Jetzt und alles

Deutschland 1994 TV-Spielfilm

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Heinz17herne
Heinz17herne
Plattenbau-Siedlung am Rande Dresdens, gewaltige Fernwärme-Rohre, wilde Müllkippen. Mittendrin unter Bäumen ein kleiner Friedhof. Ein junger Mensch wird zu Grabe getragen, der Pfarrer (Joachim Kretschmar) müht sich um tröstende Worte. Aus gebührender Entfernung beobachten drei Kumpel des Toten das Geschehen: Lucky, Falco und Marco. Das nun zum Trio geschrumpfte einstige Quartett 14- bis 16-jähriger „Crash-Kids“ widmet sich einer aus dem Westen importierten Freizeitbeschäftigung: Ballerspiele in der Spielothek des Ehepaars Jutta und Karsten Wille. Und wenn das noch nicht Nervenkitzel genug ist, klauen Lucky & Co Autos, um damit auf einem offenbar noch nicht für den Verkehr freigegebenen neuen, mehrspurigen Straßenstück brandgefährliche Wettrennen auszutragen.

Schnitt. Jutta Wille liegt mit Ollenberg im Bett – und das offenbar nicht zum ersten Mal. Die Spielothek selbst wirft nur wenig ab, da ist der florierende Menschenhandel ihres „Geschäftspartners“ schon weitaus lukrativer: Ollenberg verspricht jungen tschechischen Frauen lukrative Jobs in großen Hotels, vermittelt sie jedoch bundesweit an Bordelle. Bis alle bürokratischen Notwendigkeiten geklärt sind, wird die „Ware“ in einem benachbarten Kesselhaus „zwischengelagert“.

Als ein älterer, gebrochen Deutsch sprechender Mann (Petr Svarowsky) vor der Spielothek Randale macht, weil er seine vermisste Tochter Katja Hasek (Lenka Jelinkova) sucht, wird er mit Gewalt zum Stillschweigen gebracht und im Kofferraum des Willeschen Mercedes verstaut. Ausgerechnet dieses Fahrzeug hat sich das Trio fürs nächste Rennen ausgesucht, bei dem es tatsächlich zum Crash kommt: Erst mit einem Bagger, dann mit einem Verkehrspolizisten (Michael Meister).

Noch in derselben Nacht wird der Daimler an der Elbe abgefackelt, die Polizei finden dennoch Überreste des Toten und kann auch den Besitzer des Fahrzeugs identifizieren. Karsten Wille kann es nicht gewesen sein, aber er bekommt dennoch Schwierigkeiten: „Der tote Tscheche ist bares Geld“ weiß Lucky und erpresst den Spielotheken-Besitzer. Doch bei Karsten Wille ist nichts zu holen: Der Lehrer für Russisch und Staatsbürgerkunde ist seit der Wende arbeitslos. Dessen Gattin holt sich bei Ollenberg Hilfe – so schrumpft das Trio zum Duo aus Lucky und Marco.

Die beiden Hauptkommissare Bruno Ehrlicher und Peter Kain kommen erst durch einen Hinweis von Gaby, die beim Rennen mit im Opel saß, den Jungs auf die Spur. Ihr Vater (Gerhard Jochum) hatte sie zur Aussage gedrängt, während der verzweifelte Marco vergeblich seinen Erzeuger telefonisch um Hilfe anfleht. Lucky sinnt auf Rache: Er verfolgt Ollenberg, der Katja Hasek aus dem Kesselhaus geholt hat, um sie zu ihrem neuen „Arbeitsplatz“ zu bringen. Es gelingt dem erfahrenen „Crash-Kid“, den Menschenhändler an einer Leitplanke zu rammen und die junge Frau zu befreien.

Doch Lucky, der davon träumt, mit der Tschechin irgendwo ein neues Leben zu beginnen, überfällt eine Tankstelle, dessen Inhaber (Reinhard Scheunemann) erst das vom Jungen übersehene Geld aus der Kasse in seinen Overall steckt, bevor er die Polizei informiert. Da Kain nicht wissen kann, dass Luckys Pistole nicht geladen ist, lässt Letzterer sein Leben beim Showdown auf offenem Feld…

Das traurige Finale passt zur düsteren Grundstimmung dieses mit den drei DDR-Stars Renate Krößner („Solo Sunny“), Henry Hübchen („Jakob der Lügner“) und Winfried Glatzeder („Die Legende von Paul und Paula“) hochkarätig besetzten Nach-Wende-Krimis, der die sozialen und mentalen Folgen der deutschen Wiedervereinigung in den Mittelpunkt stellt mit reichlich Kapitalismus-Kritik. Ungewöhnlich für den „Horst Krause“-Regisseur Bernd Böhlich, dass zwar unterschiedliche Ermittlungsansätze der beiden Kriminalpolizisten Ehrlicher und Kain thematisiert werden, diesmal aber das Privatleben der Kommissare überhaupt keine Rolle spielt.

Pitt Herrmann

Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Music

Cast

Producer

All Credits

Director

Screenplay

Director of photography

Music

Cast

Producer

Duration:
89 min
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 31.07.1994, ARD

Titles

  • Originaltitel (DE) Jetzt und alles
  • Reihentitel (DE AT CH) Tatort
  • Arbeitstitel (DE) Crash

Versions

Original

Duration:
89 min
Video/Audio:
Farbe, Dolby
Screening:

TV-Erstsendung (DE): 31.07.1994, ARD