Cabaret

USA BR Deutschland 1972 Spielfilm

Inhalt

Anfang der 1930er Jahre haben die Nazis noch nicht die Macht übernommen. Sie machen sich aber mit ihrem rüpelhaften Auftreten sogar in der Nachtclubszene breit. Der englische Student Brian Roberts ist begeistert vom Berliner Flair. In seiner Pension lebt auch die amerikanische Varieté-Sängerin Sally Bowles. Sie tritt mit freizügigen Tanz- und Gesangsnummern im "Kit Kat Klub" auf.

Nach einer Erzählung des britischen Schriftstellers Christopher Isherwood drehte Bob Fosse diesen Revuefilm über das deutsche Leben kurz vor der Machtergreifung durch Adolf Hitler. Acht Oscars, unter anderem für Hauptdarstellerin Liza Minelli, kassierte der Film 1973 und ist bis heute unter anderem für seinen Hit "Money, Money" weltberühmt.

Quelle: 11. Festival des deutschen Films 2015

 

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Heinz17herne
Heinz17herne
Dreißiger Jahre, Tanz auf dem Vulkan in der Reichshauptstadt Berlin. Das Ende der ungeliebten Weimarer Republik naht schneller, als man sich das in den Amüsiervierteln zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Potsdamer Platz vorstellen mag. „Augen zu und durch“ lautet die Devise, wer weiß, was der nächste Morgen bringt.

„Willkommen, Bienvenue, Welcome“: Mit diesem Song empfängt der Conferencier (Traumrolle für Joel Grey) allabendlich die Gäste im verruchten Kit-Kat-Club. Dort begeistert die US-Sängerin Sally Bowles (der internationale Durchbruch für die unvergleichliche Liza Minelli) das unterhaltungsdurstige Tingeltangel-Publikum. Nur bei einem hat sie alles andere als leichtes Spiel, was Sally besonders wurmt, hat sie das Objekt ihrer Begierde doch bereits „daheim“ in ihrer Pension kennengelernt, wo sich auch sonst ein illustres Publikum trifft, darunter die wohlhabende Jüdin Natalia Landauer (Marisa Berenson) und ihr Verehrer Fritz Wendel.

Es ist Brian Roberts, ein Student aus Großbritannien, dem sie gestattet, seine Englisch-Nachhilfestunden in ihrem „Salon“ abzuhalten. Es „funkt“ jedoch erst zwischen Sally und Brian, als mit Maximilian von Heune ein wohlhabender deutscher Baron ins Spiel kommt, der offenbar an beiden ein gleich großes Interesse zeigt und sie sogleich auf sein Schloss einlädt. Was in eine – im Film freilich nur angedeutete – heiße Nacht mündet.

Als Sally schwanger ist, weiß sie jedenfalls nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wer denn nun der Vater ist – der englische Student, der von Braunhemden brutal zusammengeschlagen wird und rasch zurück auf die Insel zurückkehren will, oder der bisexuelle Adlige, den angeblich dringende Geschäfte nach Argentinien rufen...

Bob Fosses Welterfolg „Cabaret“ nach dem gleichnamigen Musical von Joe Masteroff, John Kander und Fred Ebb, das seit 1966 seinen Siegeszug vom Broadway über die ganze Welt ungebrochen fortsetzt, wurde 1972 mit nicht weniger als acht Oscars ausgezeichnet: für die Regie, die beste Hauptdarstellerin, den besten Nebendarsteller (Joel Grey ist Liza Minelli auf der Leinwand völlig ebenbürtig), für Geoffrey Unsworths Kamera und Ralf Burns Musik-Adaption, nicht aber für einen der tollen Songs aus der Feder von John Kander, für David Brethertons Schnitt sowie den Ton von Robert Knudson und David Hildyard. Last but not least: Für die Münchner „Bavaria“-Bühnenbildner Rolf Zehetbauer, Jürgen Kiebach und Herbert Strabel, die sich anschließend die Aufträge in aller Welt aussuchen konnten.

Der Tänzer, Schauspieler und Choreograph Bob Fosse, Regisseur solcher Film-Musical-Hits wie „Sweet Charity“ (1968) und „All that Jazz“ (1979, „Goldene Palme“ in Cannes 1980), hat mit „Cabaret“ einmal mehr ein hinreißendes Musical inszeniert und choreographiert. Und mehr noch: „Cabaret“ ist geradezu ein Lehrstück über den Pakt mit dem Teufel, dem zunächst nur schleichend wahrnehmbaren, dann immer stärker werdenden und schließlich nicht mehr zu leugnenden Aufstieg der Nazis in der Reichshauptstadt.

„Cabaret“ kam am 13. Februar 1972 in die amerikanischen, am 15. September 1972 in die bundesdeutschen und am 16. Mai 1975 in die DDR-Kinos. In der synchronisierten Leinwand-Fassung fehlten einige offenbar als zu starker Tobak empfundene Szenen. Die dann, Jerome Savary sei Dank, 1986 im Düsseldorfer Schauspielhaus und später im Pariser Theatre Mogador, wo ich Ute Lemper als Sally Bowles bewundern durfte, wenigstens auf den „Brettern“ gezeigt wurden. Der gut zweistündige Film gewann 1973 zudem drei Golden Globes. Er ist am 14. März 1976 erstmals im Fernsehen der DDR ausgestrahlt worden.

Bob Fosse (1927 – 1987) war ein Theatermacher durch und durch, der schon als Dreijähriger in kleinen Tanzshows auf der Bühne stand und 1950 als Tänzer am Broadway begann, bevor er sechs Jahre später als Choreograph debütierte mit dem Musical „The Pyjama Game“, dessen Verfilmung er übrigens auch choreographierte. Fosse hat sich stets für den historischen Hintergrund der Stoffe und die Psychologie der Figuren interessiert, so bei „Lenny“ (1974) mit Dustin Hoffman als Komiker- und Entertainer-Legende Lenny Bruce. So ist es keine Überraschung, dass er für die Nebenrollen eine ganze Reihe deutscher Schauspieler verpflichtet hat, die für episodische Kabinettstückchen sorgen, darunter Helen Vita, Gerd Vespermann, Ralf Wolter, Georg Hartmann und Sigrid von Richthofen.

Pitt Herrmann

Credits

Alle Credits

Titel

  • Originaltitel (US DE) Cabaret

Fassungen

Original

Länge:
124 min
Format:
35mm, 1,1:85
Bild/Ton:
Technicolor, Ton
Aufführung:

Uraufführung (US): 13.02.1972