Der Arzt von St. Pauli

BR Deutschland 1968 Spielfilm

Inhalt

Dr. Jan Driffing ist die gute Seele von Hamburgs berühmt-berüchtigtem Stadtteil St. Pauli. Er arbeitet dort als Armenarzt und steht der dort ansässigen Klientel mit Rat und Tat zur Seite. Als der junge Matrose Hein des Mordes an seiner ehemaligen Geliebten Margot und ihrem Freund beschuldigt wird, stellt Dr. Driffing eigenmächtig Nachforschungen an und erkennt die Unschuld des Matrosen. Zur selben Zeit gerät jedoch sein eigener Bruder, der dekadent lebende Frauenarzt Dr. Klaus Driffing, in den Fokus der Ermittlungen. Durch die Hilfe des Boxers Willi Nippes erfährt Jan Driffing, dass die Morde in Zusammenhang mit einem Frauenarzt aus Hamburg stehen, der gleichzeitig illegale Abtreibungen vornimmt und wilde Sexpartys veranstaltet. Alle Hinweise laufen bei Jans eigenem Bruder zusammen, welcher aus Angst vor seiner Entlarvung seine eigenen Verbündeten erschießt und seinen Bruder sowie Hein gefangen nehmen lässt. Doch Jan und Hein können mithilfe der Männer von St. Pauli um Willi Nippes sowie der Polizei befreit werden. Klaus befindet sich nun in einer ausweglosen Situation. Da Jan ihn nicht fliehen lässt, entscheidet er sich dazu, sich vor Jans Augen zu erschießen. Einige Tage danach sieht man Jan wieder seiner Arbeit als Arzt von St. Pauli nachgehen.

 

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Falk Schwarz
Kein Aufstieg ohne Abstieg
Jürgens, Sex und Crime - das müsste doch hinhauen, sagten sich die orientierungslosen sechziger-Jahre-Filmemacher um Heinz Willeg. Und was kam heraus? Sex? Fehlanzeige. Ein paar Girls hüpfen barbusig durchs Bild. Crime? Eine bodenlos dumme Story um ein paar Fotografien, mit denen jemand jemanden erpressen möchte. Zum Schluss ein paar gesichtslose Typen, die auf einem Autofriedhof mit MPs herumballern. Und Jürgens? 1968 noch Boxofficegold. Doch wie perplex muss der Zuschauer sein, wenn sich herausstellt: sein Arzt ist nur Nebenhandlung? Man darf ihm beim Spazierengehen zuschauen, wenn er Hausbesuche macht, eine (schlecht inszenierte) Schlägerei in einer Kneipe durchsteht, wenn er einem Kind das Leben rettet (und dabei so linkshändig hantiert, dass man sich fragt: ist das ein Arzt oder ein Kurpfuscher oder nur ein schlechter Schauspieler?) und schließlich seinen Bruder als Bösen in die Enge treibt. Unter den vielen nichtssagenden Film-Gesichtern fällt eines auf: Heinz Reincke. Er war einmal einer der Stars des Gründgens-Ensembles in Hamburg und vertat dann sein Talent in solchen C-Produktionen. Wenn es denn wahr ist, dass die Produzenten der Terra (einem vom Constantin Verleih gesponsorten Ableger) sich mit solchen Machwerken jener Zuschauer erbarmen wollten, die sich durch die junge deutsche Welle der Kluges, Herzogs und Schlöndorffs aus den Kinos vertrieben fühlten, so gelang es nach erprobtem Rezept: tiefer stapeln geht immer. Dass diesen Film nahezu drei Millionen Zuschauer sehen wollten, lässt allerdings keine erfreulichen Rückschlüsse zu. Welchen Stellenwert hat Qualität? Haben die Macher nicht wahrgenommen, was ein Jürgen Roland aus St. Pauli machen konnte? Der Film ist handwerklich derart heruntergeschludert, dass Heimatfilme dagegen wie Juwelen wirken. Der Abstieg von Jürgens entfaltet auch Schockwirkung. Wenn heute von seinen letzten Fans beklagt wird, dass der Name dieses Schauspielers, der als General Harras in des "Teufels General" oder in den "Ratten" brillierte, nahezu vergessen ist, dann liegt die Erklärung genau hier: wer sich in solchen Filmen einsetzen lässt, um mit einer fetten Gage seinen Luxus-Lebenswandel zu finanzieren, der beschädigt seinen Nachruf. Jürgens wollte Weltstar sein und hielt es nicht durch. Hätte ein Cary Grant sich jemals auf derartige Produkte eingelassen?

Credits

Regie

Drehbuch

Schnitt

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Regie

Drehbuch

Bauten

Schnitt

Darsteller

Produzent

Dreharbeiten

    • 28.05.1968 - 21.06.1968: Hamburg, Travemünde
Länge:
2754 m, 101 min
Format:
35mm, 1:1,66
Bild/Ton:
Ferraniacolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 02.09.1968, 39604, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 20.09.1968, Nürnberg, Luli

Titel

  • Originaltitel (DE) Der Arzt von St. Pauli

Fassungen

Original

Länge:
2754 m, 101 min
Format:
35mm, 1:1,66
Bild/Ton:
Ferraniacolor, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 02.09.1968, 39604, ab 18 Jahre / nicht feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 20.09.1968, Nürnberg, Luli