Jerichow

Deutschland 2008 Spielfilm

Summary

Jerichow, a village in northeastern Germany – the area is poor and there is little work to be found. Here three people, off the beaten path of life, stumble into a fateful encounter: Thomas, young, strong, taciturn, a former soldier, dishonourably discharged; Ali, a bit the worse for wear, but still affable, a Turkish businessman in Germany who is mainly concerned that the employees at his snack bars don′t cheat him; Laura, a woman with a past, attractive, but somewhat withdrawn into the shadows in her marriage with Ali.

Thomas, Ali and Laura withhold themselves and their secrets from one another. They want love, but are also very concerned with security. They are dependent on each other, but what they want can only be reached at the cost of betrayal.

Christian Petzold′s "Jerichow" is a love triangle in which the longings of the three characters only graze the surface of even greater dreams. On the byways of Germany′s Northeast, in the forests of the expansive countryside and along the cliffs above the sea a drama unfolds in which a classical cinematic constellation undergoes a daring reinterpretation. Caught between guilt and freedom, passion and intrigue are desires, the fulfilment of which comes to resemble a curse.

Source: 59. Internationale Filmfestspiele Berlin (Catalogue)

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Heinz17herne
Heinz17herne
Glocken läuten in Jerichow, einem Nest irgendwo weit oben im dünn besiedelten Nordosten des wiedervereinten Deutschland. Sie läuten zur Beerdigung der Mutter von Thomas, der nach längerem Auslandsaufenthalt wieder ins Brandenburgische zurückgekehrt ist. Der nach einem Vorfall in Afghanistan unehrenhaft entlassene Zeitsoldat ist zwar der einzige Erbe, aber nicht der einzige Besucher, der sich im bescheidenen Häuschen der Verstorbenen umblickt. Denn Thomas hat erhebliche Schulden bei Leon (markanter Episodenauftritt: André M. Hennicke), einem Kumpel aus frühesten Kindertagen, und der versteht keinen Spaß. Er zieht erst zufrieden ab, als er „seine“ Kohle aus dem Versteck im alten Baumhaus holt. Mit dieser wollte Thomas das elterliche Häuschen renovieren, in dem er nun leben will.

Nur scheinbar ein schwebender Neustart: Das Arbeitsamt vermittelt Thomas einen Ernteeinsatz auf dem Gurkenflieger. Ohne einen einzigen Cent Rücklage freilich nur ein Tropfen auf den heißen Schuldenstein, weshalb es Thomas wie ein Wink des Schicksals erscheinen muss, als er auf den Türken Ali trifft. Im Straßengraben, in den sich der zwar äußerst erfolgreiche, aber eben auch häufig betrunkene Unternehmer bugsiert hat im eigenen Land Rover.

Unter den Augen der Polizei, die schon seit geraumer Zeit hinter dem Autofahrer Ali her ist, mutiert Thomas zum neuen Mitarbeiter – und wenig später auch Cheffahrer – des stolzen Herrn über 45 Imbissbuden und einer wunderschönen deutschen Frau, Laura (allzu sprödes Objekt männlicher Begierde: Nina Hoss). Mit der zusammen er die Fast-Food-Kette aufgebaut hat und betreibt, was nicht ohne Reibungsverluste abgeht. Denn Alis Pächter wirtschaften häufig in die eigene Tasche, und der kleine Türke mit dem großen Herzen drückt beinahe ebenso häufig beide Augen zu.

Und wenn es tatsächlich zu einem handfesten Streit kommt, kann Ali jetzt auf Thomas, dem er beinahe blindlings vertraut, zählen, besser: auf dessen Nahkampf-Ausbildung bei der Bundeswehr. Sechs-Tage-Woche mit Überstunden, 2500 Euro, bald das Lieferfahrzeug auch zur privaten Nutzung: Thomas kann mit diesem Neuanfang rundum zufrieden sein. Zumal er bald eine Sympathie für den Türken, der zunächst den Chef herausgekehrt und ihn in entwürdigender Weise examiniert hat, entwickelt.

Andererseits wirft Thomas unverhohlen begehrliche Blicke auf Laura, Alis attraktive, aber gleichzeitig sehr distanzierte und beherrschte Frau, wenn er morgens den Lieferwagen vor der tief im Wald versteckten Ziegelsteinvilla Alis belädt und abends abrechnet. Kühl, fast geringschätzig behandelt sie den Fahrer, an dessen ständige Begleitung sich ihr Mann so schnell gewöhnt hat. Den sie zum Abschied flüchtig küsst, dessen Fürsorglichkeit sie mit höflichem Lächeln auf Abstand hält und den sie rasend eifersüchtig macht, wenn sie tagsüber einmal nicht per Handy erreichbar ist.

