Summary
"Lila, Lila" is the film version of Martin Suter’s best-selling novel. Germany during the 1950s: David, a young and plain waiter is secretly in love with beautiful Marie, but he is too shy to make the first move. To finally draw her interest, he gives her a manuscript of a novel to read. The copy appeals to Marie and she immediately decides to pass it on to a publishing company. And as a matter of fact, the novel with the title "Lila, Lila" turns out to be a sales success. The only problem is that David has not written the novel himself but had found the copy in a rag shop. And the real writer, an over-the-hill tramp, soon turns up and starts to blackmail the impostor.
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David Kern hat als Kellner zwar noch nicht seinen Wunsch-Beruf gefunden, verkörpert die Rolle des dienstbaren Geistes, der für die Kundschaft unsichtbar bleibt und geduldig wartet, bis man ihm Beachtung schenkt, jedoch perfekt. Freilich nicht nur im angesagten Esquine mit dem wieder hochmodernen Design der 1950er und 1960er Jahre (das Prenzlberger „Glücklich sein am Park“ stand offenbar Pate), sondern auch sonst im Leben – und schon gar bei Frauen. Was ihn nicht hindert, auf einem Flohmarkt mit einer jungen Frau zu flirten, der er später – und dann immer wieder – als Kundin im Café wieder begegnet: Die sich so cool gebende Marie studiert Literaturwissenschaft und interessiert sich für einen jungen Schriftsteller namens Ralph, der freilich mit seinem Erstling nun schon geraume Zeit nicht zu Potte kommt.
Ein Zufall kommt ihm zu Hilfe: In der Schublade eines auf besagtem Flohmarkt erstandenen Nachttisches findet er das „Sophie, Sophie“ betitelte Romanmanuskript eines gewissen Alfred Duster. Die romantische Geschichte einer hoffnungslosen Liebe aus der Nachkriegszeit fesselt ihn so stark, dass er die vergilbten Blätter auch auf dem Klo nicht aus der Hand legt. Flugs eingescannt und mit seinem Namen versehen landet das umfangreiche Manuskript bei Marie. Der Köder ist gelegt – und die scheue Schöne, vom Text so gerührt wie begeistert, beißt an: Beim mitternächtlichen Schlittschuhlaufen kommen sich beide sehr nahe. Was David nicht weiß: Als Marie endlich bei ihm im Bett gelandet ist, liegt „sein“ Manuskript längst bei einem renommierten Verlag.
Und so kommt nach hanebüchenem Probelauf in der kleinen Buchhandlung um die Ecke der erste Auftritt vor großem Publikum in der Volksbühne nebst anschließender Signierstunde ganz automatisch. Wo sich auch ein gewisser Alfred Duster ein „Lila, Lila“-Exemplar signieren lässt zum Entsetzen Davids: Diesen Jacky Stocker, ein rotzfrecher Schnorrer im Gewand des versoffenen Bohemiens, wird er auf absehbare Zeit nicht mehr los, weder daheim noch auf der Leipziger Buchmesse, wo Daniel als „absoluter Hot Shot“ herumgereicht wird. Was wird Marie von ihm denken, wenn er mit der Wahrheit herausrückt? Jacky weiß die Antwort: „Frauen wollen Künstler, keine Kellner“.
So bleibt David, von den Medien bedrängt und von den Verlagen umworben, gar keine andere Wahl, als Jackys Spiel mitzumachen. Denn der will mehr als nur ein großes Stück vom Kuchen der Tantiemen, der will in neue Marketing-Sphären vorstoßen – und schreibt schon fleißig am zweiten David Kern-Roman „A la Carte“. Als zum überraschend dann doch noch überraschenden Schluss tatsächlich David Kerns zweiter Roman auf den Markt kommt, „Der Nachttisch“, haben wir leider nur ein recht konventionell erzähltes und - trotz einiger aufwändiger Einstellungen des Kameramannes Matthias Fleischer in Cinemascope-Format - gefilmtes Pantoffelkino-Kammerspiel gesehen, ein typisch deutsches Kino-TV-Produkt also.
Was aus mehreren Gründen schade ist. Zum einen hält der gleichnamige, in der Schweiz bei Diogenes erschienene und mittlerweile mehr als 300.000mal verkaufte Roman von Martin Suter, der zu den renommiertesten eidgenössischen Schriftstellern gehört, vieles in der Schwebe. Vor allem erfährt Marie am Ende der 352 Seiten weder, wie David zum Romanmanuskript gekommen ist, noch dass er gar nicht der Autor des Bestsellers „Lila, Lila“ ist. Zum anderen ist von Suters Satire auf den Literaturbetrieb im allgemeinen und die knallharte Geschäftemacherei rund um die Frankfurter Buchmesse im besonderen bei Alain Gsponers mittlerweile viertem Spielfilm nicht mehr viel übrig geblieben. Und das liegt nicht nur an der der Mitteldeutschen Medienförderung geschuldeten Verlegung des Tatortes nach Leipzig.
Erwähnenswert die prominente Besetzung zweier Nebenrollen: Katharina Schüttler als Marias Mitbewohnerin und Anna Maria Mühe als Davids Nachfolgerin im Esquine. Uraufgeführt im Oktober 2009 auf dem Hamptons Int. Filmfestival New York war die Free-TV-Premiere am 2. April 2013 auf Sat 1. Beim 29. Minneapolis/St. Paul International Film Festival 2011 gabs die Auszeichnung als „Best Narrative Feature“.
Pitt Herrmann