Preisträger des Ehrenpreises des Deutschen Schauspielpreises bekanntgegeben

Den Ehrenpreis Lebenswerk des Deutschen Schauspielpreises erhält nach der Entscheidung des Vorstands des Bundesverbands Schauspiel in diesem Jahr der Schauspieler Ottfried Fischer.

 

Aus der Begründung:

Ottfried Fischer ist eine schauspielerische Naturgewalt. Seine Präsenz braucht keine lauten Töne, keine Effekthascherei. Ein feines Heben der Augenbraue, eine winzige Kunstpause – und der ganze Raum gehört ihm.
Vom Münchner "Hinterhoftheater", wo er nach einem abgebrochenen Jurastudium als junger Kabarettist seine ersten künstlerischen Schritte wagte, wurde er durch den melancholischen Trotz seines "Sir Quickly" in Franz Xaver Bogners Kult Serie "Irgendwie und Sowieso" schlagartig berühmt. Gleichzeitig bespielte er weiter als scharfzüngiger Freigeist die Kabarettbühnen und bekam viele Preise wie den Salzburger Stier oder den Deutschen Kleinkunstpreis. Der scheinbare Widerspruch zwischen ansehnlicher körperlicher Wucht und pointierter, schneller Satire wurden sein Markenzeichen. Es folgten unzählige Fernsehrollen, von denen am meisten die Titelrollen in den Reihen "Der Bulle von Tölz" und "Pfarrer Braun" herauszuheben sind. Gleichzeitig moderierte Fischer als grandioser Kabarettist über 100 Folgen von "Ottis Schlachthof".
Sein tiefer Respekt gegenüber der Sprache und dem ehrlichen Humor ist eine der ganz großen Besonderheiten seiner Schauspielkunst. Man trifft ihn am Set nie mit anderer Lektüre als dem Drehbuch, an dessen Dialogen er noch bis zur letzten Sekunde feilt. Deshalb haben seine Figuren stets großen Witz, unbezähmbare Seele und tiefe Würde.
Wir verneigen uns vor diesem großen Lebenswerk.

Ottfried Fischer steht als Ehrenpreisträger des Deutschen Schauspielpreises in einer Reihe mit Hildegard Schmahl (Ehrenpreisträgerin 2025), Charles Brauer (2024) Thekla Carola Wied (2023), Michael Degen (2022, posthum), Cornelia Froboess (2021), Dieter Mann (2020), Christine Schorn (2019), Peter Simonischek (2018), Hanna Schygulla (2017), Armin Mueller-Stahl (2016), Rolf Hoppe (2015), Senta Berger (2014), Götz George (2013) und Katharina Thalbach (2012).

Ehrenpreis Inspiration

Mit dem Ehrenpreis Inspiration zeichnet der Vorstand des BFFS eine Persönlichkeit oder Institution aus, die durch ihre Leistung in besonderer Weise die Schauspielkunst ermöglicht und gefördert hat. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an die International Federation of Actors (FIA) vertreten durch deren Präsidentin Gabrielle Carteris.

Aus der Begründung:

Ein Theaterstück, ein Film, ein Hörspiel. Alles ist in der Regel eine Ensembleleistung. Schauspieler*innen tun sich zusammen und schaffen gemeinsam etwas, das größer ist als jede einzelne Rolle. Für Schauspieler*innen ist das selbstverständlich. Für ihre Interessenvertretung war es das nicht immer.
1951 lud die französische Schauspielergewerkschaft Kolleg*innen aus mehreren europäischen Ländern nach Paris ein. Ein Jahr später, in London, wurde daraus gemeinsam mit der britischen Actors' Equity die International Federation of Actors (FIA). Heute ist die FIA eine Weltorganisation mit rund 80 Gewerkschaften und Verbänden in über 60 Ländern, darunter auch der BFFS.
Wie wichtig die FIA ist, zeigte sich beim FIA-Weltkongress im November 2025 in Birmingham. 150 Delegierte aus rund 61 Ländern waren angereist. Mitten in diesen Tagen wurde bekannt, dass die EU-Kommission Transparenzpflichten für KI-Anbieter aufweichen wollte, Berichten zufolge unter Druck der US-Regierung und großer Tech-Konzerne. Wir reagierten noch während der Tagung mit einer Emergency Resolution und forderten alle Mitgliedsgewerkschaften auf, Widerstand zu zeigen und wachsam zu bleiben. Obwohl wir aus verschiedenen Kontinenten kamen, lagen uns die gleichen Themen am Herzen. Wir verabschiedeten Resolutionen zu Intimacy Coordination, zur Sichtbarkeit älterer Schauspieler*innen, zu Vielfalt in der eigenen Führung, zu internationaler Solidarität bei Streiks, gegen Kürzungen der Kulturbudgets und vieles mehr.
Für den BFFS bedeutet die FIA auch, eine starke Stimme in Brüssel zu haben. Aktuell kämpfen wir gemeinsam bei Themen wie KI, Persönlichkeitsrechten oder EU-Urheberrecht. Die FIA hat uns gezeigt, dass internationale Solidarität kein Lippenbekenntnis ist, sondern ein Werkzeug, das im entscheidenden Moment eingesetzt wird.

Den Preis für die International Federation of Actors (FIA) nimmt die Präsidentin des Weltverbands, Gabrielle Carteris, entgegen. Gabrielle Canteris ist selbst Schauspielerin und wurde einem weltweiten Publikum in ihrer Rolle als Andrea Zuckermann in der US-Kultserie "Beverly Hills 90210" bekannt. Sie spielte zwischen 1990 und 2000 in fünf Staffeln der Serie sowie in zahlreichen Episoden späterer Staffeln. Von 2016 bis 2021 leitete sie die Screen Actors Guild, die mächtige Schauspielergewerkschaft in den USA, bevor sie 2021 zur Präsidentin der FIA gewählt wurde.

Die Verleihung des Deutschen Schauspielpreises 2026 findet am 11. September im Hotel Pullman Berlin Schweizerhof statt.

Über den Deutschen Schauspielpreis:

Der Deutsche Schauspielpreis wurde vom Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) ins Leben gerufen und während der Berlinale 2012 zum ersten Mal verliehen. Die Preisverleihung ist eine Non-Profit-Veranstaltung, die nur durch ein breites ehrenamtliches Engagement der Schauspieler*innen, zahlreicher Freunde und Unterstützer*innen, Förder*innen und Sponsor*innen ermöglicht wird.
www.schauspielpreis.com

Über den Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS):

BFFS steht für Bühne, Film, Fernsehen, Sprache. Gegründet 2006 ist der BFFS als Verband und Gewerkschaft mit seinen über 4.300 inzwischen die größte nationale Schauspieler*innen Organisation und die mitgliederstärkste Berufsvertretung der deutschen Film-, Fernseh- und Theaterlandschaft. Der BFFS vertritt die berufsständischen sowie die gewerkschaftlichen Interessen der Schauspieler*innen in Deutschland. Er will die kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen, tariflichen und sozialen Rahmenbedingungen verbessern bzw. schaffen, die sowohl den einzigartigen Schauspielberuf schützen, bewahren und fördern als auch die besondere Lebens- und Erwerbsituation der Künstler*innen berücksichtigen, die diesen Schauspielberuf ausüben.
www.bffs.de

Quelle: www.schauspielpreis.com