Zum Einstand lädt Ali zu einem gemeinsamen Picknick an die Ostsee ein. Geradezu provozierend seine Aufforderung an Thomas und Laura zum eng umschlungenen Schwoof zu türkischer Popmusik am Strand, während er sich scheinbar in die Weite der Dünenlandschaft entfernt. Eine von zahlreichen Proben, die noch kommen – und die, das lässt sich absehen, beim festesten Willen nicht immer bestanden werden können. Denn Thomas hat die Spannungen, das Nebeneinander von Laura und Ali, deren Verbundenheit auf einem geheimen Schmerz zu gründen scheint, längst als eigene Chance wahrgenommen. So folgen dem ersten Kuss am Strand rasch kleine, leidenschaftliche Umarmungen und kurzer, heißer Sex bei heimlichen Begegnungen. Immer tiefer verstricken sich die drei in ihre Leidenschaften, Wünsche, Abhängigkeiten und Geheimnisse, bis das, was sie voneinander wollen, nur noch um den Preis des Verrats möglich scheint...

Christian Petzolds Drama erzählt gut eine Stunde lang eine allzu vorhersehbare Dreiecksgeschichte in dazu noch langweilig-konventioneller TV-Ästhetik. Um dann in den letzten zwanzig Minuten bis zum finalen Showdown an der Dünenklippe hoch über dem Ostsee-Strand doch noch die Kurve zu kriegen hin zu knisternder Spannung und melodramatischer Rührung.

Dem bis in kleinste Nebenrollen prominent besetzten Kammerspiel frei nach James M. Cains Klassiker „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, das so recht zu unserer Wirtschaftskrise passen mag, fehlen Leidenschaft und Sinnlichkeit der Protagonisten Benno Fürmann und Nina Hoss als Gegengewicht zur naturgewaltigen Leinwandpräsenz des überragenden Hilmi Sözer in der Rolle des heimatlos-verlorenen und nicht nur in diesem Dreieck chancenlosen Ali. Die Erstausstrahlung erfolgte am 13. April 2011 auf Arte.

Christian Petzold im Piffl-Presseheft zur Filmidee: „Als wir damals ‚Yella‘ drehten, lasen wir in einer Prignitzer Tageszeitung, dass die Polizei einen Vietnamesen festgenommen hatte. Er stand neben seinem defekten Wagen am Straßenrand. Achsbruch, Hinterachse. Der Kofferraum voller Münzgeld, das reichte für die Festnahme. Es stellte sich heraus, dass dem Mann 45 Imbißstuben gehörten, dass das Geld im Kofferraum Wechselgeld und Tageseinnahmen waren. Er hatte sich ein Geschäft aufgebaut, ein Haus gekauft, etwas außerhalb, in einem Wald, fernab anderer Häuser, für sich und seine Familie. Die Prignitz ist eine sterbende Gegend. Es gibt keine Produktion, keine Arbeit. Der Vietnamese hat der sterbenden Gegend ein Geschäft, ein Haus, eine Heimat abgetrotzt. ‚Heimat-Building‘, das ist etwas, was mich immer interessiert hat.“

Pitt Herrmann

Credits

All Credits

Assistant director

Script supervisor

Screenplay

Script editor

Director of photography

Steadycam operator

Still photography

Lighting design

Key grip

Property master

Stand-by props

Costume design

Editing

Assistant editor

Sound editor

Sound design

Audio mixing

Special effects

Stunt co-ordinator

Casting

Music consultant

Music

Unit production manager

Production assistant

Original distributor

Shoot

    • 21.04.2008 - 06.06.2008: Wittenberge, Ahrenshoop (Ostsee)
Duration:
2509 m, 92 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Eastmancolor, Dolby SRD
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (De): 20.11.2008, 116117, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (IT): 28.08.2008, Venedig, IFF;
Erstaufführung (DE): 24.10.2008, Hof, Internationale Filmtage;
Kinostart (DE): 08.01.2009

Titles

  • Originaltitel (DE) Jerichow

Versions

Original

Duration:
2509 m, 92 min
Format:
35mm, 1:1,85
Video/Audio:
Eastmancolor, Dolby SRD
Censorship/Age rating:

FSK-Prüfung (De): 20.11.2008, 116117, ab 12 Jahre / feiertagsfrei

Screening:

Uraufführung (IT): 28.08.2008, Venedig, IFF;
Erstaufführung (DE): 24.10.2008, Hof, Internationale Filmtage;
Kinostart (DE): 08.01.2009

Digitalisierte Fassung

Duration:
92 min
Format:
DCP, 1:1,85
Video/Audio:
Farbe, Stereo