Summary
Don't. Get. Out!
Karl Brendt is the successful owner of a construction company in Berlin. Yet he has enemies: As he drives his children Josefine and Marius to school one morning, his cell phone rings – and an unknown caller says that there is a bomb hidden under Karl's car seat. In order to save himself and his children, Karl has to come up with a ransom. If he doesn’t provide the money in time, the bomb will be set off. The same fate awaits him if he or his kids try to flee. Yet the bomb is not the only problem: Karl's estranged wife Simone mistakenly thinks that he has kidnapped his own children, thus she alarms the police. The latter sends in explosives expert Pia Zach, while Karl enters a desperate race against time and his pursuers.
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Da er nach dem Schwabing-Termin kurzfristig noch einen neuen in der Hauptstadt hinzubekommen und ausnahmsweise den Flieger genommen hat statt die Bahn, platzt er unerwartet daheim in die Vorbereitungen der Familie für einen halbwegs geordneten Tagesbeginn hinein: Gattin Simone hatte sich fest darauf eingestellt, die beiden Kinder zur Schule zu bringen, kommt aber, hypernervös wie sie aus welchem Grund auch immer ist, nicht in die Klamotten.
Sodass Karl, der tatsächlich seinen Hochzeitstag 'mal nicht vergessen und Simone noch rasch ein naturgemäß teures Geschenk besorgt hat, gar nicht dazu kommt, ihr dieses zusammen mit einem Strauß Blumen zu überreichen. Er schmeißt vielmehr seinen besternten SUV an, um die heftig pubertierende Zicke von Tochter Josefine und ihren nervigen Frechdachs von kleinem Bruder Marius zur Schule zu fahren. Der noch nachts ins Bett nässt, was ihm die indignierte Schwester zum Vorwurf macht: der Stress der Eltern geht an den Kindern halt nicht vorbei.
Gerade als sich Karl in den Rush-Hour-Verkehr der Stadtautobahn eingefädelt hat, meldet sich ein Handy – aus dem Handschuhfach. Es handelt sich um ein fremdes Gerät mit einem Brendtschen Familienfoto aus dem eigenen Social-Media-Auftritt im Display – und die Stimme verkündet Ungeheuerliches: der Erpresser verlangt mehrere Geldtransfers enormer Summen auf ein Nummernkonto irgendwo in der Südsee. Als Ausgleich für das ihm und seiner Familie von Karl Brendt persönlich und der Immobilienfirma zugefügte Unrecht.
Karl und insbesondere seine Kinder halten das Ganze für einen schlechten Aprilscherz am ersten Tag dieses Monats, aber der erpresserische Anrufer kann halbwegs glaubhaft machen, dass er Bomben unter den Sitzen versteckt hat, die automatisch zünden, wenn jemand das Fahrzeug verlässt. Könnte es sein, dass es sich beim Erpresser um den Motorradfahrer handelt, der stets den Daimler in Sichtweite verfolgt? Bei nächster Gelegenheit macht Karl die Probe aufs Exempel – und Josefine erkennt in ihm David, ihren Schulfreund, der sich wundert, dass die Kinder durch Berlin kutschiert werden statt in der Schule zu sitzen.
Verifiziert wird die tödliche Gefahr durch Ida, die Gattin von Karls Abteilungsleiter Omar Cicek. Der ist zwar auf der Karriereleiter an ihm vorbeigezogen, aber sein Kumpel geblieben – und damit sein erster Ansprechpartner in dieser delikaten Angelegenheit. Denn Karl soll – vom Auto aus – nicht nur seine persönlichen Konten und die seiner Gattin räumen, sondern auch noch über die Firma größere Geldtransfers vornehmen lassen, die das vereinbarte Limit für Einzelbuchungen überschreiten, weshalb mehrere Unterzeichnungsberechtigte zustimmen müssen.
