschaftseliten ihres Landes nur Abscheu. Doch den Kampf um Leben und Tod gegen den chinesischen Killer muss Brigitta Roslin letztlich alleine führen...

Wie in seinen „Wallander“-Romanen verbindet Henning Mankell auch in „Der Chinese“ einen hochspannenden (Action-) Thriller, der nicht an gruseligen Szenen spart, mit einem kritischen Blick auf gesellschaftliche Zustände der Gegenwart. Die in diesem Fall einen Rückblick in die Geschichte, in den Eisenbahnbau der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika, erfordert, wo sich im 19. Jahrhundert zwei konkurrierende Gesellschaften einen harten Zweikampf lieferten – auf den Rücken unzähliger chinesischer Zwangsarbeiter. Mankell macht diese Geschichte der Grausamkeiten anschaulich durch den Leidensweg dreier chinesischer Brüder, deren Aufzeichnungen 140 Jahre später andere Grausamkeiten heraufbeschwören. Auge um Auge: Wobei in diesem Rache-Feldzug nicht zufällig eine in ihrem Beruf täglich um Recht, Strafe und Gerechtigkeit streitende Richterin den Gegenpart übernimmt.

Für Fred Breinersdorfer und seine Tochter Léonie-Claire war es daher eine sehr schwere Aufgabe, den Roman so zu einem Drehbuch zu destillieren, das seine Charakteristik, die Vielfalt seiner letztlich ineinander greifenden Handlungsstränge über eine Zeitspanne von drei Generationen hinweg, nicht verlorengeht. Die auch für eine internationale Koproduktion außergewöhnliche Filmlänge von 175 Minuten hat ein respektables Ergebnis möglich gemacht, auch wenn dieses auf Kosten des bei Henning Mankell breit geschilderten historischen Teils geschieht.

„Der Chinese“, am 30. Dezember 2011 in der ARD erstausgestrahlt, ist bis zur letzten Minute spannend, und das hat der österreichische Regisseur Peter Keglevic neben der überragenden Präsenz Suzanne von Borsodys ganz generell seinem tollen Schauspielerteam zu verdanken, genannt werden müssen noch Karlheinz Hackl als Polizeichef, Roeland Wiesnekker als Jan Andren, einem ausgewanderten Vorfahr der Richterin und gnadenloser Aufseher beim Eisenbahnbau um 1860, sowie August Schmölzer als schmieriger schwedischer Hotelier.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Regie-Assistenz

Vorlage

2. Kamera

Steadicam

Licht

Szenenbild

Außenrequisite

Innenrequisite

Kostüme

Schnitt

Ton-Design

Spezialeffekte

Stunt-Koordination

Darsteller

im Auftrag von

Herstellungsleitung

Associate Producer

Produktionsleitung

Dreharbeiten

    • 26.04.2010 - 22.07.2010: Österreich, Schweden, Taiwan
Länge:
2 x 90 min
Format:
1:1,78
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 25.06.2010, München, Filmfest

Titel

  • Originaltitel (DE) Der Chinese

Fassungen

Original

Länge:
2 x 90 min
Format:
1:1,78
Bild/Ton:
Farbe, Dolby
Aufführung:

Uraufführung (DE): 25.06.2010, München, Filmfest