Canaris

BR Deutschland 1954 Spielfilm

Inhalt

Geschichtsverfälschung à la 1950er Jahre: Der Chef der deutschen Abwehr, Admiral Canaris, steht dem Nazi-Regime mehr als kritisch gegenüber und beteiligt sich schließlich an einem Komplott gegen Hitler. Obergruppenführer und SD-Chef Heydrich erweist sich als sein gefährlichster Gegenspieler, der nichts unversucht lässt, die Abwehr unter seine Beaufsichtigung zu bekommen. Nach dessen Tod – er wird von tschechischen Freiheitskämpfern erschossen – scheint der Weg für Canaris frei zu sein. Nachdem Canaris wiederholt vergebens vor einem Krieg gegen die Sowjetunion gewarnt hat, beteiligt er sich an dem Plan des Attentats vom 20. Juli. Aber da er sich bereits früher unbeliebt machte, wird Canaris weiter beobachtet, schließlich seines Postens enthoben und hingerichtet.

 

Kommentare

Sie haben diesen Film gesehen? Dann freuen wir uns auf Ihren Beitrag!

Falk Schwarz
Dieser Canaris ist nicht Canaris
Wenn es so ist, dass 60 Prozent eines Films die Besetzung ausmacht, dann wissen wir, was uns hier erwartet: ein freundlicher älterer Herr, weißhaarig, mit der Diktion eines Schalterbeamten, leise tretend, ein Mann, der keiner Fliege etwas zu Leide tut, abwägend, mit diesem leichten Lächeln um die Mundwinkel - O.E. Hasse! Und das soll Flottenadmiral Canaris sein, der Chef der NS-Abwehr? Der U-Bootkapitän, der harte Kämpfer, der überzeugte Nationalsozialist, der Hitler noch rechts überholte, der Freikorpskämpfer, der von den Judenmorden wusste und (fast) alles, was das Regime anzettelte, mittrug? Ein solcher Canaris ist O.E. Hasse nicht. Hinter dieser Besetzung von Regisseur Alfred Weidenmann und Drehbuchautor Herbert Reinecker steckt Kalkül. Wie sagt man es denn, dass „alles gar nicht so schlimm war“? Indem zwar die äußerlichen Fakten stimmen, aber eben durch die „softie“ Besetzung ein anderer Eindruck erweckt wird. Der O.E. ist auf sympathisch angelegt. Auch die Auswahl der Szenen ist diesem (uneingestandenen) Konzept geschuldet: es werden ein paar konspirative Gespräche gezeigt. Ein paar Einbuchsszenen. Mehr nicht. Als der SD versucht, Canaris eine hübsche Spionin (Barbara Rütting) ins Nest zu setzen, bibbert der Zuschauer sofort mit, ob der freundliche alte Herr das wohl merkt. Als er es gemerkt hat (unter der Teetasse liegt ein Zettel: „SD-Spionin“), atmen alle auf. Der wirkliche Böse ist SS-Gruppenführer Heydrich (großartig gespielt von Martin Held). Er hat die zupackende Art, die Kälte, die Abgefeimtheit, die Arroganz. Er hätte Canaris spielen müssen. - Wir befinden uns mit diesem Film mitten in der restaurativen Adenauerzeit. Mit der Vergangenheit wurde eher großzügig umgegangen - man wollte es so genau nicht mehr wissen. Natürlich sind Weidenmann und Reinecker auch routinierte Filmer. Die letzte Szene etwa, in der Canaris abgeholt wird und seinem Wagen die beiden Hunde hinterher laufen, ist filmisch gut gelöst. Das soll nicht unterschlagen werden. Canaris als tragische Figur hinzustellen, mag ja möglich sein. Dass er ein Naziverbrecher war, unterschlägt der Film.

Credits

Schnitt

Darsteller

Produzent

Alle Credits

Schnitt

Darsteller

Produzent

Produktionsleitung

Aufnahmeleitung

Länge:
3080 m, 112 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 16.12.1954, 09057, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.12.1954, Hannover, Aegi

Titel

  • Originaltitel (DE) Canaris
  • sonstiger Titel Ein Leben für Deutschland - Admiral Canaris

Fassungen

Original

Länge:
3080 m, 112 min
Format:
35mm, 1:1,37
Bild/Ton:
s/w, Ton
Prüfung/Zensur:

FSK-Prüfung (DE): 16.12.1954, 09057, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Aufführung:

Uraufführung (DE): 30.12.1954, Hannover, Aegi

Auszeichnungen

Bambi 1956
  • Geschäftlich erfolgreichster deutscher Film 1955 (ex aequo >und Ludwig II.<)
Deutscher Filmpreis 1955
  • Wanderpreis Goldene Schale, Bester abendfüllender Spielfilm
  • Filmband in Gold, Beste Regie
  • Filmband in Gold, Bestes Drehbuch
  • Filmband in Gold, Beste männliche Nebenrolle