Weil Ida sich über die Anweisung des Erpressers, das Fahrzeug nicht zu verlassen, hinwegsetzt, fliegt Ciceks Nobelkarosse spektakulär in die Luft. Ein Splitter landet im Bein des sogleich stark blutenden und immer wieder ohnmächtigen Marius – aber der Weg ins nächste Krankenhaus bleibt dem am Boden zerstörten Nervenbündel von Vater untersagt. Der Erpresser verlangt zuerst das Geld. Und Karl erreicht seine Gattin nicht. Es dauert, bis Josefine mit der Wahrheit herausrückt, dass ihre Mutter seit geraumer Zeit ein Verhältnis mit Pascal D'Angelo unterhält, einem Rechtsanwalt und geschiedenen Vater ihrer Klassenkameradin Eveline.
Als beide Eheleute endlich miteinander sprechen und Simone dazu bereit ist, das Geld von der Bank abzuholen und an einem noch zu vereinbarenden Ort für den Erpresser zu deponieren, sieht Pascal die Chance, der in den letzten Zügen liegenden Ehe seiner Geliebten den Todesstoß zu verpassen: Er ruft die Polizei an und tischt dem zuständigen Kommissar Fritz Drache eine wilde Geschichte auf: Karl Brendt sei ein Spieler, der hohe Schulden begleichen müsse und deshalb seine Kinder entführt habe, um die Gattin und die Firma zu erpressen. Die Polizei nimmt die frei erfundene Story, von der naturgemäß auch Simone keine Ahnung hat, für bare Münze und setzt ein Großaufgebot in Gang. Show down mit Hubschrauber auf dem Gendarmenmarkt: nichts geht mehr. Bis sich mit Pia Zach eine Sprengstoffexpertin einschaltet, die als einzige die Geschichte Karls glaubt, sich als Frau aber gegen die männliche Dominanz von Drache & Co, die nur die eigene vorgefasste Meinung gelten lassen und alle anderen Hinweise negieren, nicht durchsetzen kann. So ist Karl wieder ganz auf sich allein gestellt...
„Atemlose Spannung, packende Action, große Emotionen, raffinierte Wendungen“: das NFP-Presseheft hat nicht zu viel versprochen. „Steig. Nicht. Aus!“ ist ein für deutsche (TV-Koproduktions-) Verhältnisse grandioses Mittelding zwischen aufwändigem Action- und an den Nerven zehrendem Psycho-Thriller. Auch wenn es nach knapp zwei elektrisierenden Stunden zwar nicht ohne Leichen abgeht, aber doch alles auf ein familienfreundliches Happy End hinausläuft, ist Christian Alvart ein deutlich über dem Schnitt des Gewohnten liegender Film für die große Leinwand gelungen, obwohl er großenteils nur innerhalb eines Fahrzeugs spielt.
Vor Wotan Wilke Möhring ziehe ich den Hut. Glaubhaft verkörpert er den verzweifelten Vater, dem spätestens nach dem Explosionstod seines Kumpels klar geworden ist, dass es nur einen Ausweg gibt – die Erfüllung aller Forderungen des Erpressers. Karl Brendt setzt alle seine in 17 Jahren bei Jenkins & Partner erworbenen Psychotricks ein, um in selbst schier aussichtsloser Lage und geradezu übermenschlicher physischer wie psychischer Anspannung die anderen Abteilungsleiter und schließlich auch seinen Boss übers Telefon von der Notwendigkeit der Finanztransfers zu ihrer eigenen nicht ganz legalen Geldvermehrung zu überzeugen.
Dabei ist er selbst inzwischen von der eigenen Mitschuld überzeugt: rücksichtslose „Entmietung“ lukrativer Immobilien sind das Alltagsgeschäft, das freilich gern skrupellosen Fremdfirmen überlassen wird. Die Selbstmorde wie den der Frau des Erpressers als Kollateralschaden abhaken. Karl Brendt würde einiges anders machen, doch in diesem speziellen Fall kommt sein Umdenken zu spät. So ist er bereit, sein Leben für das seiner Kinder zu opfern...
Ursprünglich sollte „Steig.Nicht.Aus!“ am 1. Februar 2018 vom Filmwelt Verleih in die Kinos gebracht werden. Warum auch immer erfolgte ein Wechsel zu NFP und eine Verschiebung des Starttermins auf den 12. April 2018. Free-TV-Premiere war am 6. April 2020 im ZDF.
Pitt Herrmann